Hyundai i30 Unscheinbarer Revoluzzer
Ein paar Superlative müssen schon sein. "Der neue i30 ist das wichtigste Modell, das Hyundai jemals in Deutschland eingeführt hat", sagt Karl-Heinz Engels, Geschäftsführer der koreanischen Marke in Deutschland. Vor allem deshalb, weil er für Wachstum sorgen soll. Engels weiter: "Wer im berühmt-berüchtigten Golf-Segment nicht dabei ist, der hat das Automobilgeschäft im Volumenmarkt nicht verstanden." Nun also ist auch Hyundai so richtig dabei in der Golf- oder Kompaktklasse, mit einem Auto, das noch in diesem Jahr 7500 Mal verkauft werden soll in Deutschland.
Die koreanische Marke braucht dringend einen Bestseller, denn im ersten Halbjahr 2007 wurden erst 22.800 Fahrzeuge hierzulande abgesetzt. Gemessen am Ziel, im Gesamtjahr mindestens 50.000 Modelle in Deutschland zu verkaufen (im vergangenen Jahr waren es rund 53.000) , ist das nicht einmal die halbe Miete. "Der i30 muss uns helfen", sagt Engels, "unser erklärtes Jahresziel zu erreichen."
Die Voraussetzungen hat der Wagen allemal. Optisch wirkt der i30 stimmig, wohlproportioniert und durchaus eigenständig. Auch im Innenraum fühlt man sich auf Anhieb gut aufgehoben, die Materialien hinterlassen einen anständigen Eindruck und das ganze Ambiente wirkt durchdacht und ausgereift. Allerdings reiht sich der Wagen damit brav in die Riege der kompakten Konkurrenz ein, was ja nichts Schlechtes ist, aber eben auch nichts Besonderes. Was dem i30 fehlt, ist eine kleine optische Eigenheit, ein überraschendes Detail, eine hübsche Idee, die so nicht jeder Golf-Astra-Mégane-Cee'd-etcetera hat.
Keine Schwächen, aber auch keine Aha-Erlebnisse
Der runde, stimmige Gesamteindruck, den das Auto trotz dieses Mankos hinterlässt, wird vor allem auch durch das Fahrgefühl geprägt. Der i30 leistet sich kaum Schwächen, auch nicht in der kleinsten Motorisierung, mit der SPIEGEL ONLINE unterwegs war. Der 1,4-Liter-Benzinmotor mit 109 PS ist ausreichend kräftig, um das etwa 1,3 Tonnen schwere Auto flott zu bewegen. Was allerdings fehlt, ist ein sechster Gang. Auf der Autobahn, wenn bei 4000 Touren und 130 km/h Richtgeschwindigkeit die Geräuschkulisse allmählich aufdringlich wird, würde man gern zum sparsameren und ruhigeren Dahinrauschen noch einmal hochschalten - doch das ist nicht möglich.
Dafür bietet Hyundai allerlei in Sachen Ausstattung und Preis-Leistungs-Verhältnis. Grundsätzlich sind sämtliche Modelle mit Klimaanlage, CD-Radio, USB-Schnittstelle, Bordcomputer und Zentralverriegelung ausgerüstet. Dazu kommen sechs Airbags, ABS und ESP als Standard. Wer mehr erwartet, kann zu einer üppiger bestückten, dann aber auch teureren Variante greifen - insgesamt vier Ausstattungsstufen bietet Hyundai an
Hyundai unterbietet die Konkurrenz um bis zu 3000 Euro
Allerdings lassen sich nicht alle Versionen mit allen Motoren kombinieren. Als Antrieb stehen neben dem bereits erwähnten Einstiegsbenziner noch zwei weitere Ottomotoren mit 122 und 143 PS zur Wahl sowie zwei Commonrail-Turbodiesel mit Rußpartikelfilter und einer Leistung von 116 und 140 PS. Das günstigste Modell kostet 14.990 Euro, der billigste i30 mit Dieselmotor wird ab 17.290 Euro angeboten. Damit verlangen die Koreaner je nach Motorisierung bis zu 3000 Euro weniger, als für vergleichbar ausgestattete Konkurrenzmodelle fällig werden.
Entwickelt und designt wurde der Hyundai i30 im europäischen Entwicklungszentrum der Marke in Rüsselsheim. Gebaut wird er vorerst noch in Korea, doch ab 2009 soll das Auto im tschechischen Werk Novosice vom Band laufen. Bis dahin möchte Hyundai die i30-Familie weiter auffächern. Das fünftürige Modell wird ab 7. September bei den deutschen Händlern stehen, im kommenden Frühjahr soll dann eine Kombiversion (die auf der IAA debütieren wird) nachgeschoben werden. Und auch ein Kompaktvan auf i30-Basis ist in Planung. "Ob es auch ein Cabrio geben wird, ist noch offen", sagt Engels. Ein Dreitürer aber, wie ihn die Schwestermarke Kia (Cee'd) auf der IAA vorstellen wird, ist für Hyundai kein Thema.
Bald gibt es Hyundai-Modelle von i10 bis i50
Die neue Namensgebung übrigens wird sich in den kommenden Monaten zügig durchsetzen. Bereits Anfang 2008 soll der Nachfolger des Minimodells Atos als i10 debütieren; Ende nächsten Jahres dann steht die Ablösung des Kleinwagens Getz durch den i20 an. So geht es dann hinauf bis zum i50, dem künftigen Topmodell der Marke.
Fast überall, wo derzeit ein neues Auto vorgestellt wird, betonen die Hersteller, mit dem Wagen ein ganz neues Qualitätsniveau erreicht zu haben. So argumentiert Renault beim neuen Laguna, Peugeot beim neuen 308 - und das behauptet natürlich auch Hyundai. "Bis 2008 wollen wir weltweiter Qualitätsführer werden", erklärt Engels. Ein hehres Ziel, für das der i30 als Kronzeuge dienen soll. Denn der Wagen, dem man sein revolutionäres Potenzial so gar nicht ansieht, ist der erste Hyundai mit zehn Jahren Garantie gegen Durchrostung.