Daewoo Nubira Grundsolider Weltenbummler
Der koreanische Autohersteller Daewoo hat eine turbulente Zeit hinter sich. Insolvenz, monatelange Ungewissheit und schließlich, im vergangenen Herbst, der Neustart mit Hilfe von General Motors, mit 42,1 Prozent der größte Anteilseigner des Unternehmens. Inzwischen sprießt schon wieder zarter Optimismus, der Grund dafür sind vor allem neue Automodelle.
In der Mittelklasse beispielsweise geht jetzt die zweite Generation des Nubira an den Start, die in Korea unter dem Namen Lacetti bereits seit einigen Monaten auf dem Markt ist. Mit dem Nubira setzt Daewoo die inzwischen bewährte Zusammenarbeit mit italienischen Designern fort, denn die koreanische Marke möchte mit Hilfe europäisch gestylter Fahrzeuge ihr Image schärfen. Die Kleinwagen Matiz und Kalos wurden von Giugiaro geformt, die Optik des Kompaktvans Rezzo und eben des neuen Nubira stammen von Pininfarina.
Jedoch: Nach dem gewissen Italian-Style sucht man beim Nubira vergebens. Die Karosserie ist ordentlich, sachlich und durchaus gefälllig geformt - doch stilistische Überraschungen oder Besonderheiten gibt es nicht. An der Frontpartie fällt immerhin der dreigeteilte Chrom-Kühlergrill auf, am Heck sind es die hochformatigen, kantigen Rücklichter, die einen Akzent setzen. Das war's, und vermutlich ist das schon genug.
Denn die Kunden, die Daewoo mit dem Nubira ansprechen will, haben vermutlich andere Sorgen als Design-Gimmicks an ihrem Auto. Der Wagen soll gut aussehen (tut er), ausreichend Platz bieten (tut er auch) und technisch auf der Höhe der Zeit sein (was ebenfalls zutrifft). Daewoo-Europa-Chef Erhard Spranger sagt: "Zwei Drittel unserer bisherigen Kunden in dieser Klasse besitzen lediglich ein Auto in ihrem Haushalt. Und das muss alle Transportbedürfnisse befriedigen."
| Hersteller: | Daewoo |
|---|---|
| Typ: | Nubira |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.799 ccm |
| Leistung PS: | 122 PS |
| Leistung kW: | 90 kW |
| Drehmoment: | 165 Nm |
| Von 0 auf 100: | 9,5 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 194 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 7,5 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 178 g/km |
| Kofferraum: | 405 Liter |
| Preis: | 16.550 € |
Vor allem sollte es nicht zu teuer sein. Geld auszugeben für solch merkwürdige Dinge wie Image oder Status kommt gar nicht in Frage. Daewoo weiß das, weshalb der 4,50 Meter lange und sehr geräumige Nubira in der Basisversion für 14.390 Euro angeboten wird. In diesem Fall treibt ein 1,6-Liter-Benziner mit 109 PS (80 kW) den Wagen an. Die Topversion Nubria 1.8 CDX - übrigens die einzige Variante, die bei der Vorstellung des Autos zu Probefahrten zur Verfügung stand - kostet 16.550 Euro.
Mit dem 1,8-Liter-Vierzylinder mit 122 PS (90 kW) unter der Haube ist der Nubira sehr angemessen motorisiert. Beschleunigung, Endgeschwindigkeit, Motor- und Fahrgeräusche - das alles können manche andere Autos besser, aber kein anderes Fahrzeug kann es zu diesem Preis. Das Fünfgang-Getriebe lässt sich prima schalten, die Lenkung vermittelt ein präzises Gefühl. Lediglich die etwas straffere "Europa-Abstimmung" des Fahrwerks wirkt auf holprigen Straßen etwas unruhig. Eine Prise mehr Abrollkomfort, dann wäre auch das vergessen.
Im Innenraum herrscht, ganz ähnlich dem äußeren Eindruck, ein gepflegtes, gänzlich unspektakuläres Ambiente. Das Cockpit ist übersichtlich, die Bedienelemente an der Mittelkonsole ebenso. Der breite Zierstreifen aus Walnussholz-Imitat in der CDX-Version soll edel wirken, sieht aber tatsächlich eher nach übertriebener Schminke aus. Der Nubira ist immer dort am überzeugendsten, wo er nicht mehr scheinen will, als er ist. Und er ist ein grundsolides Auto.
Bei der Ausstattung verfolgt Daewoo die von koreanischen Marken bekannte All-inclusive-Strategie. Eine geteilt umklappbare Rücksitzlehne, zahlreiche Ablagen, Getränkehalter, elektrische Fensterheber vorne, Zentralverriegelung und elektrisch verstellbare Außenspiegel sind Standard. Beim Modell CDX kommen elektrische Fensterheber auch hinten, Lederlenkrad, Leder-Schaltknauf, Musikanlage mit 5-fach CD-Wechsler, Nebelscheinwerfer, Regensensor und eine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung dazu. Vier Airbags, ABS und elektronische Bremskraftverstärkung sind ebenfalls Serie.
900 Nubira-Exemplare noch in diesem Jahr möchte Daewoo in Deutschland verkaufen. Im kommenden Jahr, wenn die Kombi-Version noch dazukommt, sollen es gar 2000 werden. Die gegenwärtige ökonomische Lage spielt der Marke dabei in die Hände. Geschäftsführer Günther Sommerlad: "Wenn die Leute jeden Euro zweimal umdrehen, ist das durchaus ein Vorteil für uns."