Infiniti FX 35: Der Nächste bitte - DER SPIEGEL
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Infiniti FX 35 Der Nächste bitte

Toyota hat es mit Lexus vorgemacht, und nun will Nissan folgen: Ab 2008 sollen die Modelle der noblen Schwestermarke Infiniti auch in Europa angeboten werden. Über freie Importeure gibt es Autos wie den sportlich-luxuriösen Geländewagen FX 35 aber schon jetzt.
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Nissan will es wissen. Weil Toyota seine vornehme Tochter Lexus als weltweiten Erfolg feiert und sich zum Beispiel in Deutschland für dieses Jahr ordentliche 5000 Zulassungen vorgenommen hat, möchte der Allianzpartner von Renault diesem Beispiel ab 2008 mit seinem noblen Ableger Infiniti folgen. Die Strategie, die Kernmarke besser nicht zu weit auszudehnen und stattdessen Autos am oberen oder unteren Ende der Modellpalette unter einem eigenen Label zu vermarkten, greift damit weiter um sich.

Die Marke Infiniti wurde nach dem Muster von Lexus 1989 eingeführt, um Nissan in Nordamerika den Weg ins Premium-Segment zu ebnen. Allerdings reichte Infiniti nie an das große Vorbild heran. So weist die US-Statistik der Marktbeobachtungsfirma Jato Dynamics für Lexus im Jahr 2005 knapp 310.000 Zulassungen aus, die edle Honda-Tochter namens Acura kommt auf 210.000 Autos und Infiniti muss sich mit knapp 140.000 begnügen. Allerdings sind das immerhin fast doppelt so viele Zulassungen wie noch vor fünf Jahren.

"Wir haben uns 1999 dazu entschlossen, verstärkt in die Marke Infiniti zu investieren", sagt Carlos Ghosn, der Nissan und Renault vorsteht. "Dies machte Infiniti zu der am schnellsten wachsenden US-Luxus-Marke, deren Produkte weltweit für das Zusammenspiel von Design, Leistung und Luxus bekannt sind. Wir sind nun bereit, diese einzigartige Marke auch den europäischen Kunden anzubieten."

Erst 2008 rollt Infiniti offiziell auf den deutschen Markt

Die brauchen aber noch etwas Geduld. Zunächst versorgte Infiniti Taiwan, den Mittleren Osten und Korea, und noch in diesem Jahr kommt die Marke nach Russland, anschließend nach China und in die Ukraine. Dann aber ist Westeuropa dran. "2008 ist der beste Zeitpunkt, um die Verkaufsgeschäfte von Infiniti in Europa aufzunehmen", erläutert Brian Carolin. "Auf diese Weise starten wir pünktlich zur Einführung der neuen Modell-Generation", sagt der europäische Nissan-Vertriebschef und verspricht bis dahin auch die Dieselmotoren, die Infiniti bislang für ein erfolgreiches Debüt in Europa fehlen.

Doch wer zum freien Importeur geht, muss nicht warten. Das erfolgreichste Modell derzeit ist der Geländewagen FX, dessen Design eine Steilvorlage für den Audi Q7 gewesen sein könnte. Nur dass der Kühlergrill hier viel schnittiger im Wind steht, die Haube flacher bleibt, die Frontscheibe schräger liegt und das Heck mehr nach Coupé aussieht. Und natürlich, dass dem Japaner ein halber Meter und zwei Sitzplätze fehlen.

Angetrieben wird der feine Vetter des Nissan Murano wahlweise von einem 4,5 Liter großen V8-Motor mit 320 PS oder einem kompakten V6, der durchaus europäischen Charakter hat. Er schöpft aus 3,5 Litern Hubraum 280 PS und geht mit den von einer fünfstufigen Automatik fein sortierten 366 Nm ordentlich zu Werke. Zwar gibt es für Deutschland weder eine offizielle Höchstgeschwindigkeit noch einen Sprintwert, doch ist der Allradler subjektiv etwas schneller als der Murano, der mit 234 PS auskommen muss. Er erreicht Tempo 100 nach 9,5 Sekunden und wird bei 200 km/h abgeregelt. Anders als bei vielen US-Modellen ist auch das Fahrwerk ganz in Ordnung. Natürlich könnte der FX 35 etwas strammer abgestimmt sein. Doch weil Inifiniti den Wagen in den USA in eine sportliche Ecke stellt, können Europäer damit gut leben.

Schon jetzt gibt es ein paar Infiniti-Fans hierzulande

Auch wenn es Nissan bislang nicht glauben wollte: Zumindest einen kleinen Bedarf für diese Autos gibt es offensichtlich schon jetzt. Nicht umsonst holt allein der Wuppertaler Importeur USCars24.de, der den FX für Preise ab 48.900 Euro verkauft, in guten Jahren mehre hundert Infiniti ins Land. Ob es für mehr reicht, werden die Zukunft und vor allem die neuen Modelle zeigen. "Die Strategie birgt ein gewisses Risiko", sagt Nick Margetts vom Marktforschungsinstitut Jato Dynamics, "weil man zu Designgeschmack, Marktakzeptanz und Netzwerkstärke durchaus kritische Fragen stellen kann."

Anderseits sei für das Image der Herstellergruppe Renault-Nissan eine Premium-Präsenz in Europa sehr wichtig. Und falls Infiniti, was nach Angaben von Nissan in Brühl noch nicht entschieden ist, tatsächlich über das bestehende Händlernetz der beiden Allianzpartner verkauft werden sollte, "gibt es genügend Möglichkeiten, die Marke standesgemäß unterzubringen", sagt Margetts.

Allerdings dürfe man die Aufgabe nicht unterschätzen: "Infiniti ist in Europa ein völlig unbekannter Name ohne Tradition oder Image." Außerdem werde sich Infiniti einen Kampf gegen die deutschen Premiummarken liefern müssen. "Am Anfang werden die Zahlen deshalb bescheiden sein", prophezeit Margetts. Aber man dürfe den langen Atem der Japaner nicht vergessen. "Es geht nicht darum, Märkte kurzfristig zu erobern. Das Ziel ist, erst Image und Präsenz und dann das Verkaufsvolumen auf Dauer zu steigern."

Lexus hat in den Augen von Margetts mit einer klugen Strategie, viel Geld, Geduld und Durchsetzungswille gezeigt, wie der Weg von Inifiniti aussehen könnte. Doch es gibt auch noch ein Negativbeispiel: Die vornehme Mazda-Tochter Xedos. Die Marke wurde schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt.