Hispano Suiza: Poesie auf Rädern - DER SPIEGEL
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Hispano Suiza Poesie auf Rädern

"Der rebellische Storch" - so lautet der Slogan der Automobilmarke Hispano Suiza. Als Kühlerfigur trugen die stolzen Karossen tatsächlich einen fliegenden Storch. Die katalanische Firma Mazel möchte den Mythos des Autoklassikers jetzt wiederbeleben.
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Beim Genfer Auto-Salon präsentierte das Unternehmen aus Barcelona eine wuchtige, 4,96 Meter lange und 2 Meter breite Studie einer Luxuslimousine, die zum klangvollen Namen Hispano Suiza das seltsam technische Kürzel K8 trägt. Der Viertürer wird geprägt von einem klotzigen, verchromten Kühlergrill, mächtigen 20-Zoll-Rädern und einer geheimnisvollen, anthrazit schimmernden Lackierung. "Eine Hommage an die klassischen Hispano-Suiza-Modelle aus den zwanziger Jahren", heißt es bei Mazel über das Design des Prototypen.

Der Wagen, der sich in Genf zwischen Renault, Daihatsu und anderen kleinen Autofabrikanten auf einem wenige Quadratmeter großen Messestand behaupten musste, trägt einen der klangvollsten Namen des Gewerbes. Im Jahre 1904 gründeten der spanische Industrielle Damián Mateu und der Schweizer Ingenieur Marc Birkigit die Firma "Hispano-Suiza, Fábrica de Automóviles". Der Storch, damals als Symbol für Modernität bekannt, wurde als Markenzeichen gewählt.

Die Firma baute nach damaliger Auffassung "die besten Autos der Welt": Um die Technik des Ingenieurs Birkigit schneiderten verschiedene Karosseriebauer exquisite und stets beeindruckend große Blechgewänder. Den Ruhm der Marke begründeten vor allem zahlreiche Rennerfolge sowie die Flugzeugmotoren aus den Fabriken des Unternehmens. 1936 jedoch war es mit der Herrlichkeit vorbei - der Spanische Bürgerkrieg setzte der Fahrzeugproduktion ein Ende.

Nach Jahrzehnten der Abwesenheit vom internationalen Automobilmarkt wird nun an der Renaissance der Luxusmarke gearbeitet. Vor einem Jahr rollte Hispano Suiza den Konzeptwagen HS21 zum Genfer Salon. Das Auto, wie die neue Studie am überproportional großen Kühlergrill, riesigen Rädern und dunkel-samtener Farbgebung erkennbar, sah aus wie ein Zwillingsbruder der Supersportwagenstudien von Bugatti.

Der aktuelle K8 versucht, an die Tradition der Luxuslimousinen des Hauses anzuknüpfen. Motorisiert ist das Auto mit einem 4,2-Liter-V8-Treibwerk, das nach Angaben des Konstruktionsbüros 360 PS (266 kW) leistet. Die Kraftübertragung geschieht mittels eines Sechsgang-Schaltgetriebes. Weitere technische Einzelheiten behalten die Ingenieure vorerst für sich. Das Innenraumdesign des Fahrzeugs ist, soweit dies durch die Scheiben erkennbar war - die Türen der Studie ließen sich in Genf nicht öffnen - sehr schlicht und zugleich hemmungslos edel. Die Armaturentafel ist gestaltet wie eine futuristische Skulptur, es gibt lediglich drei Rundinstrumente im Cockpit und einen einzigen, zentral angeordneten Regler für diverse Komforteinrichtungen.

Ob der Wagen jemals gebaut wird, ist völlig unklar. Möglicherweise besteht die Chance einer wirklichen Revitalisierung der Marke, wenn ein Autofan und ein Mäzen in Personalunion auf die Firma und ihre Tradition aufmerksam werden. Oder hätte vor 15 Jahren jemand ernsthaft an die Wiederkehr von Bugatti oder Maybach geglaubt?