Daihatsu YRV Japanischer Sprachwitz
Kommt ein Kunde ins Autohaus: "Ich hätte gern den YRV CXS 4WD." Aber statt das der Verkäufer nun ein dummes Gesicht zieht und die Herren in den weißen Kitteln ruft, antwortet der wie selbstverständlich. "Aber gern, mit DVVT-System, ABS und EBD?" Was in unserem Sprachraum nach Auszügen aus dem Wörterbuch der Generation X klingt, könnte schon ab Januar nächsten Jahres zum Standard-Plausch bei jedem Daihatsu-Händler werden. Denn der Mini-Van mit dem leicht unbeholfenen Namen soll das neue Zugpferd der japanischen Kleinwagen-Marke werden.
Kein Witz. Die Toyota-Tochter will von dem Mini-Van rund 3500 Stück im nächsten Jahr verkaufen. Der große Erfolg im eigenen Land macht den Japanern Mut. Dort sind die kleinen RV (Recreational Vehicle) ein Riesen-Renner, die vor allem von der Jugend gekauft werden und mit reichlich Chrom verziert und ordentlich Watt zu fahrenden Lautsprecherboxen umgebaut werden. "Konzeptionell steht der YRV mit seiner kompakten Variabilität sogar mit der Mercedes A-Klasse oder dem A2 von Audi auf einer Stufe", sagt Daihatsu-Sprecher Stefan P. Henrich.
Auf diesen Vergleich will sich der deutsche Daihatsu-Manager aber nicht wirklich einlassen und nennt als Konkurrenten Toyota Yaris, Mazda Demio oder Honda Pride. "Aber auch mit Opel Corsa oder VW Polo kann sich der YRV messen", sagt Henrich. Tatsächlich glänzt der ansprechend verpackte Fünftürer auf 3,77 Meter Außenlänge mit einem guten Platzangebot.
Die Fahrzeughöhe von 1,55 Meter schafft ein gutes Raumgefühl, in dessen Genuss besonders die Fondpassagiere durch die leicht erhöhte Sitzposition kommen. Die würde allerdings auch dem Fahrer helfen, dessen Blick nach hinten durch die breiten B-Säulen doch stark eingeschränkt wird. Tribut an das "dynamische Doppelkeil-Design", bei der die Fensterlinie sich durch geschwungene Sicken abzeichnet.
Angetrieben wird der 890 Kilogramm leichte YRV von dem bereits aus anderen Daihatsu-Modellen bekannten 1,3-Liter-Vierzylinder mit 64 kW (87 PS). Damit erreicht der kleine Japaner ganz anständige Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit bei 175 km/h, Sprint von 0 auf Tempo 100 in 11,2 Sekunden und ein durchschnittlicher Verbrauch von sechs Litern Normalbenzin.
Zudem erfüllt das Triebwerk die Euro3-Abgasnorm. Bei der Variante mit Frontantrieb und Schaltgetriebe lassen sich sogar durch die steuerbegünstigte D4-Norm noch einmal 600 Mark sparen. Neben einer Allrad-Version (2500 Mark Aufpreis) gibt es auf Wunsch außerdem eine Automatikgetriebe mit manueller Schaltmöglichkeit am Lenkrad für 2090 Mark.
Etwas happig bei einem Kleinwagen, der in der Basisversion CX schon ab 23.990 Mark zuhaben ist. Die hat zwar kein ABS, dafür aber Front- und Seitenairbags, das Sicherheitssystem, das bei einem Unfall automatisch die Türen entriegelt sowie die Warnblinkanlage und die Innenraumbeleuchtung einschaltet.
Es folgen die etwas üppiger ausgestattete CXL- und CXS-Varianten ab 24.990 Mark bzw. 27.990 Mark, bei denen die Rücksitze um rund 15 Zentimeter zu verstellen, wodurch eine topfebene Ladefläche und ein Gepäckraum bis zu 1076 Liter entsteht. Dazu kommen in den höheren Ausstattungen die üblichen automobilen Annehmlichkeiten. Gar nicht üblich, sondern ein Novum in der Fahrzeugklasse sind die Fenster-Airbags in der Top-Version CXS, die auch die Köpfe bei einem Seitenaufprall schützen sollen.
Insgesamt hat Daihatsu mit dem YRV ein grundsolides, praktisches Auto auf die Räder gestellt, mit dem die Japaner ihr angepeiltes Marktziel von einem Prozent endlich erreichen könnten - vorausgesetzt ihnen fällt bis dahin noch ein Name ein.