Ford Ranger Über Schnee, Stock und Stein
Das Pick-up-Segment ist die kleinste Fahrzeugsparte in Deutschland - gerade mal 0,3 Prozent der rund 47 Millionen zugelassenen Fahrzeuge gehören dazu. Im vergangenen Jahr wurden 11.535 Pick-ups hierzulande neu zugelassen. Für die Hersteller solcher Fahrzeuge ein Grund zum Jubeln, bedeutete dies doch eine Steigerung von 20 Prozent. Woher der Zuwachs kommt? Neben der klassischen Pick-up-Zielgruppe der Gewerbetreibenden stehen mehr und mehr auch die Privatpersonen mit transportintensiven Freizeitaktivitäten im Fokus der Hersteller.
Offensichtlich möchte Ford seinen Anteil in dieser Zielgruppe ausbauen, denn die Kölner schicken jetzt ein "Pick-up mit Pkw-Qualitäten" auf die Straße, wie es in der Pressemappe heißt. Und für Privatpersonen darf es auch gern ein außergewöhnliches Auto sein. "Die einfachste Form der Differenzierung ist Ranger fahren", sagt deshalb der Verkaufs und Marketing Geschäftsführer Jürgen Stackmann und hat als Kunden Menschen im Visier, die zum Beispiel Pferde- oder Bootsbesitzer sind. Allerdings ist ausgerechnet die zum Transport eines Bootes nötige Anhängerkupplung nur als Sonderausstattung erhältlich und kostet 580 Euro extra.
In Deutschland wird der Ranger mit drei Kabinenvarianten zu Preisen von 23.741 bis 33.737 Euro angeboten. Die Einzelkabine (Regular Cab) bietet zwei Türen und zwei Plätze und dürfte zum größten Teil von gewerblichen Nutzern gekauft werden. Für den privaten Einsatz eignet sich die 2+2-sitzige Extrakabine (Super Cab) wesentlich besser. Pfiffig sind die Doppelflügeltüren mit integrierter B-Säule, über die man auf die hinteren Sitzplätze gelangt. Gänzlich alltagstauglich ist die geräumige Doppelkabine (Double Cab) mit vier Türen und fünf Sitzplätzen.
Enge Verwandtschaft mit dem Mazda BT-50
Auch wenn sich die Front des Ranger von der des Zwillingsbruders Mazda BT-50 leicht unterscheidet, sieht man den beiden Pick-ups die Verwandtschaft an. Auffällig ist der große Kühlergrill des Ranger mit den zwei Streben, zwischen denen demonstrativ das Ford-Emblem prangt. Der robuste Eindruck wird durch die Kotflügelverbreiterungen noch verstärkt, die separat auszutauschen sind, sollte man mit seinem Gefährt mal irgendwo anecken. Durch eine höhere Ladekante wurde das Ladevolumen im Vergleich zum Vorgängermodell um 170 Liter auf 1266 Liter erhöht, und die Nutzlast beträgt 1235 kg.
Der Innenraum macht einen soliden Eindruck. Auch bei Fahrten im Gelände stört kein Klappern die Konzentration, und das Cockpit ist übersichtlich gestaltet. Das ist auch nicht verwunderlich, denn auf übermäßigen Komfort und zahlreiche Helferlein muss beim Ranger verzichtet werden. Praktisch für Offroad-Einsätze ist die in der Ausstattungsvariante XLT-Limited angebotene Multi-Meter-Anzeige. Hier zeigt ein Kompass dem Geländegänger die Richtung an, und anhand des Steigungs- und Neigungswinkelmessers lässt sich erkennen, ob man den Ranger bereits im Grenzbereich fährt.
Für die große Show gibt es die XLT-Ausstattung
Zur Serienausstattung zählen zum Beispiel elektrische Fensterheber, ein höhenverstellbares Lenkrad und ein MP3-fähiges Audiosystem. In den höheren Ausstattungsvarianten XLT und XLT-Limited beinhaltet das Audiosystem einen Sechsfach-CD-Wechseler. Zur Topausstattung XLT-Limited zählen außerdem optische Accessoires wie ein hochglanzpolierter Chrombügel auf der Ladepritsche, verchromte Seitenschweller, eine Klimaanlage und die durchaus praktische Laderaumschutzwanne. In allen Varianten gehört ABS zur Grundausstattung, ebenso Frontairbags - ESP allerdings gibt es nicht. "Das ESP ist in der Entwicklung, aber es ist fraglich, ob es im Ranger zum Einsatz kommt", sagt Robert Josifek, Leiter für Verkauf und Produktmarketing Nutzfahrzeuge, "da die Fahrer dies scheinbar gar nicht brauchen."
Angetrieben wird der 5,1 Meter lange Ranger von einem 2,5 Liter Vierzylinder-Turbodiesel mit variabler Turbinengeometrie, der nach Abgasnorm Euro 4 eingestuft ist. Der 143 PS starke Motor liefert ein maximales Drehmoment von 330 Nm schon bei 1800 Umdrehungen. Das macht auch eine Fahrt auf der Landstrasse entspannt und liefert bei Bedarf den nötigen Durchzug. Bei deutlicher Leistungssteigerung im Vergleich zum Vorgängermodell konnte der Kraftstoffverbrauch gesenkt werden. So verlangt der Pick-up im Schnitt nach 8,5 Liter Diesel. Leider wird der Ranger bisher ohne Rußpartikelfilter angeboten, doch der ist laut Ford in Vorbereitung.
Auf der Autobahn und im Stadtverkehr lässt sich der Ranger flott bewegen, allerdings merkt man dem Fahrwerk an, dass es mehr Druck von oben möchte. Besonders durch die antiquierte Blattfederung der Hinterachse werden Unebenheiten der Fahrbahn direkt an die Insassen vermittelt. Im Gelände fühlt man sich mit dem Ranger jedoch wohl. Dank zuschaltbarem Allradantrieb und Geländeuntersetzung lassen sich auch steile Passagen auf schwierigem Untergrund gut meistern. Allerdings sollte dabei die Ladung auf der Pritsche gut gesichert sein.