Daihatsu Terios Orakel aus Osaka
Ob es gutes Gespür war, einfach nur Zufall oder gar die Vorhersage eines Orakels? Jedenfalls hatten die Verantwortlichen in der Daihatsu-Zentrale im japanischen Osaka bereits Mitte der neunziger Jahre den richtigen Riecher: Die Kleinwagenspezialisten setzten darauf, dass der Trend zu immer eleganteren und sportlicheren Geländewagen - kurz SUV - auch die unteren Autoklassen erfassen würde. Bereits 1997 stellten sie das Modell Terios vor, einen 3,80 Meter kurzen Kompaktwagen im Offroad-Look, den es sogar mit Allradantrieb gab.
Jetzt, neun Jahre später, fährt die zweite Generation des Terios vor. Das neue Auto rollt auf ein inzwischen vielfältig bestelltes Feld. Suzuki SX4 und Fiat Sedici, VW Cross Polo oder Chevrolet Captiva sind aktuelle Beispiele dafür, wie das Segment der Kompaktautos im Geländelook wächst. Und der Daihatsu Terios wird ab 20. Mai, wenn er bei den deutschen Händlern sein Debüt gibt, versuchen, das Revier, das er einst begründete, nicht nur zu verteidigen, sondern deutlich auszudehnen.
Noch in diesem Jahr sollen 2100 Exemplare in Deutschland verkauft werden, im nächsten Jahr sogar 3000. In den vergangenen neun Jahren setzte Daihatsu insgesamt 8800 Terios-Modelle hierzulande ab - schon diese Zahlenverhältnisse zeigen, wie gut die Geschäfte mit den sogenannten City-SUVs laufen. Der neue Chef von Daihatsu in Deutschland, Katsumi Yoshida, ist unter anderem deshalb so optimistisch, weil der Terios bereits jetzt eine Auszeichnung erhielt: nämlich den "red dot design award" für seine zugleich kompakte und ausdrucksstarke Karosserie.
Im Vergleich zum Vorgänger wuchs der Wagen um 21 Zentimeter auf jetzt 4,05 Meter in die Länge und um 14 Zentimeter auf jetzt 1,70 Meter in die Breite. Im Innenraum herrscht also nun ein ordentliches Platzangebot, der Kofferraum fasst 380 Liter, und die Rücksitze lassen sich zudem klappen und aufstellen, so dass maximal etwa 1500 Liter Zuladungsvolumen entstehen.
So erfreulich die Ausdehnung des Innenraums ist, bei der Einrichtung des Terios wurde offenbar weiterhin geknausert. Vor allem die Kunststoffoberflächen an der Armaturentafel und an den Türinnenseiten wirken billig, das Handschuhfach ist unpraktisch und das Bedienmodul oberhalb des Schaltknüppels etwas klobig geraten. Andererseits stimmt die Ausstattung versöhnlich. ABS, ESP, vier Airbags, elektrische Fensterheber, CD-Musikanlage, höhenverstellbarer Fahrersitz und Servolenkung gehören zum Serienumfang.
In den beiden höher positionierten Varianten kommen dann Klimaanlage, Frontscheibenheizung und Leichtmetallräder sowie Nebelscheinwerfer, Dachreling und Zweifarb-Außendesign hinzu. Technisch hingegen bietet Daihatsu keine Auswahlmöglichkeit: Es gibt den Terios ausschließlich mit permanentem Allradantrieb und einem neu entwickelten 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 105 PS. Der Motor passt gut zum Terios, doch schon nach mehrmaligem Beschleunigen wünschte man, es wäre etwas mehr Dämmmaterial an der Spritzwand oder unter der Motorhaube verteilt worden, denn das Geräuschniveau eilt der Drehzahl deutlich voraus. Im Schnitt schluckt das Aggregat 7,9 Liter Normalbenzin - ein Sparmobil ist er also nicht. Serienmäßig ist die Maschine an ein ziemlich schwergängiges Fünfgang-Schaltgetriebe gekoppelt, für 1300 Aufpreis gibt es eine Vierstufen-Automatik.
Mit dem Terios will Daihatsu in Europa kräftig expandieren. Das 1907 gegründete Unternehmen gehört zu den ältesten Automobilherstellern Japans und wurde 1998 in den Toyota-Konzern eingegliedert. Dort ist die Marke mit dem Slogan "We make it compact" vor allem für die typisch japanischen Minicars zuständig. Im vergangenen Jahr baute Daihatsu knapp 900.000 Fahrzeuge und verkaufte zwei Drittel davon in Japan.
Nun soll, wie der neue Deutschland-Chef Katsumi Yoshida sagt, "die globale Präsenz deutlich ausgebaut werden". Und weil Europa der weltweit größte Markt für Kleinwagen ist, sieht Daihatsu vor allem hier seine Chance. Ziel sei es, so Yoshida, nicht nur kompakte und umweltfreundliche Autos zu bauen, sondern zugleich Modelle, die Fahrspaß und Besitzerstolz vermitteln. Wenn dazu ein ansehnliches, europäisch geprägtes Design kommt, kann das auch nicht schaden.