Fiat Panda Nenn mich nicht Baby
"In dieser Woche", beginnt Fiat-Pressesprecher Thomas Kern seine kurze Einführung zum neuen Modell Panda, "werden in Deutschland zwei Volkswagen vorgestellt. Der echte kommt aus Italien und kostet ab 8290 Euro." Ein kleiner Seitenhieb auf den VW Golf, der in diesen Tagen in Wolfsburg vorgestellt wird, während Fiat den Panda in Leipzig präsentiert. Natürlich kann man beide Autos nicht vergleichen. Im Wortsinn ein Volkswagen ist der neue Panda aber auf jeden Fall. Er ist billig, hat Platz für bis zu fünf Insassen und etwas Gepäck, verbraucht wenig Sprit und bietet viel Nutzwert und Fahrspaß.
"Seit langer, langer Zeit", sagt Klaus Fricke, der Vorstandschef der deutschen Fiat AG, "schreiben wir in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen." Die sind zwar noch bescheiden, aber die Umkehr des scheinbar ewigen Abwärtstrends ist geschafft. Da fügt es sich bestens, dass gerade jetzt ein neues Auto auf den Markt kommt, das einen Sympathiebonus besitzt, originell aussieht und für das bereits 5000 Vorbestellungen vorliegen. Mit dem neuen Panda wird Fiat zwar nicht das ganz große Geschäft machen, aber der Wagen ist ein Signal, dass sich die Marke auf ihre Stärken besinnt und offenbar Erfolg damit hat.
Als der erste Panda vor 23 Jahren vorgestellt wurde, nannte der Designer Giorgetto Giugiaro seinen kantigen Knirps ein "Haushaltsgerät auf Rädern". Die "tolle Kiste", wie der Wagen beworben wurde, verkaufte sich mehr als vier Millionen Mal. Ehe das Modell 1999 in Deutschland auslief, wurde es hier zu Lande rund 350.000-mal abgesetzt. Der neue Panda - Werbeslogan "Nenn mich bloß nicht Baby" - wird es wohl etwas schwerer haben, denn er tritt nicht mehr als 3,41 Meter kurzes Kuriosum mit 40 PS Motor und Campingstuhl-Sitzen an.
Der Neue ist ein ausgewachsener Kleinwagen. 3,54 Meter lang, 1,59 Meter breit und stattliche 1,54 Meter hoch, was der Kopffreiheit und dem Raumgefühl der Insassen zugute kommt. Die Ausstattung inklusive der Sitze ist ordentlich. Es gibt ein richtiges Handschuhfach statt einer offenen Plastikgrube wie beim Vorgänger; zudem sind Cockpit sowie Armaturentafel des neuen Modells übersichtlich und originell gestylt. Besonders gut war die Idee der Ausstatter, den Schalthebel hoch auf der Mittelkonsole zu platzieren: So liegen zwischen Lenkrad und Schaltknauf höchstens 20 Zentimeter.
| Hersteller: | Fiat |
|---|---|
| Typ: | Panda |
| Karosserie: | Kleinwagen |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.242 ccm |
| Leistung PS: | 60 PS |
| Leistung kW: | 44 kW |
| Drehmoment: | 102 Nm |
| Von 0 auf 100: | 14 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 155 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 5,6 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 133 g/km |
| Kofferraum: | 206 Liter |
| umgebaut: | 775 Liter |
| Versicherung (HP): | 13 € |
| Versicherung (TK): | 18 € |
| Versicherung (VK): | 12 € |
| Preis: | 9.450 € |
Im Kofferraum ist Platz für 206 Liter Gepäck. Auf Wunsch und gegen 250 Euro Aufpreis lässt sich eine um 16 Zentimeter verschiebbare Rückbank bestellen, wodurch das Ladevolumen auf 230 Liter steigt. Wird die Rücksitzlehne umgeklappt (serienmäßig), fasst das Heck maximal 775 Liter. Prima ist übrigens die Sicht nach hinten, was maßgeblich an den verglasten C-Säulen liegt. Überhaupt: Die Seitenansicht des Wagens mit dem hübschen Fensterbogen, dem kaum noch vorhandenen hinteren Überhang und der Dachreling (Aufpreis 150 Euro) ist den Designern richtig gut gelungen. Von vorne und hinten dagegen zeigt der Panda Anklänge an seine frühere Kantigkeit: Die Scheinwerfer gucken zutraulich und sympathisch, das Heck mit den langen Rücklicht-Stäben wirkt frisch und fröhlich.
Der flotte Gesamteindruck wird von den Motoren unterstrichen. Zunächst bietet Fiat den Panda mit zwei Vierzylinder-Benzinern an. Einem 1,1-Liter-Motor mit 54 PS (40 kW) und einem 1,2-Liter-Vierzylinder-Aggregat mit 60 PS (44 kW). Wir würden das etwas stärkere Triebwerk vorziehen, weil es den Kleinen richtig hurtig macht und deutlich ruhiger und souveräner läuft als der Einstiegsmotor. Den gibt es vor allem, um ein möglichst billiges Grundmodell im Angebot zu haben. Ab Januar wird es den Panda auch mit einem Commonrail-Turbodiesel geben, nämlich dem aus dem Punto bekannten 1,3-Liter-Multijet-Aggregat mit 70 PS (52 kW). Das Dieselmodell soll zirka 1800 Euro mehr kosten als der Wagen mit 1,2-Liter-Benziner. Eine Allrad-Variante wird im September 2004 folgen, ein Sport-Panda mit 1,4-Liter-Benziner und rund 100 PS (74 kW) Ende nächsten Jahres.
Wer den Kleinen etwas üppiger möchte, findet innerhalb der vier Ausstattungsniveaus und der Extras reichlich Gelegenheit. So lassen sich unter anderem bis zu sechs Airbags (ab Werk zwei Airbags), ABS, ESP, Nebelscheinwerfer, 14-Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrische Servolenkung, Zentralverriegelung, ein doppeltes elektrisches Glasschiebedach, ein Multifunktionslenkrad, eine Klimaanlage oder ein höhenverstellbares Lenkrad zusätzlich ordern.
Unser Testauto war natürlich mit allerlei Finessen bestückt, doch schon das pure Fahren im neuen Panda vermittelte den Eindruck, als bringe Fiat ein ausgereiftes Auto auf den Markt. Schaltung, Lenkung, Handling, Federung, Geräuschkulisse - alles passt zusammen und passt zu diesem Auto. Ein munterer Kleinwagen, der ein problemloses Miteinander vor allem im Stadtverkehr verspricht. Und dort für muntere Farbtupfer sorgen wird. Unsere Lackempfehlung für den Panda: Vanilla Gelb, Guacamole Grün oder Dry Türkis.