Honda FR-V Die Beziehungskiste
"Dieses Auto belebt die zwischenmenschlichen Beziehungen", sagt Honda-Sprecher Alexander Heintzel, "denn es fördert das Gesprächsklima unter den Insassen." Ungewöhnliche Töne für einen Automann, denn eigentlich schlägt die Branche, zumal wenn es ein neues Modell anzupreisen gilt, gerne markige Töne an und strapaziert Vokabeln wie Premium oder Fahrleistung. Das ist beim Honda FR-V ein wenig anders. Schon das Kürzel weist darauf hin, bedeutet es doch "Flexible Recreational Vehicle", wie Heintzel erläutert.
Was ist denn nun das Besondere an diesem Auto? Ganz einfach dies: Die sechs Einzelsitze sind in zwei Reihen gruppiert, also vorne drei und hinten nochmal drei. Damit es nicht zu eng und ungemütlich wird, lassen sich die mittleren Sitze jeweils weit nach hinten schieben, so dass im Innenraum, würde man ihn von oben betrachten, ein doppeltes V entsteht. So also stellen sich die Japaner die ideale Sitzverteilung für eine angeregte Plauderei vor - jedenfalls wenn einer der Beteiligten nebenbei noch Auto fahren soll. Vorteile bietet die Konfiguration zweifellos für die weit verbreitete Ein-Kind-Familie: Denn nun können Mama, Papa und Kind nebeneinander vorne sitzen und die Klagen von der Rückbank haben ein Ende.
Praktisch am FR-V ist die große Flexibilität der einzelnen Sitzplätze. Die lassen sich nämlich nicht nur wie beschrieben verschieben, sondern die drei hinteren können auch mit jeweils einem Handgriff umgeklappt und versenkt werden, um den Kofferraum zu vergrößern. So wird aus dem Auto tatsächlich ein Mehrzweck-Fahrzeug mit bis zu sechs Sitzen. Die Wandelbarkeit in dieser Form ist neu - das Prinzip jedoch nicht: Bereits vor fünf Jahren stellte Fiat mit dem Modell Multipla einen Sechssitzer mit drei Plätzen in zwei Reihen vor.
| Hersteller: | Honda |
|---|---|
| Typ: | FR-V |
| Karosserie: | Van/Kleinbus/Großraumlimousine |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.668 ccm |
| Leistung PS: | 125 PS |
| Leistung kW: | 92 kW |
| Drehmoment: | 154 Nm |
| Von 0 auf 100: | 12,3 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 182 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 7,5 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 178 g/km |
| Kraftstoff: | Super bleifrei |
| Kofferraum: | 439 Liter |
| umgebaut: | 1.600 Liter |
| Preis: | 20.400 € |
Der neue Honda FR-V orientiert sich in den Abmessungen an diesem Vorbild. Mit 4,28 Meter ist er zwar knapp zwanzig Zentimeter länger, doch da der Multipla breiter und höher ist als der FR-V, ist das Raumgefühl im Innern eher besser. Auch beim Kofferraum liegen die beiden Konkurrenten nahezu gleichauf. Der wesentliche Unterschied zwischen den Autos ist das Design: Während beim Multipla die äußere Form geglättet wurde, das Armaturenbrett jedoch noch die anfängliche Originalität besitzt, versteht sich der FR-V als überaus seriöser Vertreter der Kompaktvan-Klasse. Die Armaturen sind betont sachlich und geradlinig gehalten, das Karosseriedesign wirkt frisch und modern, bewegt sich aber im Rahmen des Vertrauten.
Technisch bietet der Honda FR-V ebenfalls Bewährtes. Zum Verkaufsstart am 15. Januar wird es zwei Vierzylinder-Benzinmotoren geben, ein 1,7-Liter-Aggregat mit 125 PS (92 kW) und eine 2-Liter-Variante mit 150 PS (110 kW). Im Sommer wird das Angebot um einen 2,2-Liter-Dieselmotor mit 140 PS (104 kW) ergänzt. Die beiden größeren Maschinen sind mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert, der kleinere Benziner muss mit fünf Gängen auskommen. Automatik ist nicht im Angebot, obwohl der FR-V in Japan, wo er unter dem Namen Edix schon seit einigen Monaten verkauft wird ausschließlich mit Automatikgetriebe zu haben ist.
Betrüblicher als das Fehlen der Automatik ist jedoch die Tatsache, dass Honda die Modelle mit 1,7-Liter-Motor nicht mit ESP ausliefern kann. Das elektronische Stabilitätsprogramm ist den beiden stärkeren Varianten vorbehalten. Alle Modelle wiederum verfügen über ABS und sechs Airbags, wo bei der Beifahrer-Frontluftsack so groß ist, dass er auch den Passagier auf dem mittleren Vordersitz schützt. Zur Serienausstattung zählen außerdem Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorne und hinten sowie ein Bordcomputer.
Bei ersten Testfahrten waren wir mit den beiden Benzinern unterwegs, und es gab keine Überraschungen: Der kleinere Motor läuft munter und absolut aktzeptabel, tut sich jedoch mit einem etwas voller besetzten Auto schwer, wenn es zügig voran gehen soll. Die 2-Liter-Variante fühlt sich da etwas unaufgeregter und lässiger an - doch auch bei diesem Modell liegt der Schwerpunkt nicht auf sportlichem, sondern auf komfortablem Vorwärstkommen. Das Fahrwerk ist entsprechend abgestimmt, so dass mit dem FR-V ein durchaus gediegenes Reisen möglich ist. Jedenfalls wenn nicht alle Plätze besetzt sind. Denn sechs Insassen mögen das Gesprächsklima kurzfristig beleben, auf Langstrecken jedoch könnte es trotz V-Anordnung zu einigen Reibereien kommen. Aus so etwas können Beziehungskisten entstehen, es könnten aber auch welche zu Bruch gehen.