Daewoo Evanda Anspruch und Wirklichkeit
Schon der Vorgänger Leganza fuhr mit nur einem lieferbaren Motor und Lücken in der Sicherheitsausstattung der Konkurrenz hinterher. Auch das neue Topmodell der Daewoo-Palette wird seinem eigenem Anspruch nur schwer gerecht. Zwar sind im Evanda inzwischen Seitenairbags an Bord. Weitere Luftsäcke, die in dieser Klasse angeboten werden, gibt's aber ebenso wenig wie das elektronische Stabilitätssystem ESP. Immerhin, ABS mit Traktionskontrolle sind serienmäßig vorhanden, und auch eine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung und Scheibenbremsen rundum.
Optisch macht der Koreaner auf den ersten Blick einen durchaus europäischen Eindruck. Die gefällige Form stammt, wie schon die des Kompaktvans Rezzo und Kleinwagens Kalos, aus den bekannten Turiner ItalDesign-Studios, in denen auch viele renommierte Hersteller ihre Paradestückchen schneidern lassen. Auffälliges Stilmerkmal der 4,77 Meter langen Limousine ist der klassisch chrombeladene, gefächerte Kühlergrill zwischen den Klarglas-Scheinwerfern sowie die V-förmig zulaufenden Sicken auf der konturierten Motorhaube. Das Heck trägt eine ausgeprägte Abrisskante und dreieckige Rückleuchten. Darunter öffnet sich ein 435 Liter großer Kofferraum, dessen volle Kapazität allerdings durch zwei innere Haltebügel ("Kofferknacker") eingeschränkt wird.
Auch beim Preis-Ausstattungs-Verhältnis hält der Koreaner mit allen mit, die in dieser Klasse die Schlagzahl angeben. Die ausschließlich in der gehobenen CDX-Variante angebotene Limousine fährt serienmäßig mit Klimaautomatik, Lederinterieur, Radio mit Fünffach-CD-Wechsler, elektrischen Fensterhebern vorn und hinten, Funkfernbedienung, Nebelscheinwerfern und Leichtmetallfelgen, und, und, und.
| Hersteller: | Daewoo |
|---|---|
| Typ: | Evanda 2.0 CDX |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | Vierzylinder -Benziner |
| Hubraum: | 1.998 ccm |
| Leistung PS: | 131 PS |
| Leistung kW: | 96 kW |
| Drehmoment: | 181 Nm |
| Von 0 auf 100: | 10,7 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 200 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 8,8 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 209 g/km |
| Kraftstoff: | Super |
| Kofferraum: | 435 Liter |
| Versicherung (HP): | 18 € |
| Versicherung (TK): | 21 € |
| Versicherung (VK): | 23 € |
| Preis: | 20.990 € |
Doch Komfort allein reicht nicht. Das merkt man schon nach den ersten Testrunden. Der nur nach Euro 3 genormte Zwei-Liter-Motor mit 96 kW/131 PS gibt sich in den unteren Drehzahlen noch recht manierlich. Auch Beschleunigung und Fahrleistungen liegen auf üblichem Niveau. Soll es aber zur Sache gehen, lässt der Vierzylinder deutlich hörbar verlauten, dass ihn Maximalleistungen eher quälen. Damit muss der Evanda-Besitzer leben, denn andere Triebwerke stehen auch bei dem neuen Topmodell nicht zur Wahl. Ein Sechszylinder, der in dieser Klasse zum Standard-Repertoire gehört, wird zwar in der koreanischen Heimat angeboten, ist aber nicht für den deutschen Markt vorgesehen. Ebenso wenig steht ein Dieselmotor zur Disposition. Und auch die hakelige Fünfgang-Schaltung gehört nicht zu den Meisterstücken der Getriebetechnik. Insgesamt harmonischer wirkt der Wagen mit der optional angebotenen Vierstufenautomatik, die allerdings 1400 Euro Aufpreis kostet.
Leben muss der Fahrer aber auch mit einem zwar übersichtlichen, aber langweilig-lieblos anmutenden Cockpit. Statt der einen oder anderen elektrischen Komfort-Spielerei hätten die Koreaner besser in hochwertigeren Kunststoff für die Innenverkleidung investieren sollen. So entsteht ein merkwürdiger Kontrast zwischen Leder und Holzapplikationen auf der einen und klappernden Plastikteilen auf der anderen Seite. Und wo wir schon beim Meckern sind: Der Kofferraumdeckel springt zwar über einen Druckknopf im Cockpit oder per Schlüssel-Fernbedienung auf. Dreckige Finger holt man sich aber dennoch, weil der Innengriff zum Schließen fehlt.