Jaguar XFR-S Sportbrake: Kombi mit Krallen
Jaguar XFR-S Sportbrake Praktisch für die Rennstrecke
Der erste Eindruck: Fette Lufteinlässe, fette Räder, fette Bremsen, fette Spoiler - kurz: fettes Teil. Vorne eine große Klappe und viel darunter, hinten ein stylisch abgeflachtes Heckabteil. Optisch ist der XFR-S zweifellos gelungen.
Das sagt der Hersteller: Wahrscheinlich ist der Hersteller der letzte, den man fragen sollte, wer einen Kombi mit 550 PS eigentlich braucht. Aber weil unsere eigene Antwort kurz und negativ ausfällt und weil kein Autobauer einfach so mal ein Fahrzeug entwickelt, fragen wir dann doch den XF-Baureihenverantwortlichen Dean Murden: "Aktive Lifestyler", lautet dessen Antwort. Aha. "Enthusiastic Drivers." Nochmal aha. Und geht damit nur ein einziger Kunde auf die Rennstrecke? "Nun, er könnte es zumindest." Stimmt.
Das ist uns aufgefallen: So schön der Wagen ist, seinen Konkurrenten muss sich der XFR-S in den meisten Kategorien geschlagen geben. Bis auf eine. Mit 300 km/h Top-Tempo ist der Jaguar schneller als der Mercedes E 63 AMG S 4matic T-Modell und Audi RS6 Avant, die jeweils der selbst auferlegten deutschen Tempobarriere von 250 km/h unterliegen. Allerdings haben beide mehr PS, bieten mehr Platz und der Audi ist günstiger.
Der größte Nachteil des Jaguar im Vergleich zu Mercedes und Audi ist allerdings, dass ihm eine angetriebene Achse fehlt: Die beiden anderen sind permanent allradgetrieben. Der Umstand ist umso verwunderlicher, weil der XF durchaus mit Allradantrieb zu haben ist, wenn auch nur in Verbindung mit dem Dreiliter-V6-Kompressormotor. Erklärung: Der Allradantrieb wurde vor allem für den amerikanischen Markt entwickelt und dann auch nur für die Volumenmodelle.
Das muss man wissen: Der XFR-S Sportbrake ist nach dem F-Type R, XJR-S und XKR-S (Limousine) jetzt das vierte Modell, das den Fünfliter-Kompressor-V8 mit 550 PS unter der Haube trägt. Der Motor ist so kräftig, dass er den nahezu zwei Tonnen schweren Kombi mühelos auf 280 km/h beschleunigt. Die noch fehlenden 20 km/h zur angegebenen Höchstgeschwindigkeit sind da schon anstrengender.
Fast fünf Meter Länge erlaubt eine Ladefläche von nahezu zwei Metern, und 1650 Liter maximaler Platz ist mehr, als man bei einem "Lifestyler"-Auto erwartet. Die Heckklappe öffnet und schließt elektrisch, im Kofferraumboden sind Schienen zum optimalen Befestigen von Ladegut eingelassen. Bis zur B-Säule ist der Kombi übrigens komplett identisch mit der vergleichbaren Limousine.
Die Frage nach der Umweltverträglichkeit des XFR-S, die bei solchen Fahrzeugen sowieso eine untergeordnete Rolle spielt, lässt sich aus zwei Perspektiven betrachten: Ein offizieller Durchschnittverbrauch von 12,7 Litern auf 100 Kilometern ist einerseits völlig verschwenderisch. Andererseits wird dieses Modell die CO2-Bilanz Deutschlands nicht fühlbar belasten: Jaguar rechnet hierzulande mit einem Verkauf von 50 Stück pro Jahr.
Das werden wir nicht vergessen: Auch wenn vielleicht kein Käufer mit seinem XFR-S auf die Rennstrecke geht - Jaguar hat den Wagen genau dort vorgestellt. Und zwar auf der härtesten von allen, auf der Nordschleife des Nürburgrings. Es ist die Holzhammermethode, um darauf hinzuweisen, wofür das Auto gut ist: Um neben seiner Funktion als vollwertiges Familientaxi (sogar eine Anhängerkupplung kann man ordern) auch für ausreichend Spaß zu sorgen, wenn der Fahrer selbst mal wieder kleiner Junge sein darf.
Auf der Piste in der Eifel beweist der Zweitonner jedenfalls, dass es durchaus möglich ist, einen Lastenträger dank aktivem Fahrwerk, Luftfederung hinten und elektronischem Hinterachsdifferential sportlich durchs Karussell zu jagen. Allerdings sollte man trotzdem etwas Erfahrung mitbringen: Das ESP lässt ein bisschen Schlupf zu, und wer die Schleuderbremse ausstellt, sollte genau wissen, was er tut. Und was das Auto tut.