Hummer H3 Gieriger Geländegänger
Es ist paradox: Je dichter Kritiker den Hummer an den Pranger rücken, desto bereitwilliger zücken Fans die Brieftasche. Die Zulassungszahlen für den Geländegiganten mit den großvolumigen Motoren und dem schier unstillbaren Durst gehen - zumindest in Europa - stetig nach oben. Verkaufte die US-Marke auf dem Kontinent im vergangenen Jahr 900 Fahrzeuge, könnten es in diesem Jahr rund 2500 Zulassungen werden, sagt Dick Braakhekke, Sprecher von Hummer in Europa. Mindestens jedes vierte Hummer-Modell landet in Deutschland, sagt Statthalter Ulrich Mehling - allein 400 Exemplare waren es in den ersten sieben Monaten dieses Jahres.
Möglicherweise zieht die Nachfrage künftig sogar noch weiter an. Denn zum neuen Modelljahr legt Hummer noch einmal nach und bietet vor allem stärkere Motoren. Schließlich ist ein Fünfzylinder mit 3,7 Liter Hubraum und 245 PS nicht unbedingt ein adäquater Antrieb für ein Dickschiff von mehr als zwei Tonnen Leergewicht. Also versucht General Motors gar nicht erst, klein beizugeben. Stattdessen montiert der Konzern unter der Hummer-Haube nun für 2500 Euro Aufschlag auch einen Achtzylindermotor, der aus 5,3 Litern Hubraum 305 PS schöpft und maximal 434 Nm mobilisiert.
Der unten in der Karosserie nur leise grollende Motor wirkt wie ein Blutdrucksenker: Wo man den Fünfzylinder kräftig treiben und immer wieder den richtigen Gang suchen muss, macht der V8 einen souveränen Eindruck. Einfach den Springerstiefel aufs Pedal gepresst, schon kommt die Fuhre in Fahrt. Wer will, kann es beim Ampelstart jetzt sogar mit mancher Mittelklasse-Limousine aufnehmen und in 8,2 Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Spätestens auf der Autobahn folgt allerdings unweigerlich die Blamage: Denn bei 160 km/h ist es mit dem Vortrieb vorbei.
Freudentränen bei den Mineralölmanagern
Der Blick auf den Bordcomputer jedoch treibt zumindest den Mineralölmanagern Freudentränen in die Augen - und Klimaschützern die Zornesröte ins Gesicht. Denn der Hummer mit dem V8-Motor verlangt schon im Normzyklus gierig nach 14,5 Litern und stößt mit 344 Gramm pro Kilometer mehr CO2 aus, als ein Big Mac wiegt - der ist nur 221 Gramm schwer. Doch die Argumentation der Hummer-Verantwortlichen folgt einer anderen Logik: Wer das Auto mit stoischer Gelassenheit fahre, der sei mit acht Zylindern sogar sparsamer unterwegs als mit fünfen, weil er sich seltener am Limit bewege.
Obwohl der Hummer von außen furchteinflößend groß wirkt, fährt sich der Wagen überraschend handlich. Der Wendekreis zum Beispiel liegt deutlich unter dem Durchschnitt europäischer Neuwagen, bei Geländefahrten passt der H3 durch enge Gassen, und im Stadtverkehr machen andere Verkehrsteilnehmer ohnehin bereitwillig Platz. Nur beim Parken würde eine Rückfahrkamera nicht schaden. Denn eine übersichtliche Karosserie sieht anders aus.
Auch der Dreitonner H2 wird stärker motorisiert
Parallel zum neuen Motor für das Modell H3 bringt Hummer auch einen aufgefrischten H2 an den Start. Sechs Jahre nach dem Debüt bekommt der große Bruder neben einem renovierten Innenraum und der Option auf eine dritte Sitzreihe einen neuen V8-Motor mit nun 6,2 Litern Hubraum. Während der Preis auf 68.590 Euro klettert, steigt die Leistung um 20 Prozent auf 393 PS, und das maximale Drehmoment liegt künftig bei 574 Nm. Obwohl der H2 unbeladen fast drei Tonnen wiegt, lässt sich der Riese überraschend leicht bewegen und benötigt nicht einmal acht Sekunden, um auf Tempo 100 zu kommen. Bei 160 km/h ist dann wieder Schluss - und der Normverbrauch liegt bei 15,7 Litern.
Gänzlich ungehört verhallt die Kritik am Klimakiller allerdings nicht. Daher sind die beiden V8-Motoren als FlexPower-Aggregate ausgelegt. Im H2 kann man ab sofort und im H3 dann ab dem neuen Jahr wahlweise auch Bio-Ethanol tanken. Und selbst ein Dieselantrieb ist kein Tabu mehr. Ende nächsten Jahres soll es für den H3 einen 170 PS starken Selbstzünder geben, mit dem der Verbrauch auf 10,7 Liter sinkt.
Hummer-Zukunft: "Hybridantrieb denkbar"
Auch für die weitere Zukunft hat Hummer große Pläne, die über den H3-Pick-up, der beim Autosalon in Paris gezeigt wird, hinausgehen. "Der Hybridantrieb aus dem Cadillac Escalade wäre auch im H2 denkbar", skizziert Sprecher Manfred Daun eine Möglichkeit, die Dinosaurier doch noch aus dem Kreuzfeuer der Kritiker zu fahren. "Auch die im Januar gezeigte Studie HX hat durchaus Chancen." Sollte dieses deutlich kompaktere Einstiegsmodell realisiert werden, könnte die GM-Tochter die Schadstoffbilanz und wohl auch die Zulassungszahlen polieren, ohne dabei die Ideale zu verraten.
Ungewiss jedoch ist das große Ganze: Hat die Marke Hummer überhaupt eine Zukunft? Konzernmutter General Motors ist offenbar skeptisch. "Wie die künftige Strategie aussehen soll, ist noch nicht entschieden", sagt Deutschlandchef Ulrich Mehling. "Es wird über eine Neuausrichtung der Modellpalette ebenso diskutiert wie über einen Verkauf der Marke mit und ohne Werk oder nur über eine Weitergabe der Lizenzen." Denkbar sei Vieles, entschieden noch Nichts. "Was man dazu bislang lesen konnte, war reine Spekulation."