Fiat 500 C: Rollendes Rotkäppchen - DER SPIEGEL
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Fiat 500 C: Mütze ins Genick

Fiat 500 C Rollendes Rotkäppchen

Mit der Neuauflage des Fiat 500 landeten die Italiener vor zwei Jahren einen Retro-Hit, mehr als 330.000 der knubbeligen Kleinwagen wurden seither verkauft. Nun folgt der zweite Streich: die Cabrio-Version mit Rolldach.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist das übliche Geschiebe im Stadtverkehr. Auf der rechten Spur geht es ein wenig schneller, und prompt werden beim Defilee im Schritttempo zahlreiche Beifahrerinnen aufmerksam: helle Blicke, fröhliches Lächeln, kurzes Winken. Natürlich gelten diese Gefühlsausbrüche nicht dem Fahrer, sondern dem Auto. Der Fiat 500 C kullert mit geöffnetem Dach über die Leopoldstraße, und für einen Moment ist er der Star im Reich der Porsche-Audi-Bussi-Gesellschaft auf der Münchner Präsentiermeile.

Dabei hat Fiat lediglich eine alte Idee aufgewärmt. Als 1957 der Nuova 500 erschien, gab es das Auto nur mit aufrollbarem Stoffdach und Plastikheckscheibe. Nicht aus Spaß, sondern aus Spargründen wählte Konstrukteur Dante Giacosa diese Lösung, denn Blech war damals teuer. Das Auto aber sollte so billig wie möglich werden. Erst später gab es den Kleinwagen auch mit festem Verdeck. Bei der Renaissance des Autos verfuhr Fiat nun genau umgekehrt. Zum Start vor zwei Jahren debütierte zunächst das geschlossene Modell, jetzt fährt die Cabrio-Variante hinterher. Ab 5. September steht der Wagen bei den deutschen Händlern.

Wie damals bleiben beim neuen 500 C die Längsholme des Dachs stehen, die hintere Seitenscheibe ebenso. Öffnen lässt sich auf Knopfdruck wahlweise nur das Dach, oder dazu noch die Heckpartie. Dann surrt auch die beheizbare Glasheckscheibe nach unten, so dass über der Kofferraumhaube eine Art Deich entsteht, der ein bisschen Zugluft abhält und leider auch die Sicht nach hinten beeinträchtigt. Weil die Fiat-Leute das Manko erkannt haben, gibt es den 500 C ausschließlich mit Einparkhilfe - sonst würde selbst mit diesem 3,55 Meter kurzen Wagen das Rückwärtsfahren zum Lotteriespiel.

Im Vergleich zum geschlossenen Modell ist das Cabriolet um 40 Kilogramm schwerer, was weniger am dreilagigen Textilverdeck liegt als an den Elektromotoren die es bewegen und an den verstärkten Dachrahmen, die im Falle eines Überschlags die Insassen vor Schlimmerem bewahren sollen. Geliefert wird das Rolldach von der österreichischen Firma Magna. Es lässt sich bei jeder Fahrgeschwindigkeit bis zur Heckscheibe öffnen. Soll der Wagen komplett entblättert werden, muss das Tempo auf weniger als 60 km/h gedrosselt werden.

Die Motorenauswahl für das Cabrio ist identisch mit jener der geschlossenen Variante. Es gibt zwei Vierzylinder-Benziner mit 69 oder 100 PS sowie einen 1,3-Liter-Diesel mit 75 PS und serienmäßig installiertem Rußpartikelfilter. Schon der 1,2-Liter-Basis-Benziner ist ein ausgewogener, harmonischer Motor. Kein Ausbund an Temperament zwar, aber doch ein Antrieb, mit dem sich das Auto ordentlich bewegen lässt.

Vor allem ist das Triebwerk genügsam. In der Version mit dem gut gestuften Fünfgang-Schaltgetriebe schluckt der Motor im Schnitt 5,1 Liter Benzin (CO2-Ausstoß 119 g/km). Wer für 300 Euro Aufpreis eine Start-Stopp-Automatik ordert, die es auch für den 1,4-Liter-Benziner gibt, kann vor allem im Stadtverkehr noch einen Tick sparsamer fahren. Und kommt dazu noch die Dualogic genannte Halbautomatik (Aufpreis 900 Euro), sinkt der Durchschnittsverbrauch im Modus "Economy" auf 4,7 Liter, was einem CO2-Ausstoß von 110 Gramm entspricht. Nach der neuen Kfz-Steuer ergibt das eine jährliche Belastung von 26 Euro.

Ein überarbeitetes Fahrwerk soll die anfängliche Kritik besänftigen

Mit dem Start des Fiat 500 C kommt auch ein verändertes Fahrwerk für Cabrio und das geschlossene Modell zum Einsatz. Nach Kundenkritik an der knöchern-humorlosen Abstimmung der bisherigen Autos wurde der vordere Querstabilisator verstärkt, hinten ein zusätzlicher Stabilisator eingebaut und dazu die Feder- und Dämpferraten an der Hinterachse erhöht. Ergebnis ist ein geschmeidigeres Abrollen in Kurven und auf unebenem Gelände.

Fiat verlangt für das Cabrio einen Zuschlag von 2800 Euro, der günstigste Fiat 500 C kostet also 13.800 Euro. Darin enthalten sind ABS, sieben Airbags, Musikanlage mit CD- und MP3-Spieler sowie eine geteilt umklappbare Rücksitzlehne, durch die sich das Kofferraumvolumen von 182 auf 520 Liter vergrößern lässt. Allerdings wird kaum ein Auto in der Grundversion das Werk verlassen - zu lang ist die Liste der Extras, zu verführerisch sind die Optionen.

Viele Kleinigkeiten ergeben auch einen satten Aufpreis

Und es sind scheinbar ja nur Kleinigkeiten. Nebelscheinwerfer zum Beispiel (Aufpreis 170 Euro) oder ein Lederschaltknauf (50 Euro), eine Pastelllackierung (200 Euro) oder die Tasche an der Rückseite des Beifahrersitzes (50 Euro), eine Chrom-Zierleiste für die Motorhaube (95 Euro) oder ein Duftspender (100 Euro). Selbst für ESP muss man 350 Euro extra hinlegen, sofern man die Einstiegsvariante bestellt. Resultat: Es läppert sich zusammen. Bei unserem Testwagen summierten sich die Extras auf einen Endpreis von 17.420 Euro.

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