Detroit Motor Show: Forza Ford - DER SPIEGEL
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Detroit Motor Show Forza Ford

Die geplanten Massenentlassungen bei Ford - es ist von 20.000 Mitarbeitern die Rede - sind unter dem gleißenden Scheinwerferlicht in der Macomb Hall auf dem Messegelände in Detroit kein Thema. Ford hat hier zwei spektakuläre Studien aufgefahren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vor allem auf das US-amerikanische Publikum zugeschnitten ist die Pick-up-Studie Mighty F-350 Tonka, denn schließlich hat Ford in der Klasse der Light Trucks, wie diese Autospezies in den USA genannt wird, einen Ruf zu verlieren. Die Marke mit dem blauen Flaumenlogo fertigt mit der F-Serie die bestverkaufte Truck-Baureihe der vergangenen 25 Jahre.

Der Name Tonka für das grellgelb lackierte Konzeptauto bedeutet in der Sioux-Sprache groß und erfreut sich in den USA extremer Bekanntheit. Denn Tonka ist auch eine Spielzeugmarke, die besonders robuste Spielzeugautos herstellt.

Design-Chef J. Mays sagte bei der Enthüllung der 6,14 Meter langen Studie, er und sein Team hätten "big fun" dabei gehabt, einen lebensgroßen Pick-up zu gestalten, der Kinder und Erwachsene jeden Alters an ihre Modell-Trucks erinnere, mit denen sie im Sandkasten gespielt hätten. Nun ja, wie ein Spielzeug sieht der Mighty F-350 Tonka keineswegs aus: Fette 22-Zoll-Reifen stecken in kreisrund ausgeschnittenen Radhäusern, der überdimensionierte Kühlergrill trägt dicken Chromschmuck, die Außenspiegel sind so groß wie bei einem Lkw und die ganze Karosserie wirkt wie nach einer Anabolika-Intensivkur.

Die Passagierkabine ist so groß, dass bis zu sechs Personen darin Platz finden. Es gibt keine B-Säule, entsprechend sind die hinteren Türen auch hinten angeschlagen. An der Armaturentafel können diverse Instrumente ganz nach den Wünschen des Fahrers konfiguriert werden. Ein spezieller Schalter bietet die Möglichkeit, die Antriebskraft zwischen vorderen oder hinteren, den rechten oder den linken Rädern zu verteilen.

Kraft besitzt das Konzeptauto zur Genüge. Als Antrieb wurde dem gelben Bullen ein V8-Liter-Dieselmotor mit sechs Liter Hubraum mitgegeben. Das Aggregat leistet rund 350 PS (259 kW) und stellt ein Drehmoment von zirka 600 Newtonmeter bereit. Ford verspricht, dass der brachiale Selbstzünder vor allem im Stadtverkehr bis zu 30 Prozent weniger Treibstoff konsumiert als bisherige Trucks dieses Kalibers. Möglich wird dies auch durch ein neues, hydraulisches Energierückgewinnungs-System: Beim Bremsen wird die entstehende Energie in Hydraulikdruck umgewandelt, beim anschließenden Wiederanfahren unterstützt dieser Druck den konventionellen Antrieb.

Auch beim Thema Fahrwerk haben die Amerikaner jetzt Anschluss an die moderne Technik gefunden. Statt Blatt- oder Schraubenfedern ist das Konzeptauto mit einer Luftfederung ausgestattet. Das erleichtert auch den Umgang mit dem Großautomobil. Denn sobald eine Tür oder die Ladeklappe geöffnet wird, senkt sich die Karosserie um fast 13 Zentimeter ab, um das Ein- oder Aussteigen und das Auf- oder Abladen bequemer zu ermöglichen.

Ganz und gar nicht um Bequemlichkeit geht es bei der zweiten Ford-Weltpremiere in Detroit, der Studie GT 40. Der Mittelmotor-Sportwagen ist quasi die Wiedergeburt des legendären Ford-Renners, der 1964 vorgestellt wurde und in den Jahren 1966 bis 1969 viermal in Folge den 24-Stunden-Klassiker von Le Mans gewann. Der Neue gleicht dem legendären Vorgänger wie aus der Karosserie geschnitten.

Allerdings ist er ein wenig länger und ein bisschen höher - die Proportionen aber stimmen noch. Chris Theodore, Vizechef der Entwicklungsabteilung bei Ford, sagte bei der Präsentation des Autos: "Die GT40 Studie soll drei Dinge erledigen - schnell fahren, bestens auf der Straße liegen, gut aussehen." Verwöhnen soll sie ihre Insassen nicht. Es gibt weder elektrische Fensterheber noch "irgendwelche sprachgesteuerten Telematiksysteme", wie Theodore klarstellt. Eine pure Fahrmaschine soll der GT40 sein. Mit 5,4-Liter-V8-Motor vor der Hinterachse und einer Leistung von 500 PS (370 kW).

Doch selbst wenn dieses Auto gebaut wird, große Stückzahlen und damit sichere Arbeitsplätze dürfte es nicht bieten. Da liegen die Hoffnungen schon eher auf dem bulligen Tonka, sofern er in Serie geht. Den Ford-Werkern, die wohl schon bald ihre Kündigung erhalten, wird aber auch dieses Modell nicht mehr helfen können.