Honda Civic: Vernunft in der achten Generation - DER SPIEGEL
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Honda Civic Vernunft in der achten Generation

Im Falle des Honda Civic wurde der Mut belohnt. Der Kompaktwagen mit dem eigenwilligen Design verkauft sich besser als das eher konventionelle Vorgängermodell. Damit das so bleibt, überarbeitete Honda jetzt das Auto. Wichtigste Neuerung: Der Basismotor wird stärker.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Nachhinein fallen solche Geständnisse leicht. "Als wir den neuen Civic damals zum ersten Mal sahen, waren wir schon ein wenig verunsichert", erinnert sich Honda-Sprecher Alexander Heintzel an den Modellwechsel vor drei Jahren. Die damals zur Ablösung stehende siebte Generation war optisch derart langweilig, dass es kaum fader ging. Doch Nummer acht trat außen wie innen so modern auf, dass mancher bei Honda ein Akzeptanzproblem befürchtete. Drei Jahre später sind alle schlauer. "Die Sorgen waren unbegründet", sagt Heintzel mit Blick auf die Absatzzahlen. Der neue Civic verkauft sich deutlich besser als der alte. Von dem wurden binnen sieben Jahren in Deutschland rund 50.000 Exemplare abgesetzt, das aktuelle Modell kommt bereits jetzt auf knapp 40.000 Auslieferungen.

Damit das so bleibt, wird der Japan-Golf zum Jahreswechsel dezent überarbeitet. "Am Design ändert sich kaum etwas", sagt Heintzel. Warum auch, fragt er, wenn die Kundschaft gerade das Styling als einen der zentralen Kaufgründe nennt? Also gibt es für Drei- und Fünftürer nur ein paar Retuschen an den Rückleuchten, einige silbern schimmernde Applikationen rund ums Lenkrad und eine modifizierte Frontmaske.

Der dreitürige S-Type trägt künftig das Gesicht des Sportmodells R-Type, und bei der fünftürigen Variante mussten die Ingenieure das durchgehende Band aus Plexiglas zwischen den Scheinwerfern unterbrechen, um mehr Luft unter die Haube zu bekommen. Deutliche Unterschiede dagegen finden sich in der Preisliste. Der Fünftürer kostet künftig mindestens 16.790 Euro, den besser ausgestatte Dreitürer gibt es erst ab 19.290 Euro.

Gewaltiges Raumangebot in der Kompaktklasse

Neben dem futuristischen Design und der betonten Keilform spricht für den Civic vor allem das gewaltige Raumangebot. Obwohl mit VW Golf und Renault Mégane in den letzten Monaten neue Konkurrenten auf den Plan getreten sind, bleibt Hondas Fünftürer das Raumwunder in der Kompaktklasse. Das Ladevolumen von 456 Litern ist nach wie vor unerreicht, mit umgeklappter Rückbank fasst der japanische Golf-Gegner erstaunliche 1352 Liter, und bei keinem anderen Auto in dieser Klasse kann man die hinteren Sitzkissen wie im Kino nach oben klappen, um dann in der zweiten Reihe sperrige Gegenstände zu stapeln. Allerdings hat auch kein anderes Auto ein derart wild gestaltetes Cockpit, das an ein Computerspiel erinnert und mit Schaltanzeige und Reifendruckkontrolle jetzt noch voller wird.

Doch glaubt man Honda-Sprecher Heintzel, stört das die Kunden nicht. Viel eher haderten die bislang offenbar mit dem Motorenangebot. Weil der 1,4-Liter-Einstiegsmotor mit 83 PS zu schwachbrüstig war, griffen die Käufer meist zum 1,8-Liter-Benziner oder zum 2,2-Liter-Diesel – beide Maschinen leisten üppige 140 PS. Natürlich wird sich darüber kein Händler beschweren, denn die stärkeren Autos brachten natürlich auch mehr Geld in die Kasse. Doch in die Zeit passen solche Motoren nicht. Deshalb bekommt der fast schon futuristisch anmutende Civic jetzt mehr Bodenhaftung, also einen überarbeiteten Basismotor, der in beiden Karosserievarianten angeboten wird.

Der Einstiegsmotor leistet nun 100 PS

Dafür haben die Entwickler die Leistung des 1,4-Liter-Vierzylinders um 17 auf nun 100 PS gesteigert und das maximale Drehmoment auf 127 Nm angehoben. Ein Sprinter ist der Civic damit noch immer nicht, schließlich braucht er bis Tempo 100 auch jetzt noch 13 Sekunden, und bei 177 km/h ist Schluss mit dem Vortrieb. Doch flotter als der Vorgänger ist das neue Aggregat allemal, und zwar ohne dass sich der Normverbrauch von 5,9 Litern verändert hätte. Mehr Motor braucht eigentlich keiner. Während sich am bekannten Diesel-Triebwerk nichts ändert, kann der stärkere Benziner ab sofort und gegen einen Aufpreis von 1300 Euro mit konventioneller Automatik bestellt werden; für den 1,4-Liter bleibt es bei der Option auf ein automatisiertes Sechsganggetriebe.

Automatik ist auch das Zauberwort, mit dem Honda den lahmenden Absatz des neuen Mittelklassemodells Accord ankurbeln will. Obwohl Limousine und Kombi im Sommer mit großen Ambitionen gestartet sind, dümpeln sie im Keller der Zulassungsstatistik. Das liegt einerseits am Heimvorteil von Audi, BMW und Mercedes, andererseits auch am stagnierenden Privatkundengeschäft in dieser Klasse. Und um Flottenkunden zu überzeugen, fehlte dem Accord bislang die Kombination aus Diesel und Automatik. Das ändert sich jetzt. Denn das Modell mit dem 2,2-Liter-Dieselmotor, der 150 PS leistet und 350 Nm mobilisiert, gibt es jetzt auch im Doppelpack mit der bislang nur für den Benziner erhältlichen Fünfgang-Automatik. 1900 Euro Aufpreis verlangt Honda für den Vorzug, dass künftig auch Accord-Diesel-Fahrer nie mehr kuppeln müssen.