Fahrtest BMW 5er Der Sportdirektor
Zuerst müssen neue Begriffe her, um dies zu vermitteln. Agilität ist einer davon, Dynamik ein anderer. Es wird auch viel von Effizienz gesprochen, und die wesentlichen Neuheiten werden mit dem Adjektiv aktiv garniert. Es gibt die Weltneuheit Aktivlenkung, es gibt eine aktive Geschwindigkeitsregelung, ein aktives Fahrwerk mit aktiven Stabilisatoren und sogar eine aktive Sitzbelüftung.
BMW, das wird schon sprachlich klar, will mit dem neuen 5er so weit wie möglich weg von Assoziationen wie Familienauto oder Reiselimousine. Dass der intern E60 genannte Wagen, insgesamt die fünfte Generation des 5ers seit dessen Debüt 1972, im Vergleich zum Vorgänger in nahezu alle Richtungen wuchs und nun mehr Platz auf den Rücksitzen sowie einen größeren Kofferraum bietet, wird nur am Rande erwähnt.
Wirklich wichtig sind für BMW andere Dinge. Zum Beispiel die Gewichtsverminderung durch den Einsatz von Aluminium. Das komplette Fahrwerk und große Teile des Vorderwagens sind aus Leichtmetall gefertigt. So wiegen einzelne Varianten des neuen 5ers bis zu 75 Kilo weniger als die bisherigen Modelle. Weil die Ingenieure das Auto vor allem vorne abspeckten, liegt die Achslastverteilung zudem nahe dem Idealverhältnis von 50 zu 50.
Womit das Thema Fahrdynamik - auch ein Lieblingswort der BMW-Verantwortlichen im Zusammenhang mit dem neuen 5er - berührt wäre. Die herausragende Neuheit auf diesem Feld ist die Aktivlenkung, die in der neuen Limousine erstmals angeboten wird. Die Aktivlenkung kostet 1200 Euro Aufpreis und funktioniert per elektromechanischer Steuerung. Je nach Fahrgeschwindigkeit wird die Lenkbewegung des Fahrers unterstützt oder abgeschwächt. Die Übersetzung von Lenkrad- zu Radeinschlag variiert dabei so, dass bis etwa Tempo 120 die Lenkung sehr direkt, danach aber zunehmend indirekter wird.
Auch auf extrem kurvigen Strecken kann so das Volant stets in beiden Händen gehalten werden, ein Umgreifen ist nicht mehr nötig. Das lässige Lenken bringt tatsächlich mehr Fahrspaß. Entwickelt wurde die Aktivlenkung von ZF, Bosch und BMW gemeinsam; die Münchner dürfen sie zunächst zwei Jahre exklusiv nutzen. Eine feine Sache ist auch die aus dem 7er bekannte Wankstabilisierung Dynamic Drive (Aufpreis 2300 Euro). Die Technik beruhigt die Karosserie in Kurven und "sorgt so für hohe Agilität und Leichtfüßigkeit", wie BMW verspricht.
Ins Zeug gelegt haben sich die Ingenieure der weiß-blauen Marke auch beim Antriebsstrang. Zum Verkaufsstart am 5. Juli fährt die neue 5er-Baureihe zunächst mit drei verschiedenen Reihen-Sechszylindermotorisierungen (520i, 530d, 530i) sowie Sechsgang-Schalt- oder Automatikgetriebe vor. Allen drei Maschinen mangelt es wahrlich nicht an Leistung. Aber anders wäre das Ziel der unbedingten Agilität bei einem Wagen dieses Kalibers auch nicht zu erreichen.
| Hersteller: | BMW |
|---|---|
| Typ: | 530i |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | Sechszylinder-Benziner |
| Hubraum: | 2.979 ccm |
| Leistung PS: | 231 PS |
| Leistung kW: | 170 kW |
| Drehmoment: | 300 Nm |
| Von 0 auf 100: | 6,9 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 250 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 9,5 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 225 g/km |
| Kofferraum: | 520 Liter |
| Preis: | 40.600 € |
Wir fuhren mit dem vorläufigen Topmodell 530i, dessen 231 PS starker Motor in der Tat eindrucksvoll loslegt. Wenn der Sechszylinder hochdreht, entsteht im Innenraum nie das Gefühl, als ob die Maschine in einen Grenzbereich gelangt. Motorgeräusch, Beschleunigung, Laufruhe sind schon beeindruckend. Der Spritverbrauch auf unserer Testfahrt über Landstraßen und einen kurzen Schnellstraßen-Abschnitt lag übrigens laut Bordcomputer bei 10,8 Liter.
Wenn BMW-Designchef Chris Bangle die Karosserie des neuen Modells beschreibt, dann wählt er das Bild von Rippen, über die eine Haut gespannt sei. "Wie bei einem Zeppelin", sagt Bangle. Front- und Heckpartie des Autos sind frisch, ausgewogen und sehr präzise gestaltet. In der Seitenansicht jedoch erscheint der Wagen etwas müde und gar nicht so dynamisch und agil, wie es das markante "Gesicht" mit den schnittigen Scheinwerfer und der aufgeblähten BMW-Niere erwarten lassen. Der Innenraum wirkt, vor allem wegen der stark zerklüfteten Mittelkonsole und des unruhigen Armaturenbretts etwas über-designt. Andererseits ist es schön, die Wellenform der Armaturenblende auch an den Armauflagen in den Türen und in den Einstiegsleisten zu entdecken.
Der Chefgestalter zieht Vergleiche aus der Luftfahrt heran, die Techniker bieten Luftfahrttechnik in Form eines so genannten Head-up-Displays (Aufpreis 1300 Euro). Das individuell programmierbare System spiegelt die Geschwindigkeit, Navigationshilfen oder Warnhinweise gut sichtbar auf die Windschutzscheibe direkt ins Blickfeld des Fahrers. Die Serienausstattung des neuen Autos umfasst unter anderem sechs Airbags, ABS, Bordcomputer, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer, Regensensor und eine Reifenpannenanzeige. Extra zahlen muss der 5er Kunde für Dinge wie Getränkehalter (70 Euro), elektrisch verstellbare Sitze (1100 Euro), Xenon-Licht (960 Euro) oder Metallic-Lack (850 Euro).
In China übrigens ist der 5er das bislang meistverkaufte Modell von BMW - noch vor dem 3er. Die absoluten Zahlen sind allerdings noch recht bescheiden (5500 und 3800 Autos im vergangenen Jahr). Auch auf einem anderen asiatischen Markt hat der neue 5er gute Chancen. In Japan, so Vertriebsvorstand Michael Ganal, falle mit dem neuen Modell das "K.o.-Argument" gegen das Auto weg. "In den Kofferraum passen jetzt nämlich vier 46-Zoll-Golfbags."