Citroën C6 In der Schwebe
"Nichts bewegt Sie wie ein Citroën" - so lautet der Werbespruch des französischen Herstellers, und natürlich klingt das erst mal ziemlich großspurig. Doch dann sitzt man hinter dem großen, formschönen Lenkrad mit dem Doppelwinkel-Logo und denkt, dass da vielleicht wirklich was dran ist. Und dann sitzt man nochmal zweihundert, dreihundert Kilometer auf dem Beifahrersitz, und wieder kommt man auf die Idee, dass der Spruch eigentlich ganz gut passt. Denn der C6 ist eine Reiselimousine, wie man sie heute beinahe vergeblich sucht: ruhig, gelassen, sanft, behutsam, geschmeidig - solche Adjektive rauschen durchs Gehirn, wenn man den Versuch unternimmt, das Fahrgefühl in diesem Auto zu beschreiben. Denn genau dieses Gefühl ist anders.
Anders als was? Zum Beispiel als die Eindrücke, die während der Fahrt in einem Audi A6 oder einem BMW 5er oder einem Mercedes E-Klasse reifen. Denn gerade die deutschen Hersteller, die sich gern mit dem Zusatz "Premium" schmücken, rüsten inzwischen fast jedes Modell - zumindest aber die großen Business-Limousinen - zum Sportwagen auf. Straff sollen die Autos auf der Straße liegen, weil das die Kunden angeblich mögen und weil nur so die gewaltige Motorkraft sinnvoll und kontrolliert auf die Fahrbahn gebracht werden kann. Die stets präsente Härte dieser früher mal als Komfortmodelle gedachten Autos soll Sportlichkeit suggerieren, Rasanz aufscheinen lassen und technischen Fortschritt erlebbar machen. Leider geschieht dies auf Kosten der Bequemlichkeit.
Insofern ist es durchaus ein Erlebnis, im Citroën C6 dahinzugleiten. Verantwortlich dafür ist maßgeblich die für Citroën neue Fahrwerkskonfiguration mit Mehrlenkertechnik an Vorder- und Hinterachse sowie einer hydropneumatischen Federung und Dämpfung, wobei die Federrate von einer elektronischen Regelung abgestimmt wird. Das System funktioniert tatsächlich tadellos und filtert - soweit sich das subjektiv beurteilen lässt - das ruppige Gewirr von Längsrillen, Teerflecken, Kanaldecken, Pflastersteinen, Fugen, Dellen und Schlaglöchern auf unseren Straßen sauber aus. Wer übrigens beim Wort "hydropneumatisch" skeptisch geworden ist aufgrund früherer Erfahrungen, als diese Technik die großen Citroën-Modelle öfter lahm legte, als fürs Image gut war, dem sagen die Franzosen heute: "Während der ersten fünf Jahre oder 200.000 Kilometer" benötige diese Federung "keinerlei Wartung".
Der Praxisnachweis für diese Behauptung steht noch aus, denn der C6-Absatz kommt gerade erst ins Rollen. Zumindest in Deutschland, wo die Stückzahl noch sehr überschaubar ist. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden lediglich 434 Exemplare des C6 in Deutschland neu zugelassen, vermeldet das Kraftfahrt-Bundesamt. Damit toppt der frische Franzose den Renault Vel Satis (137 Neuzulassungen) deutlich und kommt dem Peugeot 607 nahe (483 Neuzulassungen). Übrigens frönen auch seine beiden Landsmänner in dieser Klasse der unaufgeregten Gangart, wobei der C6 das optisch weitaus aufregendste Auto des Trios ist.
Wider den Drang zur Sportlichkeit in allen Lebenslagen
Über das Design allerdings wurde bereits genug geschrieben, der C6 gar als Wiedergänger des legendären DS gefeiert. Wir wollen das gar nicht weiter vertiefen, sondern vor allem auf etwas aufmerksam machen, das man früher mal Fahrkultur nannte und das heute im allgemeinen Drang zu Sportlichkeit in allen Lebenslagen unterzugehen droht.
Gefahren sind wir übrigens den C6 mit dem 2,7-Liter-V6-Biturbo-Dieselmotor der 204 PS leistet und ein Drehmoment von 440 Newtonmeter mobilisiert. Die Maschine arbeitet angenehm leise, was dem lässigen Gesamteindruck verstärkt, und bietet reichlich Kraft. Wer es aber im C6 fliegen lässt und also die 200-km/h-Marke auf freier Autobahn hin und wieder überschreitet, der kommt natürlich nicht mit den als Durchschnittsverbrauch angegebenen 8,7 Liter klar. Aber er lernt: Auch bei hohem Tempo ist es eine Wohltat, wenn das Spektakel draußen bleibt und das Auto nichts weiter tut, als sich vornehm im Hintergrund zu halten.