Ford Focus: Ganz der Alte - DER SPIEGEL
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Ford Focus Ganz der Alte

Nirgends ist der Auto-Wettbewerb in Europa so hart wie in der Kompaktklasse: Rund 50 Modelle buhlen um die Gunst von fünf Millionen Kunden. Der Ford Focus liegt bisher auf dem dritten Rang. Um den zu sichern, wurde der Bestseller jetzt aufgehübscht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der europäischen Kompaktklasse geht es hoch her: Vor allem die Importeure drängen mit aller Macht in dieses Segment und machen den Platzhirschen aus Wolfsburg, Rüsselsheim und Köln das Leben immer schwerer. Noch hat Ford ganz gute Karten. Bislang wurden in Europa mehr als fünf Millionen Exemplare des Modells Focus verkauft, und in Deutschland wird der Bestseller der Kölner mit etwa 55.000 Zulassungen seinen Platz auf dem Podium auch in diesem Jahr verteidigen. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Peugeot 308, Fiat Bravo, demnächst der neue Renault Mégane sowie Hyundai i30 und Kia Cee’d machen den deutschen Dauerbrennern das Revier streitig.

Deshalb gönnt Ford dem Focus ein Redesign, das den Wagen gegen die erstarkten Wettbewerber wappnen soll. Ab dem 23. Februar gibt es den frischen Focus. "Trotz besserer Ausstattung beginnt die Preisliste weiterhin bei exakt 15.000 Euro", sagt Jürgen Stackmann, der bei Ford Marketing und Verkauf leitet. Einige Varianten würden aufgrund der besseren Ausstattung gar um mehrere hundert Euro billiger, so der Manager.

Anders als bei Opel, wo die Astra-Auffrischung optisch kaum zu erkennen ist, sieht man dem Focus das Redesign auf den ersten Blick an. Viel gründlicher, als sonst bei einem Facelift üblich, durften die Designer zu Werke gehen: Der Kühlergrill trägt nun eine breite Chromspange, unter dem Stoßfänger zitiert ein riesiges Kühlermaul das Mittelklasseauto Mondeo, die Scheinwerfer (auf Wunsch Xenon- und Kurvenlicht) wurden neu geformt und ebenso die Motorhaube. An der Flanke werden die Radläufe stärker betont, es gibt eine neue Sicke in der Seitenansicht und am Heck wurden Kofferraumklappe, Rückleuchten (mit optionalen LED-Einsätzen) und Schürze frisch gestaltet.

In der Mittelkonsole gibt's eine richtige Steckdose

Auch Innen haben die Kölner einiges verändert: Die Materialauswahl ist nun etwas hochwertiger, die Instrumente wurden überarbeitet und schimmern nachts in einem warmen Rotlicht, Musik- und Klimaanlage sind jetzt einfacher zu bedienen, und zwischen den Sitzen gibt es – in der Basisversion allerdings nur gegen Aufpreis – eine neue Mittelkonsole. Sie bietet nicht nur eine ausziehbare Armauflage und ein vier Liter großes Staufach, sondern auch einen USB-Anschluss und als praktische Premiere eine 230-Volt-Steckdose.

Technisches Highlight ist das neue Powershift-Getriebe, mit dem Ford der Wolfsburger Idee der Doppelkupplung folgt. Wie bei VW sind die sechs Gänge auf zwei Getriebeeinheiten verteilt, zwischen denen die Kupplung hin- und herschaltet. Der Vorteil: man spürt nahezu keine Zugkraftunterbrechung mehr. Diese Gangwechsel können auch automatisch erledigt werden und haben dann einen weiteren Pluspunkt: Gegenüber einer Automatik gehen Verbrauch und CO2-Ausstoß um zehn Prozent zurück, verspricht Ford. Jedoch bleiben die Kölner eine Probefahrt schuldig: Denn ebenso wie der sportliche Focus ST gibt es das neue Getriebe erst im späteren Frühjahr 2008.

Das sparsamste Modell erhält den Beinamen Econetic

Aber nicht nur bei den Getrieben eifern die Kölner dem VW Golf nach: Ford reagiert auch auf die Blue-Motion-Modelle der Wolfsburger und führt eine eigene Umwelt-Linie ein. Sie heißt Econetic und gibt ihren Einstand mit einem Focus, dessen 109 PS starker und mit einem Rußpartikelfilter bestückter Dieselmotor nur noch 4,3 Liter verbraucht und auf einen CO2-Ausstoß von 115 g/km kommt. Möglich macht das der geringere Luftwiderstand durch neue Anbauteile und eine reduzierte Bodenfreiheit. Außerdem gibt es eine sparsamere Servopumpe für die Lenkung, eine neue Motorsteuerung und ein spezielles Leichtlauföl. Weil einige dieser Details für die anderen Focus-Modelle übernommen werden, bleiben auch alle anderen Versionen des 1,6-Liter-Diesels unter 120 Gramm CO2 je Kilometer.

Sonst allerdings halten sich die Techniker zurück: Die sechs Benziner und drei Dieselaggregate mit einer Leistungsspanne von 80 bis 225 PS und der Option auf Erdgas und Ethanol sind alle sattsam bekannt und nur im Detail überarbeitet. Immerhin: Die Selbstzünder sind leiser und komfortabler geworden, heißt es. Zudem wurde das so genannte Easy-Fuel-System aus dem Ford Mondeo übernommen, das Folgenschwere Verwechslungen an der Zapfsäule ausschließt. Während man über den Mangel an Innovationen unter der Haube durchaus klagen kann, gilt den Fahrdynamikern für ihre Untätigkeit ein Lob. Vor allem auf kurvigen Landstraßen ist der neue Focus ganz der alte – und der wurde nicht umsonst als agilstes Auto der Klasse gerühmt.