Fiat Stilo: Operation "Fünf Prozent" - DER SPIEGEL
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Fiat Stilo Operation "Fünf Prozent"

Jetzt oder nie, heißt es bei Fiat, wenn ab 13. Oktober der Kompaktwagen Stilo bei den Händlern steht. Das "bis in die letzte Schraube" neu konstruierte Auto löst die hier zu Lande glücklose Modellreihe Bravo/Brava ab. Die Mission des Stilo: Fünf Prozent Marktanteil in der Kompaktklasse.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Forward Thinking" lautet der Slogan für den Stilo. Mit dem Stilo präsentieren die Italiener ein Auto, das unter den Wettbewerbsmodellen vor allem durch seine Ausstattung und sein modernes Design auffällt. Zum Verkaufsstart bietet Fiat den Stilo als Drei- und Fünftürer an, die sich optisch deutlich voneinander unterscheiden und auf Grund ihrer Auslegung gleich zwei Zielgruppen ansprechen sollen: Nämlich "junge und unkomplizierte Singles" (Dreitürer) sowie "pragmatische und geradlinige Familienmenschen" (Fünftürer), wie das Fiat-Marketing skizziert.

"Unser neues Modell", sagt Fiat-Sprecher Claus Witzeck, "soll zum Maßstab in seiner Klasse werden". Gemeint ist das sogenannte C-Segment, landläufig als "Golf-Klasse" bekannt. Hier werden Stückzahlen gemacht. Allein in Deutschland summieren sich die Neuzulassungen in diesem Markt auf rund 830.000 Autos pro Jahr. Fiat dümpelte zuletzt mit den Modellen Bravo und Brava unter ferner liefen; im vergangenen Jahr registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg lediglich 9312 Bravo- oder Brava-Neufahrzeuge.

Das soll sich radikal ändern. Noch in diesem Jahr sind 5200 Stilo-Verkäufe geplant, im kommenden Jahr sollen dann bereits 37.000 Einheiten abgesetzt werden und 2003, wenn auch das Kombi-Modell verfügbar sein wird, rechnen die Fiat-Verantwortlichen mit 45.000 Stilo-Neuzulassungen zwischen Sylt und Sonthofen. Falls die Prognose eintritt, hätte Fiat endlich sein Ziel erreicht: Fünf Prozent Marktanteil in der Kompaktklasse.

Die Italiener wollen endlich den Sprung vom Kleinwagen-Hersteller zum ganz normalen Massenanbieter schaffen. 1,8 Milliarden Mark wurden daher in die Entwicklung des Stilo und in neue Produktionsanlagen in der süditalienischen Fabrik Cassino gesteckt; für die Stilo-Werbung in Deutschland gibt Fiat in diesem Jahr 20 Millionen Mark, im kommenden Jahr 36 Millionen Mark aus - so viel wie noch nie. Entscheidend aber ist, dass das Produkt stimmt. Zwei Karosserievarianten, drei Ausstattungsstufen und zunächst vier Motoren sind im Angebot (im Februar folgen der Einstiegs-Benziner und -Diesel mit je 80 PS).

Hersteller:Fiat
Typ:Stilo 1.9 JTD
Karosserie:Kompaktwagen
Motor:Vierzylinder-Diesel-Direkteinspritzer
Hubraum:1.910 ccm
Leistung PS:115 PS
Leistung kW:85 kW
Drehmoment:255 Nm
Von 0 auf 100:10,7 Sek.
Höchstgeschw.:190 km/h
Verbrauch (ECE):5,4 Liter
CO2-Ausstoß:143 g/km
Kofferraum:335 Liter
umgebaut:1.005 Liter
Versicherung (HP):19 €
Versicherung (TK):35 €
Versicherung (VK):17 €
Preis:17.750 €

Wir entschieden uns zur ersten Testfahrt für einen Fünftürer mit dem 1,9-Liter-Common-Rail-Diesel mit 115 PS (85 kW). Der Wagen sieht glatt und modern aus, italienische Spielereien gibt es nicht. Stattdessen hat der deutsche Designer Peter Fassbender eine Karosserie mit klaren Linien und Kanten geformt. Fassbender sagt, der Fünftürer sei "eine designerische Herausforderung gewesen", weil er schon von außen zeigen sollte, wie viel Platz in ihm steckt.

Beides trifft zu: Der Wagen steht voluminös und stattlich da und im Innenraum gibt es viel Platz auch für lange Arme und Beine oder abgewinkelte Ellenbogen. Die asymmetrisch geteilte Rücksitzbank lässt sich umklappen, aber auch getrennt vor und zurück verschieben oder aber nach hinten neigen. Das macht die Passagier- und Kofferräume variabel und trägt zu größerer Bequemlichkeit auf den Rücksitzen bei. Am Armaturenbrett herrscht Ordnung, die Schalter sind logisch verteilt, ebene Flächen bringen Ruhe und Gediegenheit in den Innenraum. Die Oberflächen allerdings wirken nicht immer fein - hier und da sehen Details sehr nach Plastik aus, und fühlen sich auch so an.

Gut gefiel uns das Fahrgefühl im Stilo. Der Dieselmotor läuft angemessen ruhig und stellt seine Kraft spontan zur Verfügung. Das Auto, immerhin 1,4 Tonnen schwer, lässt sich agil bewegen. Lenkung, Bremsen und Fünfgang-Schaltgetriebe arbeiten präzise und bei der Fahrwerksabstimmung hat Fiat einen guten Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort gefunden. 5,7 Liter Durchschnittsverbrauch meldete der Bordcomputer nach der ersten Testrunde - das geht wirklich in Ordnung.

Zum Primus seiner Klasse avanciert der Stilo in der Kategorie Ausstattung. Sechs Airbags sind Serie, für die Luftkissen sieben und acht an den hinteren Seitenplätzen werden 430 Mark Aufpreis berechnet. Ab Werk gehören ABS mit Bremskraftverteiler (EBD) und Bremsassistent, Antischlupfregelung (ASR) und das Stabilitätsprogramm (ESP) zum Lieferumfang. Dazu kommen eine zweistufige, elektrische Servolenkung, elektrische Fensterheber vorne, Fahrersitz-Höhenverstellung, Radioanlage mit sechs Lautsprechern, Zentralverriegelung sowie ein zweifach verstellbares Lenkrad. In der Liste mit den Extras finden sich einige Optionen, die erstmals in dieser Klasse angeboten werden (zum Beispiel Tempomat mit radargesteuerter Abstandsregelung).

Um die vielen Ausstattungsdetails dreht sich auch der Stilo-Werbespot "Sound of Technology", der am Montag zu sehen sein wird. Allerdings musste der in New York gedrehte Film nach den Terroranschlägen vom 11. September noch einmal gründlich umgeschnitten werden. "Jetzt", sagt Fiat-Brandmanager Davide Campagnari, "können nur noch Ortskundige in einer kurzen Szene erkennen, wo der Spot wirklich spielt".