Jaguar X-Type Estate: Es ist - ein Kombi! - DER SPIEGEL
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Jaguar X-Type Estate Es ist - ein Kombi!

"Grace, Space, Pace" - mit diesen Attributen schmückt sich Jaguar gern. An Anmut und Tempo hat es den Autos selten gefehlt, doch am Platz haperte es fast immer. Das hat sich mit dem X-Type Estate geändert, dem ersten Kombi der britischen Marke.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Natürlich stellt man sich unter einem Jaguar erst mal was anderes vor. Man denkt an die springende Raubkatze auf dem Kühler, an elegante Luxuslimousinen oder an den E-Type mit seiner Motorhaube bis zum Horizont. Und dann das: ein fast unscheinbarer Kombi. Ein Auto wie so viele. Mittelklasse eben, 4,71 Meter lang, komfortabel eingerichtet und unaufdringlich motorisiert: Ein 2-Liter-Turbodieselmotor steckte in unserem Testmodell unter der Haube. Mit 130 PS das schwächste der drei Aggregate, die für den X-Type-Estate im Angebot sind. Aber natürlich kein schwacher Motor, 330 Nm sind durchaus eine Ansage in dieser Klasse.

Überhaupt vertut man sich, wenn man Jaguars bislang erstes und einziges Kombimodell nicht so richtig ernst nimmt. Der Wagen verbindet nämlich hohe Reisetauglichkeit (der Gepäckraum fasst zwischen 445 und 1415 Liter), angenehmen Fahrkomfort und ein stilsicheres Auftreten zu einem insgesamt sehr harmonischen Gesamtbild. Die Autokäufer sehen das offenbar ähnlich. Seit rund zehn Monaten wird der X-Type Estate jetzt in Deutschland verkauft und stellt bereits gut die Hälfte aller X-Type-Verkäufe hier zu Lande (2004 insgesamt 2349 Autos, davon 1257 Estate-Modelle).

Der Anteil der Dieselmodelle am Estate-Absatz wiederum liegt bei stattlichen 76 Prozent. Das ist leicht zu erklären: Erstens ist der Wagen deutlich günstiger als die Kombis mit den V6-Benzinern und zweitens lässt er sich auch wesentlich billiger bewegen. Die von Jaguar keck verkündeten 5,8 Liter Durchschnittsverbrauch können wir zwar nicht bestätigen, aber immerhin pendelte sich der Verbrauch während unserer Testfahrten bei 7,8 Liter ein, was auch noch okay ist. Und der im Vergleich mit den beiden stärkeren Benzinvarianten fehlende Allradantrieb (stattdessen Frontantrieb) hat uns auch nicht gefehlt.

Hersteller:Jaguar
Typ:X-Type Estate
Karosserie:Kombi
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel-Direkteinspritzer
Hubraum:1.998 ccm
Leistung PS:130 PS
Leistung kW:96 kW
Drehmoment:330 Nm
Von 0 auf 100:10,2 Sek.
Höchstgeschw.:198 km/h
Verbrauch (ECE):5,8 Liter
CO2-Ausstoß:154 g/km
Kraftstoff:Diesel
Kofferraum:445 Liter
umgebaut:1.415 Liter
Versicherung (HP):15 €
Versicherung (TK):35 €
Versicherung (VK):26 €
Preis:28.850 €

Positiv fiel die fein dosierbare, leichtgängige Lenkung auf, ebenso das gut zu bedienende Fünfgang-Schaltgetriebe. Überhaupt vermittelte der Wagen ein sehr ausgewogenes Fahrgefühl, dämpfte zuvorkommend das Gros der Geräusche und erfreute Auge und Hände mit lederüberzogenen oder holzummantelten Innenraumdetails. Die helle Stimmung trübte sich jedoch, sobald etwas an der Klimaanlage geregelt werden musste: Die Bedienung dieses Bauteils ist trotz Touch-Screen-Monitor im Armaturenbrett sehr umständlich. Und es fehlen in diesem Auto ein paar gut zugängliche Ablagemöglichkeiten für Kleinkram; vielleicht täte es auch schon ein etwas größeres Handschuhfach.

Während drinnen das Design gewohnt und erwünscht britisch, das heißt, etwas konservativ, aber sehr stilsicher, daherkommt, fehlt der Karosserie die Logik zwischen Front- und Heckpartie. Vorne sieht der X-Type Estate nach einem XJ im Kleinformat aus, ist also eindeutig als Jaguar identifizierbar. Das Kombiheck jedoch ist derart beliebig geraten, dass man sich schon fragt, wo die Designer gerade waren, als es modelliert wurde. Immerhin, es gibt ein Highlight hinten, und das ist die weit nach oben schwingende Heckklappe sowie das separat zu öffnende Heckfenster. Wer die Vorteile dieser Doppelklappe einmal genossen hat, fragt sich, wieso Kombis mit feststehender Heckverglasung überhaupt noch Käufer finden.

Die Serienausstattung des Wagens ist mit sechs Airbags, ABS, ESP, geteilt umklappbarer Rücksitzlehne, elektrisch verstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, Leichtmetallfelgen, Klimaanlage, CD-Musikanlage, Nebelscheinwerfern, Holzeinlagen aus Sapelli-Mahagoni und einer Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung erfreulich komplett. Für feine Zutaten wie ein Leder-Holz-Lenkrad (500 Euro), Velours-Teppich (140 Euro) oder Ledersitze (ab 1830 Euro) wird dann aber doch ein Aufpreis fällig. Dann aber wird aus dem eigentlich unauffälligen Auto allmählich doch so etwas, was man als Bild von einem echten Jaguar im Kopf hat.