Ford Edge: Erfolgsmodell muss draußen bleiben - DER SPIEGEL
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Ford Edge Erfolgsmodell muss draußen bleiben

Die SUV-Welle rollt und rollt. Doch Ford muss die Kunden noch um Geduld bitten. Dabei könnten die Kölner die Zeit bis zum Debüt ihres Kompakt-Geländewagens prima mit dem Edge überbrücken. Doch das US-Erfolgsmodell bekommt keine Landeerlaubnis in Europa.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Ford Edge könnte, so hieß es zumindest vor der Markteinführung in den USA, die Zukunft des Ford-Konzerns entscheiden. Denn abonniert auf schwere, durstige und unzeitgemäße Pick-ups und Geländewagen oder ebenso langweilige wie lahme Limousinen hat der zweitgrößte unter den "Big Three" – vielleicht abgesehen vom Mustang - auf dem wichtigen Heimatmarkt viel zu lange an den aktuellen Trends vorbeientwickelt und produziert.

Mit dem Edge dagegen hat sich Ford zum ersten Mal in eine neue Richtung bewegt: Der Geländewagen ist für amerikanische Verhältnisse fast schon kompakt und ausgesprochen zivil und zeigt zudem ein völlig neues Design. Außerdem wurden die Amerikaner förmlich mit Werbung bombardiert, um den Wagen in die Köpfe der Kunden zu hämmern. Mit Erfolg: Der im Dezember eingeführte Wagen übertrifft alle Erwartungen. "Das ist das richtige Auto zur richtigen Zeit", sagt Fords Amerika-Chef Mark Fields und hebt flugs die Verkaufsprognose an: Statt 100.000 sollen in diesem Jahr nun 120.000 Edge abgesetzt werden.

Die Kollegen bei Ford in Köln können da nur neidisch über den Atlantik blicken. Zwar wirtschaften die Europäer derzeit deutlich erfolgreicher als die Amerikaner, doch zumindest vom Wachstum im Segment der Geländewagen profitieren sie nicht. Der schaurige Ford Maverick ist langst eingestellt, und die Serienfassung der vergangenen Herbst in Paris enthüllten Studie Iosis X ist noch mindestens ein Jahr entfernt. Bis dahin käme den Kölnern der Shooting-Star aus dem Wilden Westen gut zu pass.

Doch schließt Ford einen Export kategorisch aus und überlässt freien Importeuren das Feld. Bei einem Grundpreis von 25.995 und einem Top-Modell für rund 31.000 Dollar haben die leichtes Spiel und werden selbst mit dem üblichen Aufschlag kaum über 30.000 Euro landen - und so genügend Kunden finden. Während die Wege nach Deutschland also verschlungen sind, war SPIEGEL ONLINE mit dem Edge schon mal in den USA unterwegs.

Dabei macht als "Crossover"-Konzept gefeierte Edge auf den ersten Blick eine gute Figur: Der Kühlergrill glänzt mit drei fetten Chrombalken so stark, dass entgegenkommende Fahrer die Sonnenbrille aufsetzen. Und die wie ein Bumerang geformten Scheinwerfer geben dem Gesicht Charakter. Die Silhouette des 4,69 Meter langen Fünftürers ist glatt, schlicht und sogar ein wenig sportlich, und am Heck haben die Designer das Spiel mit dem Chrom um die Rückleuchten herum wieder aufgenommen und zudem die große Klappe weit in Fahrtrichtung geneigt.

Auch innen sieht der Edge besser aus, als man es bislang von vielen amerikanischen Ford-Modellen gewöhnt war. Die Materialauswahl war schon schlechter und die Verarbeitung liederlicher. Doch wirkt zum Beispiel das Cockpit lange nicht so harmonisch und durchgängig wie bei den europäischen Modellen. Dafür allerdings gibt es jede Menge Platz: Bei 2,81 Metern Radstand kann man vorn wie hinten ordentlich sitzen, und in den Kofferraum passt mehr, als man für eine kontinentale Kreuzfahrt braucht. Außerdem glänzt der Edge mit einer üppigen Ausstattung. Airbags und ESP sind ebenso Standard wie Navigationssystem, Klimaanlage, eine Reihe elektrischer Helfer, Ledersitze und Aluschmuck - dazu kommt die Option auf ein riesiges Glasdach und natürlich die DVD-Konsole für den Fond.

Im Motorraum rumort ein V6-Benziner

Weil es den Edge ausschließlich in den USA gibt, kommt für ihn nur ein Motor in Frage: din klassischer V6. Im Edge hat er 3,5 Liter Hubraum und kommt auf 265 PS und 338 Nm, die von einer sechsstufigen Automatik überraschend feinfühlig, aber kräftezehrend auf die Straße gebracht werden. Würde jemand behaupten, der Edge habe nur 200 PS – man würde es gerne glauben. Entsprechend mager sind die Fahrleistungen: 0 auf 100 in weniger als neun Sekunden sind noch in Ordnung, aber 180 km/h Höchstgeschwindigkeit sind bei dieser Leistung einfach zu wenig. Dafür ist der Verbrauch ok: Je nach Fahrzyklus haben die Amerikaner acht bis zwölf Liter ermittelt, so dass bei uns rund zehn Liter auf der Uhr stehen dürften.

Natürlich würde so ein Auto auch ins europäische Ford-Sortiment passen. Zumal es den Allradantrieb als Option gibt und man den Edge zum Kampfpreis mit reinem Frontantrieb bestellen kann. Doch spätestens auf den ersten Testkilometern in den Straßen von Manhattan erscheint das Export-Veto dann doch als gute Idee. Die Federung ist so weich und die Lenkung so indifferent, dass der Fahreindruck so gar nicht zu den ausgezeichneten Standards der europäischen Flotte passen will. Sicher könnte man so etwas ändern, und mit ein bisschen guten Willen gäbe es vielleicht sogar einen passenden Dieselmotor. Doch dafür brächte man Zeit, und bis dahin ist vielleicht auch der Iosis X serienreif. Und noch ein Grund spricht gegen den Export: In den USA läuft der Edge so gut, dass Ford kaum mit der Produktion nachkommt. Auf Anfragen aus Europa können die Amerikaner deshalb gut verzichten.