E-Mobil Aus Swatch wird Sam
Im Jahr 1994 verkündete Swatch-Uhrenpate Nicolas Hayek, er wolle ein Auto bauen, das nicht mehr als 10.000 Franken kostet, Platz für zwei Personen und einen Kasten Bier bietet. Die originelle Idee fand bei den Autoherstellern zunächst große Resonanz. Der VW-Konzern stieg sofort in das ehrgeizige Projekt ein - und genauso schnell wieder aus. Wenig später versuchte es Mercedes-Benz. Doch nachdem die Stuttgarter nach und nach die Swatch-Mobilfirma MCC (Micro Compact Car) übernahmen, verschwanden zuerst die idealistischen Ideen und anschließend Hayek und seine Techniker. Der Rest ist Automobilgeschichte. Der Smart wurde gebaut. Doch aus dem "rezyklierbaren City-Fahrzeug mit elektrischem Antrieb" wurde ein poppig-buntes Lifestyle-Auto.
Doch die Idee lebte in den Köpfen der Ingenieure weiter und hat jetzt als "Sam" neue Gestalt angenommen, wie "Werben und Verkaufen" berichtet. Allerdings als dreirädriges E-Mobil für zwei Personen ohne Bierkiste. In Biel im Schweizer Kanton Bern steht unweit des Swatch-Imperiums eine Halle mit 100 Prototypen, die wie fahrende Weltraumkapseln aussehen. Auf dem Firmenschild steht aber nicht der Name Hayek, sondern Cree AG. Die 30 Mann starke Unternehmen besteht größtenteils aus ehemaligen Swatch-Ingenieuren, welche die futuristischen Gefährte mit Elektroantrieb und Kunststoffchassis in Eigenregie entwickelt und produziert haben.
Als Antrieb dient eine Hochleistungsbatterie, die das Dreirad in rund sieben Sekunden von 0 auf 50 km/h beschleunigt. 10.000 Schweizer Franken soll es kosten. Doch weil der kleinste Autokonzern der Welt nicht genügend Kapital besitzt, um ein eigenes Vertriebsnetz aufzubauen, wird SAM vorerst in der Schweiz über die Handelskette Coop verkauft. Die ersten Exemplare sollen ab Frühjahr 2002 in Zürich und Basel zu haben sein. Anschließend soll Sam auch die benachbarten Länder erobern - allen voran das Autoland Deutschland. Dazu können sich die Cree-Manager eine Kooperation mit deutschen Händlern wie Edeka oder Rewe sowie mit dem Stromanbieter E.ON vorstellen. Erste Bestellungen für das E-Mobil liegen bereits vor.