Elektromoped Feddz: Kaum zu hören und nicht zu übersehen
Elektromoped Feddz Gleitzeit
"Kauf dir lieber ein richtiges Motorrad", sagte der Mann an der Ampel. Er schaute dabei verächtlich auf das Feddz. Ich hatte keinen Mittelfinger frei, weil ich den Lenkerhebel umklammerte, und rollte leise davon.
Nein, das Feddz ist kein "richtiges Motorrad". Es ist ein Elektromoped. Höchstgeschwindigkeit 45 km/h. Es fährt so still, dass man es nicht hört, aber wer es zufällig sieht, schaut genau hin. Das Feddz fällt mindestens so auf wie ein Ferrari. Wenn man nur ungern von fremden Menschen fotografiert oder angequatscht wird, sollte man gar nicht erst aufsteigen.
Wo sich sonst Tank, Motor und Auspuffanlage befinden, ist beim Feddz: nichts. Durch das weiße Gerippe, das den Rahmen bildet, könnte man hindurchsteigen. Nur ein schwarzer Kasten klemmt dort, er ist etwas größer als eine Geldkassette. Das ist der Akku.
Nach ein paar Testfahrten bei Sonnenschein stand meine Meinung fest: Für Leute, die gerne Fahrradfahren, aber das Treten hassen, gibt es kein besseres Fortbewegungsmittel als das Elektromoped. In einer besseren Welt würden in den Städten nur Feddz fahren, keine Autos oder Motorräder. Auf den Straßen wäre dann mehr Platz und weniger Lärm.
Leider ist die Welt in dieser Hinsicht noch zu schlecht (das Wetter oft auch) und der Preis zu hoch, aber dazu kommen wir später.
Zunächst einmal darf man sich keine Illusionen über Fahrten auf der Landstraße machen. Dort gehört das Feddz nicht hin, dafür sind die 45 km/h Top-Speed nicht gemacht. Umso schöner ist es, damit durch die Stadt zu gleiten. Selbst auf vielbefahrenen Straßen kommt man sich nicht als Verkehrshindernis vor. Wenn die Strecke frei ist und man eine Weile in der Höchstgeschwindigkeit dahingleitet, ist das wie bei einer steilen Bergabfahrt auf dem Fahrrad: Null Kraftanstrengung, kein Motorgeräusch, nur Wind und Schussfahrt.
Obwohl das Feddz so puristisch aussieht, fährt es sich überraschend komfortabel. Die Federung - hinten eine Radschwinge mit Stoßdämpfer, vorn eine Radgabel - ist gut ausbalanciert, weder gerät man auf unebenen Strecken ins Hüpfen, noch wird der Rücken gestaucht. Dass die Fahrt trotzdem unbequem werden kann, liegt an dem etwas zu harten Sattel.
Fühlt man sich sicher auf dem Feddz? Ja, meistens. Der Rahmen ist breit, die 26-Zoll-Räder nicht zu schmal und beim Handling kann man nicht viel falsch machen. Kurze Bedenken kamen beim Test in einer Kurve auf, die von tiefen Spurrillen durchzogen war; bei diesem Wellengang wirkte die Feddz-Federung etwas überfordert.
Es gibt vier verschiedene Fahrmodi, die ersten drei fallen allerdings in die Kategorie Spielverderber. Stufe vier heißt "Wheely Mode", aber dieser Name verspricht zu viel: Die Kraft des 2-kW-Radnabenmotors im Hinterrad reicht natürlich nicht aus, um das Feddz vorn hochzureißen. Das klappt mit einem normalen Moped aber ebenfalls nicht. Dafür erspart man sich bei der Elektrovariante das würdelose Geknatter.
Elektromoped Feddz: Kaum zu hören und nicht zu übersehen
Mit dem 47 Kilo leichten Feddz kann man sich bei Ampelstart immerhin einen leichten Vorsprung vor Autofahrern verschaffen, sofern diese nicht gleich voll aufs Gaspedal treten. Als einziges Handicap erweist sich dabei leider der Drehhebel: Um ihn bis zum Anschlag zu kurbeln, muss man sich entweder das Handgelenk verrenken oder kurz umgreifen.
Es gibt einen Ort, wo solche Kleinigkeiten schnell verziehen sind: Die wenig befahrene 30er-Zone. Sie ist der Wüsten-Highway des Feddz-Fahrers. Hier ist nicht viel los, genug Platz, um die Maschine einfach rollen zu lassen. Und man denkt so: Easy Rider.
Am Ziel angekommen, erweist sich das Feddz als handlich. Ist kein Garagenplatz vorhanden, kann es auch im Keller verstaut werden, ein paar Treppenstufen lässt sich das E-Moped problemlos stemmen. Den Akku nimmt man vorher am besten aus dem Rahmen - das ist mit einem Handgriff erledigt - und mit in die Wohnung. Dann hat man zwölf Kilo weniger Feddz zu schleppen und kann die Batterie an die Steckdose hängen.
Dann kam die entscheidende Frage
Nach ein paar Tagen will man sich gar nicht mehr von dem Elektromoped trennen: Für den Weg zur Arbeit eignet es sich genauso gut wie für einen kurzen Abstecher in die City, schließlich entfällt so die nervige Parkplatzsuche.
Es war dann eine Einkaufstour zum Supermarkt, bei der sich sämtliche Vorteile und das große Problem beim Feddz offenbarten.
Die Fahrt dorthin führte durch eine wenig befahrene 30er-Zone. Die Einkäufe ließen sich sicher in einer Tasche verstauen, die im Rahmengerippe hängt, alles wunderbar alltagstauglich. Vor dem Supermarkt bildete sich rasch eine kleine Menschentraube um Feddz und Fahrer, die Leute waren begeistert von dem Fahrzeug und sie stellten Fragen.
"Und wie viel kostet es?", wollte dann einer wissen.
"Ungefähr 8000 Euro", antwortete ich.
Von da an begann sich die Menschentraube schnell aufzulösen.
Der Hersteller des Feddz ist ein Elektromaschinenbau-Unternehmen aus Mittelbiberach, einer Gemeinde 130 Kilometer südöstlich von Stuttgart. Der Elektroantrieb und das Motormanagement sind Eigenentwicklungen, fast sämtliche Komponenten stammen von Zulieferern aus der Region. "Alles 'Made in Süddeutschland', das ist Qualitätsarbeit", erklärt ein Firmensprecher, wenn man sich nach dem Grund für den hohen Preis erkundigt.
"Fast so teuer wie ein richtiges Motorrad", dachte ich, als ich mit dem Feddz leise vom Supermarktparkplatz fuhr.