Jeep Cherokee: Kanten statt Kuschellook - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Jeep Cherokee Kanten statt Kuschellook

Um als Allradler heute noch zu bestehen, hilft nur Charakter. Mittlerweile war der Jeep Cherokee nur einer unter vielen SUV. Deshalb setzt Jeep mit der neusten Version des robusten Allradlers wieder auf kantiges Design und will so das Image des Klassiker aufpolieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nachdem der Jeep Cherokee in der jüngsten Modellgeneration ins Feld der rundgelutschten Lifestyle-Geländewagen abzudriften drohte, wird die neue Generation des Geländewagen wieder kantiger. Am 6. September - rund ein Jahr nach dem Start in den USA - kommt die dritte Auflage des Allradklassikers zu Preisen ab 31.990 Euro in Deutschland in den Handel. Vorbei ist der Kuschellook mit runden Scheinwerfern und weichen Schwüngen auf der Motorhaube.

Zwar bleiben die Scheinwerfer rund, stecken jetzt aber wieder in eckigen Rahmen. Und auch der Rest der Karosserie wirkt, als sei sie mit grobem Werkzeug aus dem Vollen geformt worden. "Das Design kehrt zu den Wurzeln zurück", sagt Jeep-Sprecher Markus Hauf und zeigt auf einen ebenso kantigen Cherokee von 1984, mit dem Jeep vor knapp 25 Jahren das Segment der Sport Utility Vehicles in Europa populär machte.

Auch innen ist der Amerikaner fast vollständig mit dem Lineal gestaltet. Davon zeugen die geraden Türtafeln und die steilen Fenster ebenso wie das Armaturenbrett, das steil und hoch aufragt wie die Nordwand des Eiger. Daran muss sich das Auge erst gewöhnen, und die Ablagen wirken so natürlich etwas schmaler. Doch schafft es reichlich Platz, so dass man im Cherokee ein luftiges Raumgefühl empfindet. Nur im Fußraum ist es wegen des breiten Mitteltunnels ungewöhnlich eng. Dafür kann man auch hinten gut sitzen, und der Kofferraum reicht mit einem Volumen von 419 Litern zumindest für das kleine Expeditionsgepäck. Zudem kann man noch 2800 Kilo an den Haken nehmen.

So weit, so gut. Doch was wieder einmal stört bei Jeep sind die nachlässige Verarbeitung und die lieblose Materialauswahl. Während die Modelle Grand Cherokee und Commander in Lack und Leder glänzen, wirkt der Matschpilot für die Mittelklasse, als sei das Innenleben beim Discounter eingekauft. Scharfe Gusskanten am Plastik, schlecht sitzende Zierleisten aus imitiertem Chrom und Fugen, die so breit sind, dass man den Parkkartenhalter am Dachhimmel eigentlich gar nicht braucht – das lässt sich auch mit dem Preisvorteil nur schwer rechtfertigen.

Gute Ausstattung und ein tolles Sonnendach

Was dem Cherokee an Finesse fehlt, macht er allerdings mit einer ordentlichen Serienausstattung – sechs Airbags, ESP und Klimaautomatik sind Standard – und vor allem mit einer Reihe pfiffiger Details wieder wett. So wurde die Heckklappe für das einfachere Beladen in engen Parklücken horizontal geteilt, unter dem Kofferraumboden gibt es ein wasserdichtes und auswaschbares Tiefparterre, und über den Passagieren surrt für 1430 Euro Aufgeld auf Knopfdruck der einzigartige "SkySlider". Das ist ein riesiges Stoffdach über die gesamte Fahrzeuglänge, das sich erstmals in beiden Richtungen öffnen und in jeder Position fixieren lässt. So genießen wahlweise nur die Gäste in der ersten oder der zweite Reihe oder eben alle ein Frischluftvergnügen, dem zum Cabrio nicht mehr viel fehlt.

Angesichts der aktuellen Sprit- und Klimadiskussion hat Jeep das Motorenprogramm radikal verkleinert und jetzt nur noch einen Dieselmotor im Programm. Der 2,8 Liter große Vierzylinder leistet 177 PS und bringt – geregelt von einer sechsstufigen Handschaltung oder einer Automatik mit fünf Gängen - 410 Nm auf die Straße. In der Automatikversion reicht das für einen Sprintwert von 10,5 Sekunden, eine Höchstgeschwindigkeit von 179 km/h und einen Verbrauch von 9,0 Litern. Dabei gibt sich allerdings auch der neue Cherokee als alter Haudegen, der gerne etwas lauter knurrt und etwas härter federt. Obwohl besser gedämmt als der im technisch eng verwandten Dodge Nitro, ist der Motor noch immer eine Strafe für die Nachbarn, und eine Starrachse bietet nunmal weniger Komfort als eine Einzelradaufhängung.

Im Gelände schreckt das Auto kaum etwas

Dafür hat der Cherokee einen riesigen Aktionsradius, den er einem weiterentwickelten Allradantrieb verdankt. Einmal per Knopfdruck aktiviert, verteilt er die Kraft automatisch an alle vier Räder. Und damit für den Cherokee auch wenn es gröber wird noch nicht Schluss ist, gibt es eine Geländeuntersetzung und eine Bergabfahrhilfe. Skihütte, Baggersee, Steinbruch oder Strandbar – mit diesem Auto muss keiner mehr ans Ziel laufen.

Nach dem neuen Cherokee schaltet die Marke Jeep jetzt erst mal einen Gang zurück. Das liege laut Firmensprecher Hauf aber weder an der wirtschaftlichen Schräglage der US-Autoindustrie noch am Gegenwind, der Geländewagen gerade auf den Kühler drückt. Es liege vor allem an der gewaltigen Produktoffensive, bei der in den vergangenen fünf Jahren die komplette Palette erneuert und um vier auf sieben Modelle erweitert wurde. Hauf: "Nach diesem Feuerwerk sind wir derzeit so gut und breit aufgestellt, dass wir auf der nächsten Messe tatsächlich nichts Neues mehr zu zeigen haben."