Citroën C5 Tourer: Bon Voyage - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Citroën C5 Tourer Bon Voyage

Trotz des extravaganten Citroën C6 – jenseits der Kleinwagen hat der französische Hersteller in Deutschland nur wenig Rückhalt. Mit dem neuen Mittelklasseauto C5 soll das anders werden. Typisch deutsche Auto-Tugenden machen vor allem den Kombi zum idealen Reisewagen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Den Citroën C3 Pluriel, das Auto mit dem wandelbaren Dach für Hobbybastler, kennt man vielleicht, und Familienväter haben sicher schon von den ebenso geräumigen wie günstigen Citroën-Modellen Berlingo oder C4 Picasso gehört. Aber richtige Autos, also stattliche Limousinen und Kombis für die große Fahrt? Da gibt es kaum Anschauungsmaterial im Straßenbild. Die Modelle C5 oder C6 fallen hierzulande unter automobilen Artenschutz.

Doch das soll sich, zumindest was die Baureihe C5 anlangt, bald ändern. Seit ein paar Wochen verkauft Citroën den neuen C5, der auf Großplakaten mit dem Kalauer "Liberté, Egalité, Straßenlage" beworben wird. Tatsächlich ist man versucht, "Adieu tristesse!“ zu rufen, wenn man Limousine oder Kombi (der bei Citroën Tourer heißt) erstmals zu Gesicht bekommt. Denn aus dem früheren Langeweiler ist ein eleganter Aufsteiger geworden, der mit typisch deutschen Tugenden nun auch zunehmend deutsche Kunden ansprechen soll.

Nicht extravagant und effekthascherisch, sondern grundsolide, souverän, gediegen und vor allem vornehm fährt das neue Auto direkt in den Windschatten der Konkurrenz. Nicht mehr Peugeot 407 oder Renault Laguna sind die Wettbewerber des Citroën C5. Sondern schon eher VW Passat oder Ford Mondeo, und Autos wie ein Audi A4, ein 3er BMW oder die Mercedes C-Klasse sind plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt. Außer beim Preis natürlich. Denn die üppig ausgestattete französische Limousine gibt es ab 21.990 Euro, den Tourer ab 23.090 Euro.

Im Fond gibt es eine herausnehmbare Taschenlampe

Die hochwertige Anmutung setzt sich im Innenraum fort. Es riecht nach einem Leder, es gibt schmucke Metallkonsolen, die Farben bilden einen hübschen Kontrast, die Sitze sind Kilometer weich und bequem, und das große Panoramadach sorgt für ein lichtes Ambiente. Nur Ablagen gibt es zu wenig: Den Getränkehalter findet man deshalb unter der Armlehne, und das Mobiltelefon rutscht meist irgendwo über den Getriebetunnel. Dafür allerdings sind die Taschen in den Türen so schlau, bei Dunkelheit automatisch ein Lichtlein anzuknipsen, wenn sich eine Hand nähert. Und die herausnehmbare Taschenlampe im Fond ist auch keine schlechte Idee. Und als Reminiszenz an frühere Citroën-Eigenheiten gibt es die von anderen Modellen schon bekannte, feststehende Lenkradnabe.

Obwohl schon der bisherige C5 kein kleines Auto war, bietet der neue noch mehr Platz: In der Länge wuchs er zwar nur geringfügig auf nun 4,78 (Tourer: 4,83 Meter). Doch mit acht Zentimetern mehr Radstand und sieben Zentimetern Plus in der Breite gibt es in beiden Sitzreihen jetzt reichlich Raum für Knie und Schultern. Und das Gepäckabteil des Tourer bietet ein Ladevolumen von 533 bis 1490 Litern.

Nervtötende Warntöne für alles und jedes

Nicht nur wegen des üppigen Laderaums ist der Tourer – nomen est omen – vor allem für die großen Touren die Idealbesetzung. Auch das Fahrverhalten stempelt den Wagen zum Langstreckenläufer: Mit der in den meisten Varianten obligatorischen Luftfederung, mit dem man den Kombi zum Beladen auf Knopfdruck um ein paar Zentimeter absenken kann, schwebt der große Franzose voller Gleichmut und Gelassenheit dahin und lässt selbst grobporige Betonpisten so glatt erscheinen wie eine frisch geteerte Prachtallee. Weil zudem der Motorraum dicht gekapselt ist, dringt kaum ein Geräusch in den Innenraum und stärkt das Gefühl, dass man im C5 eher schwebt als fährt – wenn da nicht die lästige Piepshow der Warntöne wäre, die beim kaum einem anderen Auto derart laut und vielstimmig sind.

Wer mit eingeschaltetem Tempomat über die Autoroute gleitet, genießt den Sanftmut des großen Franzosen. Wer es auf der unbeschränkten Autobahn allerdings mal etwas eiliger hat, der freut sich über den Sportmodus, in dem das Fahrwerk härter wird und der C5 an Bestimmtheit gewinnt. Doch dem allgemeinen Hang zur Sportlichkeit zum Trotz: Zum brettharten Kurvenfeger wird der C5 natürlich auch dann nicht.

Der große Dieselmotor harmoniert prima mit dem Auto

Für ein großes Auto auf großer Fahrt braucht es auch einen großen Motor: Kein anderes Triebwerk passt dazu besser der V6-Diesel. Stark und gelassen bringt der 2,7-Liter-Selbstzünder den C5 auf Touren: 204 PS und ein Drehmoment von 440 Nm sind eine solide Basis, wenn große Distanzen in kurzer Zeit überwunden werden müssen. Dabei sollte ein Realverbrauch von rund zehn Liter einkalkuliert werden – was kein sparsamer Wert ist. Gewöhnen muss man sich an die sechsstufige Automatik: Unterwegs schaltet sie so sanft und seidig, dass man sie kaum spürt. Doch beim Anfahren schürt eine Gedenksekunde beim Gangstufenwechsel die Ungeduld.

Festzuhalten bleibt, dass der neue C5 der deutscheste Citroën bislang ist – und damit solider und souveräner als das Gros der französischen Mittel- und Oberklassemodelle vor ihm. Das ist Fluch und Segen zugleich: Denn dass am Kühler statt des Doppelwinkel-Logos auch vier Ringe prangen könnten, macht den Außenseiter zum Aufsteiger. Doch all jenen, die Citroën wegen der gewissen Portion Extravaganz verehrten, wird etwas fehlen