Fahrbericht Kia Cee'd - DER SPIEGEL
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Kia Cee'd: Gut, aber ohne Glanz

Foto: Kia

Fahrbericht Kia Cee'd Glanzlos glücklich

Der Kia Cee'd ist ordentlich verarbeitet, ausreichend motorisiert und ansehnlich designt. Hört sich alles irgendwie nach Durchschnitt an? Ist es auch. Genau deswegen aber hat der Kompakte von Kia das Zeug zum Renner in seiner Klasse.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jeder kennt diese Typen aus der eigenen Schulzeit: Sie machen fleißig ihre Hausaufgaben und haben eine weiße Weste, was Klassenbucheinträge angeht. Ihre Noten sind nie schlechter als eine Zwei bis Drei (auch nicht in Sport: Besonders in Turnen und Leichtathletik sind sie begabt.) Sie lassen sich nicht in der Raucherecke blicken, und bei Klassenfahrten sitzen sie vorne im Bus. Man nennt sie Musterschüler. Sie sind in allem gut, aber in nichts überwältigend.

Stellt man sich den Automarkt als Klassenzimmer vor, dann ist der Kia Cee'd dort der Musterschüler.

Schon bevor man in dieses Auto einsteigt, hat es sich ein Lob verdient. Der Cee'd ist schick. Die windschnittig geneigte A-Säule macht den Wagen flach, hinten ragt ein kurzer Spoiler vom Heck weg. Unverwechselbar ist er trotzdem nicht - dazu braucht es schon die sogenannte Tigernase. So betitelt das Kia-Marketing den als Doppeltrapez geformten Kühlergrill.

Alles in bester Ordnung

Innen will der Musterschüler Ordnung halten. Tiefe Staufächer in den Türen, in der Armlehne, in der Mittelkonsole und im Handschuhfach verschlucken sämtliche Gegenstände, auf die man während der Fahrt mal eben zugreifen möchte. Und weil alles seinen Platz haben muss, lässt sich über dem Rückspiegel ein Kästchen aufklappen und die Sonnenbrille reinpacken.

So aufgeräumt wie effizient ist auch das Armaturenbrett. Der Touchscreen und die wenigen, großzügig gestalteten Knöpfe sind weder originell noch ein Meisterwerk der Designkunst - sie erfüllen einfach ihren Zweck. Und dafür schließt man dieses System sofort in sein Herz. Egal, ob man einen Radiosender oder die Temperatur einstellen will, das Smartphone mit der Anlage verknüpfen möchte oder über das Navigationsgerät den richtigen Weg sucht - alles funktioniert unkompliziert und intuitiv.

Das sportliche Design täuscht

Beim Interieur bleibt der Cee'd ebenfalls unaufgeregt. Der Schalthebel fasst sich genauso solide an wie das Lenkrad und die übrigen Bedienelemente. Aufreißerisches Bling-Bling ist dem Musterschüler ebenso fremd wie billige Schludrigkeit - das oberste Gebot lautet nüchterne Qualität. Und so fährt sich der Cee'd dann auch.

Es gibt Autos, die durch Fahrspaß fesseln und dafür genauso leidenschaftlich an der Tankstelle schlucken. Und es gibt Autos wie den Cee'd: Mit dem 128-PS-Dieselmotor und dem Sechsgang-Schaltgetriebe geht es von null auf hundert in 10,9 Sekunden und bis zur Höchstgeschwindigkeit von 197 Km/h eine gefühlte Ewigkeit - aber dafür leistet sich er sich keine Ausschweifungen beim Verbrauch.

Laut Herstellerangaben braucht die Top-Version CRDi Spirit im Schnitt 3,8 Liter. Wir kamen bei einer Ausfahrt auf einer mehr als 100 Kilometer weiten Strecke auf rund 6,5 Liter Diesel. Angesichts der Tatsache, dass wir dabei über eine längere Zeit auf der Autobahn mit einem Tempo zwischen 140 und 160 km/h unterwegs waren, geht auch dieser Wert in Ordnung.

Ausblick wie ein Kirchenoberhaupt

Der Cee'd sieht dynamischer aus, als er tatsächlich ist. Das ist die kleine Enttäuschung bei diesem Auto. Allerdings gibt es auch eine positive Überraschung: Man genießt eine grandiose Rundumsicht und bekommt eine Ahnung davon, wie sich der Papst im Papamobil fühlen muss. Mit der komfortablen Übersicht hebt sich der Wagen angenehm von vielen anderen Modellen ab, deren Karosserien den Fahrer mitunter wie Scheuklappen umschließen.

Es ist, als seien A-B- und C-Säule durchsichtig. Dabei ist die Transparenz nur das Ergebnis ganz weltlicher Ingenieursarbeit: Die Seitenfenster setzen vorne weit unten an und ziehen sich hinten fast bis zum Dachheckspoiler durch. Und über die Türkanten hinaus wird vorne und hinten durch jeweils handtellergroße Fensterchen noch das letzte Quäntchen an Überblick rausgeholt. Wer es noch luftiger mag, kann sich außerdem ein Panoramadach als Extra leisten.

Keine Frage, der Cee'd hat seine Hausaufgaben sorgfältig erledigt. Aber ein charismatischer Geniestreich beim Design ist dabei ebenso wenig zustande gekommen wie eine besonders clevere Innovation bei der Technik. Dieses Auto ist überzeugend, aber nicht hinreißend. Und damit reiht sich der Cee'd brav ins Segment der Kompaktwagen ein. Dort machen Golf und Co. vor, wie weit man es mit nüchterner Qualität bringen kann. Denn anders als in den Klassenzimmern gilt für den Automarkt: Die Musterschüler sind die Lieblinge der Massen.

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