Clio V6: Kleine Dampfmaschine - DER SPIEGEL
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Clio V6 Kleine Dampfmaschine

Schneller und zugleich kompakter geht es nicht: Der Renault Clio Sport V6, von dem die ersten Exemplare in rund sechs Wochen auf die Straße kommen, ist der schnellste Kleinwagen der Welt. Ein Auto, das vor Kraft kaum rollen kann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit dick aufgeplusterten Lufteinlässen hinter den beiden Türen steht der kleine Franzose da wie Asterix direkt nach einem Schluck Zaubertrank.

Der Vollgas-Clio ist 17 Zentimeter breiter als seine zivilen Brüder, dafür aber 6,6 Zentimeter niedriger. Vorne rollt er auf 205er-Reifen, hinten sind Gummiwalzen der Größe 235 aufgezogen - auf 17-Zoll-Leichtmetallfelgen versteht sich.

Clio-V6-Piloten leben also auf großem Fuß - und das ist auch gut so. Denn der Motor produziert reichlich Kraft, die möglichst kontrolliert auf den Asphalt gebracht werden will.

In Zahlen ausgedrückt lässt sich das Triebwerk so beschreiben: drei Liter Hubraum, sechs Zylinder in V-Stellung, 226 PS oder 166 kW Leistung und ein maximales Drehmoment von 300 Nm.

Mit solch einem Maschinchen lässt sich allerlei anstellen. Zum Beispiel der Spurt von 0 auf 100 km/h in 6,4 Sekunden oder ein Höchstgeschwindigkeitserlebnis bei 235 km/h.

Als Durchschnittsverbrauch gibt Renault 11,2 Liter Superbenzin je 100 Kilometer an - wer sich auf braves Mitrollen im Normalverkehr beschränkt, könnte diesen Wert sogar erreichen. Für Menschen mit trittsicherem Gasfuß dürfte er jedoch eher theoretisch sein.

Gesteuert wird die Maschine über ein Sechsgang-Getriebe, das die Kraft von der Kurbelwelle an die Hinterräder weiterleitet. Der Clio Sport V6 bietet übrigens nur zwei Personen Platz, denn dort, wo normalerweise die Passagiere drei, vier oder fünf Platz finden, sitzt der Motor.

Unter der bescheidenen Haube war bisher einfach nicht genug Raum für das Aggregat, außerdem ist die Gewichtsverteilung bei einem Auto diese Kalibers einfach besser, wenn der Motor in der Mitte sitzt. Unter der Fronthaube ist deshalb ein Gepäckfach mit 67 Litern Fassungsvermögen entstanden.

Die Handtasche oder andere kleine Dinge können auch in einer 45-Liter-Ablage im Heck untergebracht werden. Von diesem Manko abgesehen, ist der Renn-Clio durchaus komfortabel ausgestattet.

So gehören zum Beispiel Sitze aus Leder und Alcantara, Klimaanlage, Servolenkung, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Bordcomputer und ein Audiosystem mit Sechsfach-CD-Wechsler zum serienmäßigen Lieferumfang.

Die Einzelteile des Clio Sport V6 werden in diversen Renault-Werken in Frankreich gefertigt, die Endmontage des Boliden erfolgt im schwedischen Uddevalla. Und zwar weitgehend in Handarbeit.

Anfangs werden dort nur vier Autos pro Tag gefertigt - bis 2003 erwartet Renault eine Produktion von rund 5000 Exemplaren.

Für Deutschland sind lediglich 100 Fahrzeuge zum Stückpreis von 75.000 Mark vorgesehen. Die Nachfrage, glaubt Renault, wird jedoch wesentlich größer sein. Um aus dem Dilemma herauszukommen, sollen die wenigen Autos unter den Interessenten verlost werden.

Damit die zu kurz Gekommenen ihr Pech bis ans Limit auskosten können, soll die Tombola live im Internet übertragen werden.