Jaguar S-Type R: Grollender Aristokrat - DER SPIEGEL
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Jaguar S-Type R Grollender Aristokrat

Den Ansprüchen an eine besonders sportliche Automarke will Jaguar auch nach dem Ende seines Formel-1-Abenteuers genügen. Ein Ergebnis ist der S-Type R: eine Limousine mit aberwitziger Motorenleistung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Jaguar S-Type wurde schon häufig geschmäht. Als Businesswagen im ungelenken Retro-Look, als britische Limousine mit dem Innenleben des Ford Mondeo, als irgendwie nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Doch S-Type-Bashing ist ungefähr ebenso originell, wie die einstige Mode, den Smart als "Elefantenrollschuh" zu titulieren.

Barocke Formen

Die Vorurteile über den S-Type stimmen nur bedingt. Und seit das Design des durchaus barock geformten Autos vor knapp einem Jahr überarbeitet und gestrafft wurde, kann man dem Auto optisch nicht mehr viel vorwerfen. Es sei den, man stößt sich grundsätzlich daran, dass sich der S-Type stur auf seine Rolle als britische Alternative zu völlig anders gestylten Autos vom Schlage eines BMW 5ers, Audi A6 oder der Mercedes E-Klasse versteift.

Man kann sich jedenfalls sehr wohl fühlen an Bord des S-Type. Im Topmodell der Baureihe, dem S-Type R, kommt dazu noch eine überdimensionale Motorleistung. Sämtliche "R-Performance"-Modelle der britischen Marke tragen ein 4,2-Liter-V8-Kompressoraggregat unter der Haube. Dieser Motor entwickelt 395 PS Leistung und ein maximales Drehmoment von 541 Nm. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, das Gaspedal herzhaft niederzudrücken, erfüllt einen der vehement einsetzende Vortrieb mit einem Gefühl der Zufriedenheit.

Dies legt sich allerdings, wenn man an den Verbrauch oder den Schadstoffausstoß in solchen Momenten denkt. Im Schnitt schleudert das Auto 314 Gramm Kohlendioxyd pro Kilometer in unsere Atemluft. Darin gleichen sich übrigens alle hochgezüchteten Business-Limousinen.

Opulenz statt Hightech

Der Unterschied des Jaguar S-Type R zu den AMG-, M- oder Quattro-Modellen der deutschen Konkurrenz ist nicht so sehr technischer, als viel mehr optisch-atmosphärischer Natur. Während die deutschen Produkte Hightech zelebrieren, schwelgt das britische Mobil in aristokratischer Opulenz. Reichlich Leder im Innenraum, ein 16-fach elektrisch verstellbarer Fahrersitz, ein Armaturenbrett im Aluminiumdesign das an die guten alten Tage des E-Type erinnern soll, weicher Teppichbelag im Fußraum und eine insgesamt geschmeidig-edle Anmutung.

Hersteller:Jaguar
Typ:S-Type R
Karosserie:Limousine
Motor:V8-Benziner-Kompressor
Hubraum:4.196 ccm
Leistung PS:395 PS
Leistung kW:291 kW
Drehmoment:541 Nm
Von 0 auf 100:5,6 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):12,5 Liter
CO2-Ausstoß:296 g/km
Kraftstoff:Super
Kofferraum:400 Liter
Versicherung (HP):23 €
Versicherung (TK):24 €
Versicherung (VK):31 €
Preis:70.950 €

Dem entspricht auch das Fahrgefühl. Trotz der starken Motorleistung kommt eigentlich nie Hektik auf - schon allein weil sie nicht zum Stil dieses Autos passen würde. Bei flottem Beschleunigen hört man ein kurzes Grollen der Maschine, danach zischt man wieder ruhig dahin wie zuvor. Der Tempomat mit automatischer Abstandskontrolle kümmert sich um den Sicherheitsabstand, die Sechsgang-Automatik legt die Gänge so höflich ein wie ein erfahrener Butler und das gut zu bedienende Touch-Screen-Navigationsgerät findet den Weg. Nicht ganz so schlau ist die Bedienung der Klimaanlage eingerichtet, aber daran gewöhnt man sich.

Wer den S-Type R von außen betrachtet, merkt sofort, dass dieses Auto sein Talent für Geschwindigkeit selbstbewusst vor sich herträgt. Der Kühlergrill trägt ein silbriges Maschendrahtgitter, im Stoßfänger gibt es zusätzliche Lufteinlässe für den Ölkühler. Anstelle von Chromleisten gibt es Zierat in Wagenfarbe, auf dem Kofferraumdeckel sitzt eine Spoilerlippe und dazu kommen große 18-Zoll-Leichtmetallräder, die auf einem Sportfahrwerk stecken.

"Born to perform" lautet das Motto der R-Abteilung von Jaguar. Für die Autos mag das zutreffen, die Performance der Marke insgesamt lässt aber noch arg zu wünschen übrig. Und mit R-Modellen allein wird es auch nicht gelingen, das sportliche Image auf Dauer zu pflegen. Doch ein Hoffnungsschimmer ist bereits zu erkennen: Im Herbst fährt der Nachfolger des Sportwagens XK vor. Der bringt dann im Idealfall auch die Geschäfte mit S- und X-Type ein wenig mehr in Schwung.