Fiat Stilo Multi Wagon: Heck der Hoffnung - DER SPIEGEL
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Fiat Stilo Multi Wagon Heck der Hoffnung

Der Kompaktwagen Stilo, seit 15 Monaten bei den Händlern, hat die Erwartungen der Fiat-Verantwortlichen bislang nicht erfüllt. Nun ruht die Hoffnung auf der Kombiversion namens Multi Wagon. Wir fuhren den Wagen für "Paare mit Freizeitsinn".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach all dem Gedröhne und Getöse der vergangenen Wochen um immer neue Luxus-Geländewagen, dicke Luxusschlitten und Motorleistung im Überfluss tut es ganz gut, die Aufmerksamkeit auf ein normales Auto zu lenken. Auf einen Wagen, der kein Statussymbol oder Imageträger sein will, sondern in erster Linie ein vielseitiges, vernünftiges und vergleichsweise günstiges Fortbewegungsmittel. Das darf der Fiat Stilo Multi Wagon durchaus für sich in Anspruch nehmen. Die Italiener erweitern mit dem Modell die Stilo-Baureihe um einen Kombi, betonen dabei aber stets, dass der Wagen eigentlich "mehr Talente hat als ein normaler Kombi", wie es Fiat-Brandmanager Basilio Scelza ausdrückt.

Neben der Kombi-typischen Ladekapazität (maximal 1480 Liter) bietet der Stilo Multi Wagon gegen Aufpreis diverse praktische Extras. Etwa eine separat zu öffnende Heckscheibe (290 Euro), einen Beifahrersitz, dessen Lehne zu einem Tisch ganz nach vorne umgelegt werden kann (150 Euro) oder eine getrennt um bis zu 16 Zentimeter verschiebbare Rücksitzbank (290 Euro). Mit solcherlei Zusatzausstattung lässt sich der Innenraum des Autos sehr variabel gestalten: Als Transporter, als Fünfsitzer mit viel Beinfreiheit oder etwa als Reisewagen, wobei der Passagier hinten rechts die Füße auf dem "Sitzlehnen-Tisch" bequem ausstrecken kann. "Mehr als 50 Konfigurationen sind möglich", hat Fiat-Sprecher Carl-Wolfgang Stubenberg ermittelt.

Im Kontrast zum anregenden Innenraum steht das eher nüchterne Außendesign des Multi Wagon. Während die stark profilierte Frontpartie noch ein wenig Sportlichkeit vermittelt, geht der Silhouette des Autos jede Eleganz ab. Klare Linien und nüchterne Flächen drücken aus, dass es hier um ein Vernuftauto geht. Und auch am Heck bleibt das Auge, abgesehen von einem großen Griff unterm Nummernschildträger, nirgendwo hängen. Das unspektakuläre Design hilft jedoch dabei, den Nutzwert zu erhöhen. Durch den Verzicht auf Stylingspielereien am Heck gelang es zum Beispiel, die Ladekante praktisch zu eliminieren. Und weil die Hinterräder von stark geneigten Dämpfern auf die Straße gedrückt werden, ist das komplette Gepäckabteil wunderbar glatt und gerade geschnitten. Nirgendwo stören Vorsprünge oder Nischen, der Laderaum hält das Versprechen, das die große Heckklappe macht.

So sehr manch cleveres Detail den Autoalltag erleichtern wird, so ärgerlich sind andere Kleinigkeiten. Manche Kunststoffteile - zum Beispiel die "Tischfläche" an der Beifahrersitzlehne - wirken arg billig. Das Lenkrad ist ein bisschen plump geraten und die Außenspiegel ein wenig flach. Lobenswert hingegen sind die gut geformten Sitze, die feine Oberfläche der Armaturentafel sowie die ausgezeichnete Rundumsicht. Fiat teilt das Multi-Wagon-Angebot in drei Ausstattungskategorien ein. In der Grundversion verfügt der Wagen über sechs Airbags, ABS, elektrische Servolenkung, einen höhenverstellbaren Fahrersitz, Wärmeschutzverglasung, Bordcomputer, elektrische Fensterheber vorne, Nebelscheinwerfer, zweifach verstellbares Lenkrad, Dachreling, Zentralverriegelung und elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel. Erweitert wird die Auswahl durch das Motorenangebot, das zwei Benziner und zwei Commonrail-Turbodiesel umfasst.

Hersteller:Fiat
Typ:Stilo Multi Wagon
Karosserie:Kombi
Motor:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.596 ccm
Leistung PS:103 PS
Leistung kW:76 kW
Drehmoment:145 Nm
Von 0 auf 100:11,4 Sek.
Höchstgeschw.:183 km/h
Verbrauch (ECE):7,6 Liter
CO2-Ausstoß:180 g/km
Kofferraum:510 Liter
umgebaut:1.480 Liter
Versicherung (HP):14 €
Versicherung (TK):14 €
Versicherung (VK):32 €
Preis:16.500 €

Wir waren mit dem Standard-Ottomotor, dem 1,6-Liter-Vierventiler mit 103 PS (76 kW) unterwegs. Fiat erwartet, dass sich rund ein Drittel der 10.000 prognostizierten Multi-Wagon-Käufer in diesem Jahr in Deutschland für diese Maschine entscheiden werden. Keine schlechte Wahl, denn der Motor läuft angemessen ruhig und bietet in Kombination mit dem Fünfgang-Schaltgetriebe ordentliche Fahrwerte. Nach unserer Testschleife über Landstraßen, Autobahn und eine Viertelstunden Stopp-and-Go in der Stadt meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 8,1 Liter - das ist annehmbar. Damit der offizielle Verkaufsstart bei den deutschen Händlern ein erfolgreicher Tag für die gebeutelte Marke wird, lädt Fiat am 25. Januar zum "Winterfest" ein. Locken soll die Kundschaft natürlich das neue Auto, zur Sicherheit wurde aber auch noch ein Gewinnspiel mit dem Reiseveranstalter TUI und der Skifirma Völkl organisiert. Und schließlich erhielten in den vergangenen Wochen 1,3 Millionen potenzielle Stilo-Multi-Wagon-Kunden per Direkt-Mailing eine Einladung zur Autopräsentation. Wer die Post bekam, darf sich zu den "aktiven Familien" oder den "Paaren mit Freizeitsinn" im Lande zählen, denn aus diesen Gruppen, so die Marketingleute bei Fiat, werde sich der Großteil der Käufer rekrutieren.