Jaguar XK Cabriolet: Die Straßenyacht - DER SPIEGEL
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Jaguar XK Cabriolet Die Straßenyacht

Die britische Nobelmarke Jaguar hat in den letzten Jahren arg gelitten. Eine krude Modellpolitik sowie ein sinnloses Formel-1-Engagement ramponierten den Ruf des Hauses. Nun aber ist Licht in Sicht: Ausgestrahlt wird es von der neuen Sportwagenbaureihe Jaguar XK.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das vergangene Jahr möchte Jaguar so schnell wie möglich abhaken. In Deutschland verkaufte die Marke laut Kraftfahrt-Bundesamt nur noch 3734 Autos - eine Zahl, die Freunde des "british way of drive" erschaudern lassen dürfte. Es ist jedoch nicht allzu gewagt zu prognostizieren, dass am Ende dieses Jahres die Ziffer deutlich höher ausfallen wird. Denn Jaguar drückt gerade den Neustart-Knopf: Der ist rot und sitzt in der Mittelkonsole der nagelneuen Sportwagenbaureihe XK, die ab 31. März in zwei Karosserieversionen bei den deutschen Händlern stehen wird, als Coupé und als Cabriolet.

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Jaguar XK Cabrio: Der Lockruf der Katze

Foto: Jaguar

Allein von diesen beiden XK-Varianten plant Jaguar bis zum Jahreswechsel noch rund 600 Autos in Deutschland zu verkaufen. Das sollte kein Problem sein, denn der Wagen ist exzellent designt, technisch auf der Höhe und tritt mit der typisch britischen Mischung aus Stilgefühl und Sportlichkeit an, die sämtlichen Konkurrenzmodellen abgeht. "Der Jaguar XK ist das erste Modell einer neuen Jaguar-Generation. Das Auto zeigt, wo wir in Zukunft hinwollen", sagt Stephen Perrin, der Marketing-Direktor des Unternehmens. Und wohin will Jaguar? "Wir wollen weg von allem, was old fashioned ist. Deswegen nennen wir den neuen Stil auch 'new fashion luxury'."

Das klingt nun schon arg nach Marketingsprech, doch bei der Beschäftigung mit dem Auto wird schnell klar, was Mister Perrin meint. Das Design zum Beispiel wirkt ausgesprochen modern und rasant, wohlproportioniert und elegant. Aber zugleich sieht die Karosserie klassisch aus, was an der schmalen, ovalen Kühleröffnung liegen mag, an der lang gestreckten Motorhaube und auch am muskulös modellierten Heck. Erinnerungen an den legendären E-Type werden wach, doch Design-Chef Ian Callum hat es sich verkniffen, schlichte Retro-Gimmicks zu gestalten. Der XK ist ein optisch sehr gelungenes Auto. Callum sagt: "Ich bin sehr stolz."

Hersteller:Jaguar
Typ:XK
Karosserie:Cabrio/Roadster
Motor:V8-Benziner
Hubraum:4.196 ccm
Leistung PS:298 PS
Leistung kW:219 kW
Drehmoment:411 Nm
Von 0 auf 100:6,3 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):11,3 Liter
CO2-Ausstoß:268 g/km
Kraftstoff:Superbenzin
Kofferraum:313 Liter
Preis:89.500 €

Auch technisch bemühte sich Jaguar um Anschluss an die Konkurrenzmodelle aus Deutschland, Japan oder Italien. Da ist zunächst die Aluminiumkarosserie, die den Wagen einerseits leichter macht als den Vorgänger, andererseits aber auch die Steifigkeit erhöht, was vor allem dem Cabrio zugute kommt. Einen guten Eindruck hinterließ nach ausgiebigen Testfahrten auch das Sechsgang-Automatikgetriebe, bei dem der Fahrer auch per Lenkradtasten die Gangwechsel initiieren kann. Der Automat arbeitet zuvorkommend und präzise - und treibt den Wagen im Sport-Modus überaus druckvoll voran.

In der S-Stellung des Getriebes faucht der XK mit sonorem V8-Sound über den Asphalt; ab 4500 Touren endet die Ouvertüre, und das große Motororchester tritt in Aktion. Vor allem im Cabriolet, bei geöffnetem Dach, ist es eine Wonne, diesem Metallpaket zuzuhören und die Töne per Gasfuß zu modulieren. Jaguar bleibt in Dachfragen übrigens konservativ: das Coupé besitzt ein klassisches Fließheck und eine große Klappe mit 330 Liter Stauraum darunter; das Cabrio verfügt über ein dreilagiges Stoffdach mit beheizbarer Glas-Heckscheibe, das sich per Knopfdruck binnen 18 Sekunden vollautomatisch öffnet oder schließt.

Der V8-Motor ist ein alter Bekannter

Während bei der Dachkonstruktion eine Alternative besteht, gibt es im Motorraum einen Solitär. Es handelt sich um den im Grunde bekannten 4,2-Liter-V8-Saugmotor, der für den XK überarbeitet wurde und eine neue Einspritzanlage erhielt. Das Alutriebwerk mit Vierventiltechnik leistet 298 PS, was angesichts mancher Leistungsdaten anderer Sportwagen dieses Kalibers eher bescheiden wirkt - genug Schmackes ist es allemal. Es reicht jedenfalls für eine Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 in kaum mehr als sechs Sekunden und für eine bei 250 km/h abgeregelte Höchstgeschwindigkeit. Mehr braucht man eigentlich nicht, und Raserei stünde der vornehmen Straßenyacht ohnehin nicht. Der Jaguar verlangt Stil von seinem Fahrer, anders motivieret Naturen sollten krawalligere Autos vorziehen.

Der durchaus engagierte, aber maßvolle Umgang mit der Motorleistung hilft auch dabei, den tatsächlichen Verbrauch in der Nähe des von Jaguar angegebenen Durchschnittswertes von 11,3 Liter je 100 Kilometer zu halten. Der Bordcomputer unseres Testwagens meldete nach knapp 200 Kilometern munterer Fahrt 12,8 Liter. Das ist ziemlich viel Brennstoff für ein Auto, zumal für einen Zweisitzer mit zwei weitgehend unbrauchbaren Nothockern im Fond, für einen Sportwagen in dieser Klasse jedoch völlig normal. Kunden, die mindestens 89.500 Euro in ein Cabriolet investieren, dürften sich jedoch kaum an den Spritkosten stören.

Großzügige Ausstattung, DVD-Navigation in Serie

Dabei ist der Jaguar angesichts des herrschenden Preisniveaus in diesem Marktsegment ein eher günstiges Auto. Zumal vier Airbags, ABS und ESP, ein weltweit bislang einmaliges Fußgängersicherheitsschutzsystem, bei dem die Motorhaube im Falle einer Kollision aufspringt, und im Cabrio automatische Überrollbügel serienmäßig an Bord sind. Dazu kommen in der Serienausstattung komfortable Details wie Ledersitze, Klimaautomatik, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Abstandsregeltempomat, Parksensoren am Heck, 18-Zoll-Leichtmetallräder und ein zentraler Bildschirm mit Touchscreen-Steuerung, über den das DVD-Navigationssystem und die CD-Musikanlage gesteuert wird. Das ist üppig und lässt die Aufpreislisten manch anderer Hersteller beinahe kleinlich erscheinen. Andererseits verlangt Jaguar 1000 Euro Aufpreis für eine Metallic-Lackierung, und zwölf der insgesamt 15 Farbtöne sind nun mal Metalliclacke.

Die Briten, das war bei der Fahrvorstellung des XK deutlich zu spüren, sind sehr zufrieden und ziemlich stolz auf ihre neues Auto - und doch auch ein bisschen nervös. Wir können sie da beruhigen. Der Jaguar ist ein richtig runder Sportwagen, wobei er eher ins gediegenere Fach tendiert als zur Vollgas-Fraktion. Die Lenkung könnte direkter sein, der Biss des Motors noch etwas schärfer. Aber dann wäre der XK kein echter Jaguar mehr und vor allem von den deutschen Konkurrenzmodellen nicht mehr so klar zu unterscheiden. Stephen Perrin: "Die Betonung der Technik überlassen wir gerne den deutschen Herstellern. Unser Sportwagen ist ein modernes Luxusprodukt."