Ford Focus Coupé-Cabriolet Hoffen auf die Wintersonne
Jürgen Stackmann ist ein geduldiger Mensch, doch zuletzt wurde seine Langmut auf eine harte Probe gestellt. Der Verkaufschef von Ford musste immerhin neun Jahre lang ausharren, ehe er wieder ein offenes Modell in der Kompaktklasse anbieten kann. Doch nun kann er die Tage zählen, bis die Warterei ein Ende hat: Mitte November lässt auch Ford im Segment von Golf & Konsorten wieder die Hüllen fallen und bringt den Focus als Coupé-Cabriolet in den Handel.
Wie die Konkurrenten setzt Ford dabei auf ein versenkbares Stahldach, das allerdings nur zwei statt wie bei Opel oder VW aus drei oder gar fünf Elementen besteht. Die schlichtere Lösung lässt im Gegensatz zu Astra und Eos das Heck des Focus etwas anschwellen, bringt den Rahmen der Frontscheibe näher an den Scheitel und verkürzt zudem die Luke in Richtung Himmel. Doch die einfachere Konstruktion hat auch Vorteile. Vor allem den günstigeren Preis. So kostet das billigste Focus Coupé-Cabrio 22.975 Euro und liegt mehrere hundert Euro unter den Konkurrenten. Außerdem reklamiert Verkaufschef Stackmann weitere Pluspunkte für das dünne Dach-Sandwich, das binnen 29 Sekunden automatisch im Heck verschwindet: Es sei langlebiger, verwindungssteifer und lasse zudem mehr Platz im Kofferraum.
Was dem Focus optisch vielleicht zum Nachteil gereicht hätte, lässt sich deshalb mit einem Litermaß zum Vorteil ummünzen. So fasst der Kofferraum bei geschlossenem Verdeck mit 534 Litern mehr als alle anderen Modelle. Und selbst wenn der Kölner oben ohne fährt, passen durch die breite Öffnung zwischen Verdeck und Ladekante noch stolze 248 Liter. Nur auf der Rückbank geht es auch bei diesem Konzept eng zu. Wenn die Passagiere vorn kompromissbereit sind, können hinten zumindest auf kurzen Strecken auch zwei Erwachsene sitzen. Macht man es sich in Reihe eins aber bequem, geht die Beinfreiheit im Fond gen Null.
"Ein Stoffverdeck stand für uns nie zur Debatte", sagt Designchef Chris Bird. "Ich wollte von Anfang an ein schönes Coupé mit fließenden Linien, deshalb kam für mich nur das Hardtop in Frage." Dass sei zwar stilistisch die größere Herausforderung, werde aber mit den richtigen Proportionen auch das schönere Auto. Damit dies gelingt und das Auto ein wenig von der Eleganz alter italienischer Grand Tourismos ausstrahlt, hat Bird das Dach wie einen Bogen von Radhaus zu Radhaus gespannt und die Silhouette mit einigen Chromleisten an der Unterkante der Fenster optisch gestreckt. Dazu bekam die Frontpartie einen sportlicheren Charakter und das Heck verspielte Rückleuchten. Außerdem trägt der Focus nun statt eines Namenszugs eine gravierte Chromspange quer über dem Heckdeckel. Dazu gibt es einen Innenraum, der mit neuen Farben und mehr Chrom etwas vornehmer wirkt.
Konstruktion nach dem Baukastenprinzip
Während Bird also viel Arbeit hatte, war das Cabrio für Baureihenchef Gunnar Herrmann eine leichte Übung: "70 Prozent aller Komponenten stammen aus anderen Focus-Modellen und mussten nach dem Motto "plug & play" nur neu zusammengefügt werden." Das hat dem jüngsten Spross der Familie gut getan: Weil die Bodengruppe der viertürigen Limousine bereits sehr steif ist und das Fahrwerk des sportlichen Focus ST zu Recht gelobt wird, macht auch das Coupé-Cabrio auf der Straße eine gute Figur. Der Wagen wirkt sehr solide, bleibt auch auf schlechten Strecken frei von störenden Karosseriegeräuschen und weckt in jeder Geraden bereits die Lust auf die nächste Kurve, die er so scharf und präzise durchmisst wie das Filetmesser eine Lachsseite.
Am besten zum sportlich abgestimmten Fahrwerk passt dabei der Zweiliter-Diesel. Er läuft kultiviert, geht mit 136 PS zu Werke und macht mit 320 Nm Drehmoment den Griff zum Schaltknüppel zur Ausnahmebewegung. Außerdem hat er serienmäßig einen Rußpartikelfilter, verbraucht im Mittel nur 5,9 Liter und ist annähernd gleich schnell wie der ebenfalls zwei Liter große Benziner mit 145 PS. Der ist zwar 2225 Euro günstiger, muss aber mit hohen Drehzahlen bei Laune gehalten werden, verbraucht mit einem Normwert von 7,5 Litern schon in der Theorie deutlich mehr und wirkt zudem auf der Vorderachse etwas zu leicht. Wohl nur zur Preiskosmetik gibt es als dritte Alternative einen 1,6-Liter-Benziner, bei dem aber mit mageren 100 PS viel Fahrfreude auf der Strecke bleiben dürfte.
Dass der offene Focus erst Mitte November kommt, ist für Stackmann kein Problem. "Wir haben unseren Zeitplan eingehalten und bringen zwei Jahre nach der Studie nun das Serienmodell", sagt er mit einem Seitenhieb auf VW, weil der Eos später als angekündigt zu den Händlern kam. Er ließ sich nicht ebenso wenig davon beirren, dass es im November für ein Cabrio schon zu kalt sein könnte. Denn erstens ist der Focus ja auch ein Coupé, und zweitens gehört neben der Klimaanlage auch die Sitzheizung zur Serienausstattung. Ansonsten hält es Stackmann wie die Rosenzüchter: "Die kümmern sich im Herbst um ihre Pflanzen, damit sie im Frühjahr in schönster Blüte stehen."