Autogramm Infiniti Q70 2.2d: Geschrumpft, um zu wachsen
Autogramm Infiniti Q70 2.2d Im Herzen ein Schwabe
Der erste Eindruck: Bullig und barock. Aber irgendwie sieht der Infiniti Q70 auch wie ein schon etwas abgegriffenes Stück Seife aus. Egal ob schön oder nicht - auf jeden Fall ist das Auto hierzulande nur selten zu sehen und damit eine wohltuende Abwechslung im Einerlei in der deutschen Business-Klasse.
Das sagt der Hersteller: Infiniti-Chef Roland Krüger will mit der edlen Nissan-Tochter in Deutschland nicht nur Flagge zeigen, sondern in Zukunft auch wachsen und Geld verdienen. Deshalb soll die Produktpalette stärker auf die europäischen Anforderungen ausgerichtet werden. Das bedeutet, dass einerseits vor allem die neuen Kompaktmodelle Q30 und QX30 eine wichtige Rolle spielen, andererseits aber auch mehr Motorvarianten für bereits bestehende Baureihen angeboten werden. Wie etwa der neue Dieselmotor von Daimler, der ab sofort im Modell Q70 verfügbar ist. Bei Infiniti rechnet man damit, dass dieser Selbstzünder zum meistverkauften Aggregat in der Baureihe wird.
Das ist uns aufgefallen: Dieses Auto ist eine Oase der Ruhe. Die Sitze sind wolkenweich, der Motor brabbelt in weiter Ferne, die Musik säuselt sogar aus Boxen in den Sitzlehnen und die Klimaanlage verbreitet auf Wunsch den Duft frühlingsfrischer Waldluft.
Der Innenraum des Infiniti ist dabei ganz anders gestaltet als man das von BMW, Audi oder Mercedes kennt: Es gibt keine sauberen Konturen oder glatte Flächen, sondern ein eher organisches, weiches und geschwungenes Cockpit, bei dem sich die Mittelkonsole ähnlich aus dem Armaturenbrett wölbt, wie der Kühlergrill aus dem Bug wabert. Auch hier gilt: Nicht unbedingt schön, ganz sicher aber ungewöhnlich.
Da wölbt sich was aus der Mittelkonsole
Foto: InfinitiWo man im Auto auch hingreift, die große Limousine fühlt sich gut an, und die Oberflächen aus Chrom, Klavierlack und Leder sehen nobel aus. Nur beim Cockpit scheint den Designern entweder die Lust oder das Geld ausgegangen zu sein - denn das Display zwischen den eigenwillig ornamentalen Instrumenten könnte von einem Telespiel aus den Achtzigerjahren stammen.
Die Ausstattung des Q70 ist dagegen auf Höhe der Zeit. Es gibt Assistenzsysteme für Spurführung und -wechsel und für den korrekten Abstand zum Vordermann, sowie eine 360-Grad-Überwachung mit Kameras, die vor bewegten Objekten warnen. LED-Scheinwerfer sind ebenfalls dabei.
Das muss man wissen: Mit dem Q70 2.2d wagt Infiniti eine radikale Schrumpfkur. Die Q70-Baureihe wurde vor fünf Jahren eingeführt, damals hieß sie noch M-Serie - und in der Dieselvariante steckte ein V6 mit 238 PS. In der seit wenigen Wochen erhältlichen überarbeiteten Fassung ist dieses Aggregat durch einen Vierzylinder ausgetauscht worden - mit 170 PS. Das neue Herzstück, eine 2,2-Liter-Maschine, stammt von Kooperationspartner Mercedes, genau wie die dazugehörige Siebenstufen-Automatik.
Weil die Fünf-Meter-Limousine Q70 gut 1,8 Tonnen schwer ist, wirkt sie mit diesem Motor mitunter etwas behäbig. Dafür begnügte sie sich im Test trotz voller Besetzung und schwer beladen mit einem Durchschnittsverbrauch von rund sieben Litern auf hundert Kilometer - und zum gediegenen Dahingleiten auf der Autobahn reicht die Leistung völlig aus.
Durch die Daimler-Kooperation und das gleichzeitige Downsizing von 238 PS auf 170 PS bot sich für Infiniti außerdem ein großer Spielraum für die Preispolitik. Den haben die Japaner genutzt, sie bieten die Dieselvariante des Q70 um 8000 Euro billiger an als den Vorgänger. Jetzt kostet die Limousine 44.500 Euro. Soviel muss man ungefähr auch die Basisversion der Mercedes E-Klasse bezahlen, in der der identische Motor verbaut ist. Aber der Infiniti bietet im Vergleich dazu eine deutlich üppigere Ausstattung.
Neben dem Dieselaggregat gibt es noch zwei andere Motoren, einen V6-Benziner mit 3,7 Litern Hubraum und 320 PS (ab 58.600 Euro) und die Variante mit V6-Hybridantrieb für mindestens 57.300 Euro. Letztere Version tritt mit einer Systemleistung von 364 PS an, der Normverbrauch liegt bei 6,2 Liter.
Das werden wir nicht vergessen: Zwei Bedienfelder in der Tür, drei rings um die Cockpit-Instrumente, zwei auf der Mittelkonsole, eines auf dem Mitteltunnel, dazu noch zwei Leisten am Himmel und dann die Knöpfe, Wippen und Walzen am Lenkrad: Mehr als 80 Schalter, Taster und Drücker haben die Entwickler im Cockpit des Q70 verteilt.
Beim Dieselmotor hat es Infiniti ja schon vorgemacht - als nächstes könnte auch beim Bedienkonzept eine Schrumpfkur nicht schaden.