Jeep Cherokee Außerordentliche Dinge
"Der neue Jeep Cherokee hat die Hölle bereits gesehen, noch bevor sein offizielles Leben überhaupt begonnen hat." So lautet ein Satz im Infotext zum neuen Auto, und mit "Hölle" sind die mehr als drei Millionen Testkilometer gemeinst, die Prototypen des Wagens im Death Valley, am Pikes Peak, in Corpus Christi, in Fairbanks und auf der berüchtigten Geländestrecke Rubicon Trail unterwegs waren.
Das richtige Leben, also der Auto-Alltag zwischen TÜV und Parkplatzsuche, beginnt für den Cherokee am 27. Oktober, wenn die rund 240 deutschen Chrysler-Händler das Auto in ihre Verkaufsräume stellen. Der Cherokee ist aber auch ein Auto für ganz besonderes Gelände. Zuletzt war das neue Modell sogar auf dem Zugspitz-Platt zu sehen. Dieser Wagen allerdings war mit der Zahnradbahn auf Deutschlands höchsten Berg gekommen und hatte nur die letzten Meter aus eigener Kraft zurückgelegt.
Das Auto diente als Blickfang und Fotomotiv während der Cherokee-Präsentation in Garmisch-Partenkirchen, einer Veranstaltung, bei der das Auto jetzt erstmals in Deutschland zu fahren war. Im nächsten Jahr sind 3500 Cherokee-Verkäufe in Deutschland geplant, knapp drei Viertel davon, so schätzt Chrysler, werden auf das Modell mit dem Dieselmotor entfallen. So wählte auch SPIEGEL ONLINE den 2.5 CRD aus, um erste Testkilometer zurückzulegen. Der Dieselmotor ist ein vollkommen neues Aggregat und zugleich das drehmomentstärkste Triebwerk im Cherokee-Angebot, das durch einen 3,7-Liter-V6 Benziner (210 PS/154 kW) und einen 2,4-Liter-Vierzylinder (150 PS/110 kW) ergänzt wird; letzterer Motor ist allerdings erst ab Frühjahr 2002 verfügbar.
Na dann: vorglühen und los! Der neue Diesel, das ist auf Anhieb spürbar, passt gut zum neuen Cherokee. Die Maschine gibt dem Geländewagen einen bulligen, kraftvollen Charakter. Und sie schafft den Spagat, den Offroader sowohl als Morast-Wühler als auch als Reisewagen angemessen voranzubringen. Der Cherokee bewies auf dem Geländeparcours, dass er auch dort noch ans Ziel kommt, wo normale Autofahrer längst keinen Weg mehr sehen. Und auf Landstraßen überzeugte das Auto durch sein vergleichsweise ruhiges Voranschnurren und einen akzeptablen Verbrauch. 9,0 Liter gibt der Hersteller als Durchschnittswert an, 9,7 Liter meldete der Bordcomputer am Ende unserer Testfahrt als Mittelwert.
| Hersteller: | Jeep |
|---|---|
| Typ: | Jeep Cherokee Limited 2.5 CRD |
| Karosserie: | Geländewagen/Pickup/SUV |
| Motor: | Vierzylinder-Diesel-Direkteinspritzer |
| Hubraum: | 2.499 ccm |
| Leistung PS: | 142 PS |
| Leistung kW: | 105 kW |
| Drehmoment: | 343 Nm |
| Von 0 auf 100: | 13,5 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 170 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 9 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 239 g/km |
| Kofferraum: | 909 Liter |
| umgebaut: | 1.951 Liter |
| Versicherung (HP): | 23 € |
| Versicherung (TK): | 35 € |
| Versicherung (VK): | 24 € |
| Preis: | 33.900 € |
Beim Fahren fiel auf, dass die neue Zahnstangen-Servolenkung und ebenso das Fünfgang-Schaltgetriebe ein durchaus beherztes Zupacken erfordern. Das passt zu diesem Typ Auto und trägt zum recht direkten Fahrgefühl bei. Eine Disziplin, die für amerikanische Autos nicht selbstverständlich ist. Einen Beitrag dazu leistet sicher auch das neue Fahrwerk. Erstmals fährt ein Modell der Marke Jeep mit Einzelradaufhängung der Vorderräder vor. Und noch etwas wurde gegenüber dem Vorgängermodell deutlich verbessert: Die Karosserie des Neuen ist um 70 Prozent steifer, was an zwei Millimeter dickeren Bodenblechen und an einer neuen Laser-Schweißtechnik liegt. Man merkt dies vor allem im rauen Gelände, wenn trotz bedenklicher Schieflagen nichts im Auto knackt oder knarzt.
Während die Technik robuster wurde, wählten die Designer einen anderen Weg. Der neue Cherokee sieht nun von vorne aus wie der etwas ältere Zwillingsbruder des Jeep Wrangler. Die treu blickenden Rundscheinwerfer und der große "Seven slot"-Kühlergrill sind nahezu identisch gestylt. Damit wirkt das Cherokee-"Gesicht" recht freundlich. Das Heck wiederum sieht durch die neuen Rundleuchten beinahe zierlich aus - zum Glück weist das außen angebrachte Ersatzrad auf die ursprüngliche Bestimmung des Autos hin. Während die "Sport"-Variante des Cherokee durch farblich abgesetzte Radhäuser optisch durchaus kernig wirkt, sehen die einfarbig lackierten "Limited"-Versionen elegant und schnieke aus.
Im Innenraum herrschen klare Linien und Formen vor. Originell sind die runden Türöffner, das Armaturenbrett ist klar gegliedert, die runden Lüftungsdüsen arbeiten wirkungsvoll, das Handschuhfach ist mickrig, aber es gibt ein weiteres Staufach in der Mittelkonsole. Auf den hinteren Plätzen geht es relativ geräumig zu, allein die Türausschnitte sind hinten sehr schmal, was den Ein- und Ausstieg erschwert. Prima gelöst ist die Heckklappen-Öffnung: Beim ersten Betätigen des Klappengriffs schwenkt das Fenster separat nach oben, nach dem zweiten Ziehen lässt sich die Heckklappe wie eine Tür aufschwenken.
Die Ausstattung der Limited-Varianten ist reichhaltig: Zwei Frontairbags, zwei Seitenairbags für vorne und hinten, ABS, Lederlenkrad, Kassettenradio mit CD-Spieler, Dachreling, beheizbare Außenspiegel und vier Getränkehalter sind unter anderem an Bord. Damit bietet der Cherokee seinen Insassen einen in dieser Preisklasse standesgemäßen Komfort. Was wirklich schwer fällt, ist, mit diesem Auto tatsächlich den Asphalt zu verlassen, um durch Wasserlöcher oder über Steinbrocken, auf Matsch oder Schotterpfaden die Mobilität zu testen. Chrysler- und Jeep-Vertriebschef Hartwig Hirtz sieht darin jedoch kein Problem: "Das ist ein Auto für außerordentliche Menschen, die außerordentliche Dinge tun."