Golf GTI-Jubiläum: Halbstarker Renner - DER SPIEGEL
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Golf GTI-Jubiläum Halbstarker Renner

Der Wagen traf den Publikumsgeschmack. 110 PS im Alltagsgewand, 182 km/h schnell. Das waren die Eckwerte des ersten VW Golf GTI, der vor 25 Jahren zum ersten Mal vom Band lief. Zum Jubiläum blickt SPIEGEL ONLINE zurück.
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Wahrscheinlich hätte ein Auto wie der Ur-GTI heute keine Chance. Nicht, weil VW den Wagen am Anfang lediglich in den Farben "marsrot" oder "diamantsilber" anbot, sondern weil der Sport-Golf im Grunde das Produkt einer kleinen Rebellion war. Der damalige Versuchsingenieur Herbert Schuster nämlich hatte das Auto ohne Auftrag von der Geschäftsleitung mit den besten Serienteilen aus dem Konzern nach seinem eigenen Geschmack zusammengebaut. Da stand nun das "heimliche" Fahrzeug. Erst im Nachhinein, so jedenfalls wird es unter den GTI-Fans kolportiert, wurde der offizielle Entwicklungsauftrag EA 195, Betreff: Sport Golf, formuliert.

Der Vierzylindermotor von Audi wurde auf 1,6 Liter Hubraum aufgebohrt, Zylinderkopf und Einspritzanlage wurden modifiziert und prompt leistete die Maschine 110 PS. Das reichte dicke, um die damaligen Konkurrenten von Opel, Ford und BMW von der linken Autobahnspur zu blinken, denn Tempo 180 km/h war Mitte der Siebziger eine noch keineswegs übliche Höchstgeschwindigkeit. Vom Verkaufsstart im Herbst 1976 bis zum Jahresende wurden 6067 GTI-Exemplare ausgeliefert. Damit hatte kaum einer in Wolfsburg gerechnet, denn der Sport-Golf war für 13.850 Mark nicht gerade ein Sonderangebot.

Die Verantwortlichen bei VW hatten mit maximal 5000 Fahrzeugen gerechnet und verpackten schließlich ihren Pessimismus als Werbebotschaft: "Der Golf GTI verkauft sich schneller, als wir ihn bauen können", lautete der Slogan.

Das Auto eröffnete eine völlig neue Klasse: Die der Sportwagen im Alltagsgewand. Denn optisch unterschied sich der zweitürige Sportler kaum von seinen Baureihen-Geschwistern. Ein wenig mattschwarzer Lack, eine rote Einfassung des Kühlergrills, GTI-Emblem am Heck, sportliche Sitze und das legendäre Dreispeichen-Lenkrad mit dem sogenannten Spucknapf in der Mitte, einer etwa Kaffeetasse-großen Vertiefung.

Der schlicht ausgestattete, kantige Sportwagen traf exakt den Geschmack einer überwiegend jungen Käuferschicht. "GTI" galt bald als Synonym für Sportlichkeit auf vier Rädern - und ebenso als Signet für halbstarke Vollgas-Fanatiker. Der Motor drehte wild fauchend hoch, das Heben des Gasfußes wurde vom Stakkato der Fehlzündungen begleitet. Wo die anderen Golf-Modelle Chrom trugen, war der GTI mattschwarz lackiert und wo dort ein braver schwarzer Kunststoffknauf auf dem Schaltknüppel saß, war es hier eine Kugel im Golfball-Design. Der GTI wurde Kult - wie Punkmusik, die Fohlenelf aus Gladbach oder Piloten-Sonnenbrillen.

Inzwischen wurden mehr als eine Million GTI-Exemplare verkauft. Und zum 25-Jährigen Jubiläum des Renners legt VW nun den bislang stärksten GTI auf: Mit einem 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbomotor unter der Haube. Die Maschine leistet 180 PS (132 kW), macht eine Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h möglich und schluckt nach VW-Angaben im Schnitt 8,4 Liter Benzin je 100 Kilometer. Wie sein Ur-Opa aus dem Jahre 1976 gibt es den Jubiläums-GTI ausschließlich als Zweitürer und in den klassischen Farben "tornadorot", "reflexsilber metallic" und "black magic". Der Preis des GTI-Sondermodells liegt bei 54.909 Mark.