Corvette Convertible Rock'n'Roll auf Rädern
Der Tankwart in Rotenburg an der Wümme ist begeistert. Er streckt den Daumen nach oben, wünscht "noch viel Spaß mit dem Auto" und lächelt so breit wie früher John Wayne, als er den Ladies vom Planwagen half. Solche Szenen erlebt man häufig, wenn man mit der Corvette unterwegs ist. Das Auto stammt aus einer Welt ohne Neidgefühle, ohne falsche Bescheidenheit und ohne jedwede Schminke. Es sieht genau nach dem aus, was es ist: ein Sportwagen, ein Geschoss, ein Rock'n'Roller mit vier Rädern.
Noch nie fuhr sich eine Corvette so satt und souverän wie die inzwischen sechste Generation, von der hier die Rede ist. Das liegt vor allem an dem steifen Stahlskelett des Wagens, über dem die aufregend gestylte Kunststoffkarosserie die imaginären Muskelpakete anschwellen lässt. So wurde das Auto knackig wie nie und wiegt doch lediglich 1492 Kilogramm - das sínd nur gut 100 Kilo mehr als ein VW Golf GTI, doch der hat keinen "Small Block" unter der Motorhaube.
Die Corvette jedoch schon. Die Maschine mit sechs Litern Hubraum verteilt auf acht Brennkammern ist die Essenz des US-Motorenbaus. Fette V8-Aggregate bringen seit Menschengedenken die Auto-Ikonen aus den USA in Bewegung. Früher rauschte dabei das Benzin durch die Vergaser, als sei es Regenwasser aus Monsunwolken. Den ungehemmten Durst allerdings haben die Entwickler dem Corvette-Motor abgewöhnt. 11,4 Liter im Durchschnitt sind zwar sehr viel Kraftstoff, doch in dieser Leistungsklasse gehört der Verbrauchswert zu den durchaus respektablen Kennziffern.
Wer es auf dem Fahrersitz der Corvette entspannt angehen lässt, kann tatsächlich mit Verbrauchswerten um zirka zwölf Liter je 100 Kilometern rechnen. Das aber sollte niemanden wundern, der auch die übrigen Daten kennt: 404 PS Leistung zum Beispiel, oder ein Spurtvermögen, dass den Feger in 4,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt.
Die Cabrio-Version der Corvette wird seit Juni vergangenen Jahres in Deutschland verkauft. "Die 300 Exemplare, die wir 2005 aus Amerika bekommen haben, waren gleich in Kundenhand", sagt Werner Röser, Sprecher der Kroymans-Gruppe, die unter anderem den Corvette-Import organisiert. Seit März wird in die Modelle mit Automatik-Getriebe nicht mehr das bisherige Räderwerk mit vier Stufen, sondern eine Sechs-Stufen-Automatik eingebaut. Dadurch kletterte auch der Preis um 4500 auf jetzt 74.150 Euro.
404 PS zum Schnäppchenpreis
Trotz der Preiserhöhung gehört die Corvette in der 400-PS-300-km/h-Sportwagen-Klasse immer noch zu den Schnäppchen. Das liegt natürlich auch daran, dass der Innenraum des Wagens über weite Strecken ziemlich lieblos wirkt. Lenkstockhebel, Tasten, Schalter und dergleichen stammen aus dem großen GM-Teileregal. Die Kunststoffe sehen billig aus, Eleganz und Finesse sucht man in dieser schwarz ausgeschlagenen Vollgashöhle vergeblich.
Das noch immer kühne Außendesign muss reichen - und wenn man auf die Reaktionen der Umwelt achtet, tut es das auch. Interessant ist eine Fahrt in der Corvette auf einer zweispurigen Autobahn. Denn offenbar fühlen sich vor allem Außendienstler von dem US-Sportler herausgefordert. Kein VW Passat Variant, der nicht drängelt und dann vorbeisticht, kein 5er BMW, der eine Corvette vor sich ertragen kann, kein Audi A4 Avant, der nicht doch noch kurz vor der Ausfahrt vorbeipreschen muss.
Dabei sieht das Auto vielleicht etwas krawallig, zumindest aber selbstbewußt aus, doch sobald man im Sitz verzurrt ist und der satt bollernde Achtzylinder den Beat bestimmt, tritt eine angenehme Entspannung ein. In diesem Auto muss man nichts beweisen - zumal einem das Vorurteil ohnehin immer einen Schritt voraus ist. Beruhigend aber ist, dass man aufgrund der Motorleistung und des von elektronsichen Helfern namens ESP, ABS, ABD, ASR, BAS und TCR geregelten Fahrwerks allerlei beweisen könnte. Zum Beispiel, dass auch Amerikaner richtig gute Sportwagen bauen können.