Dodge Viper: Gehäutete Giftschlange - DER SPIEGEL
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Dodge Viper Gehäutete Giftschlange

In Detroit stellt Dodge eine äußerlich gezähmte Viper vor. Auch am Motor hat der Hersteller nachgebessert - für alle, denen der brachiale Sportwagen bisher zu schwachbrüstig war.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für die einen ist sie die legitime Erbin der amerikanischen Muscle Cars, für andere die Inkarnation des Macho-Mobils. Die Dodge Viper, ein Supersportwagen mit Zehn-Zylinder-Triebwerk, besitzt alle Insignien automobilen Wahnsinns: flache Form, breite Reifen und laut wie eine Rockband. 1992 erweckte die Chrysler-Tochter diese Giftschlange zum Leben, in Detroit hat sie sich nun gehäutet. Die nächste Generation der Dodge Viper soll ab 2002 freigelassen werden: leichter, schneller und kräftiger denn je.

Über das erste Exemplar der Viper meinte der damalige Chrysler-Chef Lee Iacocca: "Wen dieses Auto nicht in Aufregung versetzt, sollte besser seinen Puls messen: Vielleicht ist man ja schon tot." Auch bei der Neuauflage sollte man vor Gebrauch auf jeden Fall den Beipackzettel lesen. Über die konkreten Fahrleistungen des Zweisitzers schweigen sich die Ingenieure zwar noch aus. Stattdessen ergeht sich Dodge in pompöser Autoprosa: "Die Viper ist das automobile Äquivalent zum Jet-Fighter, und der Fahreindruck gleicht einem Katapultstart von einem Flugzeugträger."

Um sich dieses Top-Gun-Feeling vorzustellen, genügt ein Blick unter die lang gestreckte Motorhaube. Das mächtige Motor, von einem Lkw-Aggregat abgeleitet, wurde für die neue Viper-Version auf 8,3 Liter Hubraum "aufgebohrt". In den zehn Brennkammern entstehen über 500 PS und 678 Newtonmeter Drehmoment, das über eine Sechsgangschaltung an die Hinterräder weitergeleitet wird. Die sind mit 19 Zoll Durchmesser und 345er Breite entsprechend dimensioniert.

Trotz dieser brachialen Kenndaten haben sich die Amerikaner beim Design diesmal auffallend zurückgehalten. Während die alte Viper noch mit gewagten Karosserieschwüngen und martialischen Seitenschwellern daherkam, zeigt die neue Version fast schon italienische Eleganz. Einzig die Kiemen auf der Haube und die tief eingeschnittenen seitlichen Lüftungsschächte erinnern noch ein wenig an die Krawall-Optik des Vorgängers. Aber auch eine Viper wird offensichtlich irgendwann erwachsen.