Hyundai Grandeur Beckenbauers Shuttle
Hyundai zeigt weiter Flagge im Oberhaus. Zwar wissen auch die Koreaner von der Übermacht der deutschen Platzhirsche, und das nicht erst seit der wenig ruhmreichen Karriere des XG 350. Doch weil Hyundai eher mittel- als langfristig zu den Top Fünf in der weltweiten Hitliste der Automobilhersteller aufschließen möchte, kann sich die Marke auf Dauer nicht auf Klein- und Geländewagen beschränken.
So ziehen sich die Koreaner mit dem Ende ihrer aktuellen Limousine nicht in aller Stille aus der Oberklasse zurück, sondern nehmen vielmehr mit einem völlig neuen Auto zum nächsten Mal Anlauf: Am 17. Oktober stellen sie als künftiges Flaggschiff und designiertes VIP-Shuttle bei der Fußball-Weltmeisterschaft den Grandeur zum Händler. Und zielen damit auf all jene automobilen Genießer, denen Luxus wichtiger ist als Status. Der Preis für den feudal ausgestatteten Sechszylinder beginnt bei 36.450 Euro und liegt damit auf einem Niveau, das bei den deutschen Wettbewerbern allenfalls für einen spartanisch bestückten Vierzylinder reicht.
Zwar wird in Stuttgart oder München deshalb trotzdem niemand die Stirn in Falten legen müssen. Und selbst Importeure wie Peugeot, Renault oder Saab brauchen nicht um ihre wenigen Zulassungen am unteren Ende der Oberklasse zu bangen. Doch ihren Weg könnte die koreanische Antwort auf den 5er BMW trotz allem machen. Denn rein objektiv ist an der auf mittlerweile 4,90 Meter gestreckten Limousine nur wenig auszusetzen.
Das Design ist eine geschickte Symbiose der gängigsten Trends: Eine augenscheinlich vom VW Phaeton inspirierte Front ohne große Schnörkel wird vereint mit einem Heck, dessen aufgesetzter Kofferraumdeckel auch auf dem 7er BMW oder der Mercedes S-Klasse Platz finden würde. Nur das durchgehende rote Band der Rücklichter und die dahinter montierten LED-Leuchten geben dem Wagen eine eigene Note. Die Seitenansicht mit ihrer klar definierten Lichtkante auf Höhe der verchromten Türgriffe, den vielen glänzenden Zier- und Stoßleisten und den serienmäßigen Alufelgen dagegen ist nicht gerade angetan, den Grandeur von einem anderen Mittelklässler zu unterscheiden.
Während der Grandeur daher außen im besten Sinne unauffällig bleibt, punkten die Koreaner innen mit einem ausgesprochen großzügigen und vornehmen Ambiente. Das Platzangebot ist vorn wie hinten mehr als ausreichend, die Sitze sind bequem, das Holzlenkrad liegt gut in der Hand, und alle Schalter sind griffgünstig platziert. Das großzügig über alle Sitzmöbel, Konsolen und Vertäfelungen gespannte Leder ist akkurat verarbeitet, und auch die Holzapplikationen erkennt man nicht mehr auf Anhieb als Vinyl-Esche.
Angeboten wird der Grandeur zunächst mit dem bekannten V6-Motor aus dem Sonata. Der 3,3-Liter-Block aus Leichtmetall leistet 173 kW/235 PS und kommt auf maximal 304 Newtonmeter. Damit beschleunigt der Sechszylinder die 1,7 Tonnen schwere Limousine binnen 7,8 Sekunden auf Tempo 100. Weil die fünfstufige Automatik seidenweich schaltet und dicke Dämmmatten unter dem Blech die meisten Fahrgeräusche schlucken, muss man den Motor schon gehörig treten, damit man ihn überhaupt wahrnimmt. Einen beherzten Tritt aufs Gaspedal erfordert aber auch die Fahrt auf der Überholspur. Denn während dort mittlerweile fast jede Mittelklasselimousine erst bei 250 km/h abgeregelt wird, muss Hyundai die Konkurrenz bei 237 km/h ziehen lassen.
Dafür jedoch erweist sich der Motor als äußerst genügsam. Wenn man dem Datenblatt Glauben schenkt, dann ist der Sechszylinder im außerstädtischen Modus bereits mit 7,2 Litern zufrieden. Für den Normzyklus gibt Hyundai den Verbrauch mit 10,2 Litern an. Und während die Leistungsträger aus München oder Stuttgart das teure Super Plus verlangen, genügt dem Koreaner günstiges Normalbenzin. Wer noch preiswerter tanken möchte, der muss sich noch ein halbes Jahr in Geduld üben. Dann wird es den Grandeur auch mit einem Common-Rail-Diesel geben. Der Vierzylinder hat 2,2 Liter Hubraum, wird etwa 110 kW/150 PS leisten und über einen serienmäßigen Partikelfilter verfügen.
| Hersteller: | Hyundai |
|---|---|
| Typ: | Grandeur |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | V6-Benziner |
| Hubraum: | 3.342 ccm |
| Leistung PS: | 235 PS |
| Leistung kW: | 173 kW |
| Drehmoment: | 304 Nm |
| Von 0 auf 100: | 7,8 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 237 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 10,2 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 242 g/km |
| Kraftstoff: | Normalbenzin |
| Kofferraum: | 523 Liter |
| Versicherung (HP): | 20 € |
| Versicherung (TK): | 23 € |
| Versicherung (VK): | 28 € |
| Preis: | 36.450 € |
Was den Koreanern an Status fehlen mag, das kompensieren sie mit einer derart umfangreichen Serienausstattung, dass auf der Optionsliste nur noch zwei Extras stehen: ein Schiebedach und der Metallic-Lack. So gibt es für das gute Gefühl der Sicherheit nicht nur eine Karosserie, für deren Entwicklung 300 Prototypen an die Wand gefahren wurden, sondern auch ein ESP, aktive Kopfstützen und acht Airbags.
Erstmals bei Hyundai sind darunter nun auch eigene Seitenairbags in der Rückbank. Für angenehme Temperaturen stehen eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und die Sitzheizung, den guten Ton macht ein CD-Radio mit sechs Lautsprechern, den rechten Weg weist ein serienmäßiges Navigationssystem. Und damit niemand durch zu viel Handarbeit ermüdet, werden Sitze, Spiegel, Fenster, Türschlösser und das Lenkrad mit Elektromotoren in Position gerückt. Selbst das Sonnenrollo an der Heckscheibe surrt auf Knopfdruck ins Blickfeld.
Zwar macht Hyundai mit diesem üppigen Paket ein verlockendes Angebot. Doch weiß auch der deutsche Geschäftsführer Karl-Heinz Engels, dass in diesem Segment vor allem der richtige Name zählt. Deshalb klingt Engels wie ein nüchterner Realist, wenn er freimütig zugibt, "dass sich der Grandeur im Straßenbild wohl nicht allzu oft sehen lassen wird". Dennoch ist das Top-Modell für ihn ein wichtiges Auto. "Denn die Zulassungszahlen sind nicht alles", sagt der Geschäftsführer. "Vielmehr können wir damit unseren Kunden, unseren Händlern und uns selbst signalisieren, dass wir uns im Stil, im Design, der Anmutung und der Qualität mit den Besten messen können."
Außerdem gebe es immer mehr "Kunden, die zwar genießen wollen, aber nicht den großen Auftritt brauchen", ergänzt Produktmanager Michael Antisch. Diese Leute brauchen keine Bestätigung von außen, sondern können sich auch ohne das Lob des Nachbarn an ihrer Entscheidung erfreuen, so der Tenor der Entscheidungsträger. In Deutschland werde das nach Engels Einschätzung in einem vollen Jahr trotzdem nur für 500 bis 700 Zulassungen reichen. In den USA sind dagegen im letzten Jahr über 80.000 Exemplare des Vorgängers XG 350 verkauft worden.
Hierzulande machen sich die Koreaner aber auch selbst das Leben schwer. Die größte Konkurrenz für die Business-Limousine zum Economy-Tarif kommt nicht von anderen Preisbrechern wie Skoda, Chevrolet oder der Konzernschwester Kia, sondern aus den eigenen Reihen. Schließlich hat der Sonata V6 den gleichen Motor, eine ähnlich komplette Ausstattung und ist nur zehn Zentimeter kürzer - kostet aber runde 7000 Euro weniger.
Hyundai wird mit dem Grandeur nicht nur die verwöhnten Smart-Shopper und die klassenlosen Genießer erreichen. Zumindest ein Teil der Luxusliner mit dem biederen Image wird im nächsten Jahr auch von Persönlichkeiten gefahren, für die sonst Autos mit Sternen, Ringen oder Nieren gerade gut genug sind. Denn als offizieller Fifa-Sponsor stellen die Koreaner im nächsten Jahr den Fuhrpark für die Fußball-Weltmeisterschaft - die Herren Beckenbauer, Blatter und Co. können sich in den nächsten Wochen schon einmal mit ihren künftig VIP-Shuttles vertraut machen.