Daihatsu Copen Der Mikrochip
Bislang war das Auto bei uns ein Exot. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland lediglich 178 Daihatsu Copen neu zugelassen. Wer einen dieser Wagen sein Eigen nennt, durfte bislang mit dem schönen Gefühl ins Auto steigen, ein wirklich rares Modell zu bewegen, denn eine ganze Menge weitaus teurerer Modelle wurde um ein Vielfaches öfter verkauft. Der Nimbus der totalen Randerscheinung, nicht nur wegen der ulkigen Form, sondern auch wegen des Lenkrads auf der rechten Seite, könnte jetzt dahin sein - sehr zur Freude der japanischen Toyota-Tochter Daihatsu.
Denn die Verkäufe in Deutschland sind sprunghaft angestiegen, seit die zweite Generation mit einem links positionierten Lenkrad angeboten wird. 343 Exemplare wurden bereits in den ersten vier Monaten des Jahres abgesetzt. Das ist kein schlechter Wert für einen Wagen, der 17.200 Euro kostet und zu praktisch nichts anderem genutzt werden kann als zum Herumfahren praktisch ohne Gepäck und mit maximal einer Begleitperson, die man allerdings ganz gut kennen sollte, denn man hockt sich im Copen ziemlich auf der Pelle.
Kein Wunder, das Auto ist ja auch nur 1,25 Meter breit. Selbst französische Betten bringen es auf 1,40 Meter. Doch das ist das Prinzip des Autos: Minimaler Aufwand für maximale Wirkung. Das bedeutet, dass die Karosserie so extrem geschrumpft wurde, dass es noch kleiner nun wirklich nicht mehr geht. Andererseits wiegt der Copen aufgrund der Miniaturisierung lediglich 850 Kilogramm. Und so reicht ein 1,3-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 87 PS, um ihn ganz schön auf Trab zu bringen. 180 km/h sind möglich, die Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 dauert 9,5 Sekunden, und der Durchschnittsverbrauch liegt bei 6 Liter je 100 Kilometer. Alles Werte, die in einem angenehmen Verhältnis zueinander stehen.
Der Clou ist natürlich, dass der Autozwerg sein zweiteiliges Aluminiumdach auf Knopfdruck binnen 20 Sekunden zusammenfaltet und unterm Heckdeckel ablegt. In diesem Fall sitzt man plötzlich in einem Cabrio und fühlt sich ein bisschen so, als säße man in einer Badewanne mit Rädern dran. Die Passanten gucken und lächeln, anderen Autofahrern bleibt der Mund offen stehen, manche grinsen verächtlich. Jedenfalls erregt der Copen mehr Aufsehen pro PS als jedes andere Auto.
Aufgrund seiner fröhlich-putzigen Optik und seines ungewohnten Formats ist das auch in Ordnung. Auch das Konzept ist stimmig, denn irgendwann und irgendwie muss ja mal begonnen werden, die ewige Spirale vom Schneller, Größer, Breiter endlich in die umgekehrte Richtung rotieren zu lassen. Andererseits ist der Copen eben nicht nur ein lustiges und kleines Auto, sondern auch ein ziemlich klappriges.
Es knistert und knackt im Gebälk des Wagens
Wer mit flotten Reifen unterwegs ist, wird begleitet von einem permanenten Knistern und Knacken aus den Tiefen der Karosserie und den dünnen Versteifungen der Dachkonstruktion. Das schürt nicht gerade das Vertrauen in den metallenen Käfig, der die Insassen umgibt. Immerhin: Zwei Airbags sowie ABS gehören zum Serienumfang.
Fahrerisch jedoch hält der Copen, was der erste Eindruck vermittelt: Das frontgetriebene Auto ist ungemein agil und handlich. Der drehwillige Motor wird über ein Fünfgang-Schaltgetriebe gesteuert. Für eine knackig-knusprige Straßenlage sorgt ein Sportfahrwerk des österreichischen Zulieferers Magna Steyr, dass den Copen auch in hektisch durcheilten Kurven stur auf Kurs hält.
Das Wort Package, das im Automobilbau die optimale Unterbringung aller Komponenten bezeichnet, erhält im Copen eine zusätzliche Bedeutung: Weil nahezu sämtliche Hohlräume der Karosserie bereits von der Technik belegt sind, bleiben für die Utensilien von Fahrer und Beifahrer nur ein sehr kleines Handschuhfach, winzige Türtaschen und ein Kofferraum mit lediglich 210 Litern Fassungsvermögen. Dies allerdings auch nur, wenn das Klappdach geschlossen bleibt. Wird der Copen als Cabrio genutzt, passen ins Gepäckabteil nur noch 14 Liter.
Doch danach wird wohl kaum ein Copen-Kunde fragen. Denn warum sollte man sich für einen derart maßgeschneiderten Zweisitzer interessieren, wenn man stets eine Golftasche mitzuführen gedenkt oder häufig mit großem Gepäck verreisen möchte? Der sommerlich-frische Daihatsu ist ein Auto für die kleinen Fluchten zwischendurch. Ob die angesichts der steigenden Spritpreise und der stetig knapper werdenden Reserven überhaupt noch verträglich sind, muss jeder selbst entscheiden. Ein passendes Gefährt jedenfalls gibt es.