Ford Flex Der Maxi Clubman
Es knirscht und ächzt in Detroit, und wohl kein Finanzexperte würde derzeit auf die Zukunft der großen US-Autohersteller wetten. Doch noch sind die großen Drei nicht vollends verloren. Denn auch wenn Ford, General Motors und Chrysler immense Fehler in der Produktplanung unterliefen, blitzt zwischen all dem fabrikneuen Altmetall aus Motown immer mal wieder ein Glanzlicht hervor. Bei Ford zum Beispiel der neue Kombi Flex, der den US-Kunden den Abschied von den antiquierten Geländewagen erleichtern soll.
Das könnte klappen, denn klein und vernünftig ist das Auto nach europäischen Maßstäben keineswegs. Mit 5,13 Metern Länge ist der Wagen fast so lang wie der Leichtlaster Ford Transit, und unter der Motorhaube stampfen sechs Zylinder durch 3,5 Liter Hubraum. Doch immerhin ist er leichter und sparsamer als die bisherigen Blech-Giganten. Und er sieht pfiffig aus. Würde der Flex in Deutschland angeboten, würden sich wohl manche S-Max- und Galaxy-Fahrer umorientieren. Zumal angesichts des Preises. Die Basisversion kostet umgerechnet nicht einmal 21.000 Euro.
Statt wie etwa Chrysler Voyager, VW Sharan, oder auch Ford Galaxy den langweiligen Raumkreuzer zu geben, spielt der Flex die Rolle des Lifestyle-Lasters. Das Design sieht nach einem Mix aus gepimpten Range Rover und aufgeblasenem Mini Clubman aus und in Städten wie New York oder Los Angeles sieht das Auto ausgesprochen cool aus. Die Flanken sind geriffelt, der Kühlergrill chromglänzend, die Räder groß und die Silhouette gedrungen Ford hat properes Design noch nicht verlernt.
Vor allem punktet der Wagen, anders als viele US-Modelle, auch innen. Bei mehr als drei Metern Radstand kann man auch im Fond noch locker die Beine ausstrecken. In der zweiten Reihe gibt es auf Wunsch statt einer Dreier-Sitzbank zwei bequeme Einzelsitze mit reichlich Fußraum und natürlich lassen sich alle Sitze mit ein paar Handgriffen flachlegen. Dann wächst der ohnehin schon enorme Kofferraum auf ein Maß, das schon für einen kleinen Umzug taugt.
Eine Box für Eiswürfel und siebenfarbiges Innenraumlicht
Die Verarbeitung wirkt sehr solide, die Materialien hinterlassen einen respektabeln Eindruck; dazu gibt es jede Menge Details, die für Europäer womöglich verzichtbar wären, bei US-Kunden jedoch bestens ankommen. So haben die Entwickler nicht nur ein rundes Dutzend Cupholder eingebaut, sondern dem Flex sogar Kühlfächer, in denen selbst Eiswürfel nicht schmelzen, und eine digitale Jukebox verpasst. Die kann CDs nicht nur lesen, sondern auch brennen. Zwei Steckdosen versorgen Laptops, Kühlboxen oder Videospiele mit Strom. Die Beleuchtung von Konsolen und Becherhaltern wechselt auf Knopfdruck zwischen sieben Farben und auf Wunsch kann das Auto auch mit einem Fernseher oder einem Internet-Zugang ausgestattet werden. Dazu kommen, zumindest in den besseren Varianten, vier Glasdächer.
So weit, so gut. Doch beim Blick unter die Haube folgt die Ernüchterung. Denn unter dem Blech gibt es Fortschritt nur im Schneckentempo: Der 3,5 Liter große V6-Benziner und eine bei der ersten Ausfahrt von SPIEGEL ONLINE ziemlich müde Sechsstufen-Automatik sind Schnee von gestern. Ein Hybrid-Antrieb wäre zeitgemäß und ein kraftvoll-sparsamer Dieselmotor etwa aus dem Ford Mondeo würde gut zur Idee des Langstreckenwagens passen.
Herkömmliche Antriebstechnik, großer Spritdurst
So allerdings kommt der Flex mit ordentlichem Durst auf 262 PS und maximal 337 Nm. Das reicht für einen Sprintwert von rund neun Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit, die laut Tacho bei etwa 180 km/h liegt. Für deutsche Autobahnen wäre das beinahe dürftig, aber auf US-Highways kommt man schon für weniger Raserei in den Knast. Außerdem ist der Flex zum Reisen gemacht.
Das Auto ist im Stil einer gemütlichen Sänfte abgestimmt. Allradantrieb gibt es übrigens auf Wunsch und serienmäßig sind sechs Airbags und ESP an Bord. Beim Verbrauch wird dann wieder deutlich, wie altbacken die Antriebstechnik noch ist. Denn auch beim entspannten Cruisen süffelt der Flex im Mittel knapp elf Liter aus dem Tank. Im Stadtverkehr dann weist die Angabe nach US-Norm fast 15 Liter aus. Als groß angelegte Antwort auf den Mini Clubman würde der Ford Flex zwar auch nach Europa passen, doch mit Blick auf die wenig innovative Motorisierung und vor allem auf die gut aufgestellte Van- und Kombiflotte der hiesigen Ford-Dependance gibt es auf derlei Anfragen aus der Europazentrale ein klares Nein. Ford-Händler müssen beim Flex also passen. Doch bei den ersten freien Importeuren rollt der Flex gerade auf den Hof.