Jeep Commander Der Offizier und Gentleman
Jeep legt den feinen Zwirn ab, steigt in Cargo-Hosen und krempelt die Ärmel hoch. Während die Amerikaner auf der einen Seite das Modell Grand Cherokee mit der Ausstattungsvariante Overland vollends zum eleganten Luxusliner machen, das sich mit Zierteilen in Platinoptik gegen jeden Spritzer Schlamm sträubt, reichen sie auf der anderen Seite nun für alle Kunden mit Spaß am Schmutz den Commander nach. Der bis dato größte Jeep kostet mindestens 40.090 Euro und kommt in diesen Tagen zu den Händlern. Der Aufpreis zum technisch eng verwandten Grand Cherokee liegt je nach Motor- und Modellvariante bei einigen hundert Euro.
Mit einem deutlich kantigeren Design und sehr robust wirkenden Anbauteilen wechselt er wieder vom Boulevard zur Buckelpiste und lässt verwöhnte Lifestyle-Kunden einen Hauch von Freiheit und Abenteuer schmecken. Das spürt man auch im Innenraum, der mit einer Reihe neuer Konsolen und Zierelemente und der immer wiederkehrenden Inbusschraube als übergeordnetem Designthema rustikal und technisch wirkt - und im Stau förmlich zur Bastelstunde einlädt.
Doch ist der mit nahezu rechtwinkligen Formen streng nach dem Schuhschachtel-Prinzip konstruierte Commander nicht nur eine Alternative für Besserverdiener mit einem Rest von Verwegenheit. Sondern er wendet sich auch an Kunden mit einem größeren Freundeskreis oder erhöhtem Familiensinn. Denn als erster Jeep der Unternehmensgeschichte bietet er serienmäßig drei Sitzreihen und damit bis zu sieben Plätze. Wer mit weniger Fahrgästen unterwegs ist, kann die Sitze einzeln zusammenfalten und den Stauraum auf diese Weise peu à peu von mageren 212 auf gewaltige 1940 Liter erweitern.
Auf dem Papier klingt das vielversprechend und macht den Commander formal zu einem Wettbewerber des Mercedes GL oder des Audi Q7. Doch auch wenn die nach hinten aufsteigende Sitzordnung (von vorn nach hinten steigt die Sitzhöhe um 24 Zentimeter) einen guten Ausblick garantiert und die aufpreispflichtigen Glasluken im Dachhimmel eine gewisse Freiheit suggerieren, kann der Offizier und Gentleman diesen Anspruch nicht ganz erfüllen. Schließlich trennen ihn bei einer Länge von 4,79 Metern nur rund vier Zentimeter vom Grand Cherokee, zum GL oder Q7 dagegen fehlen rund 30 Zentimeter.
Immerhin ist der Commander verhältnismäßig handlich, lässt sich ohne Schweißausbruch durch den innerstädtischen Berufsverkehr bugsieren und braucht auch bei Geländefahrten weniger Rangierfläche. Wer es wirklich darauf anlegt, kann mit dem Wagen auch durch einen dicht bewachsenen Kiefernforst rangieren, scharfe Kuppen erklimmen und durch tiefe Furten waten. Und was in der Wildnis hilft, muss im Gewirr der Großstadt ja nicht verkehrt sein.
Auch wenn Commander und Grand Cherokee bei Design, Philosophie und Zielgruppe allenfalls Vettern sind, offenbart sich unter dem Blech eine enge Verwandtschaft: die drei Motoren, die zwei Automatikgetriebe und die beiden verfügbaren Allradantriebe sind bei beiden Fahrzeugen identisch. Neu ist nur das Dynamic Handling System (DHS), das bei allen Versionen oberhalb des Einstiegsmodells zum Einsatz kommt. Damit lassen sich automatisch die Querstabilisatoren aktivieren, die dem Wagen bei hohem Tempo und schnellen Kurvenfahrten mehr Stabilität geben, dem Fahrkomfort und der Geländetauglichkeit aber im Prinzip im Wege stehen. Deshalb sorgt nun eine Elektronik dafür, dass immer nur so viel Stabilisatorwirkung erzeugt wird, wie es die aktuelle Situation erfordert.
Ein Einstiegsmotor mit 4,7 Liter Hubraum
Einstiegsmotor für den Commander ist ohne jede Bescheidenheit ein 4,7 Liter großer V8 (Preis: 40.900 Euro). Er leistet 231 PS, bringt bis zu 410 Newtonmeter auf die Straße und beschleunigt den Zweieinhalbtonner in 9,5 Sekunden auf Tempo 100. Der Kraft des Gegenwindes geschlagen geben muss sich dieser Commander bei 189 km/h. Und weil der Verbrauch schon in der Norm 14,8 Liter beträgt, muss der Commander etwa alle 500 Kilometer zum Tanken. Wer sich am großen Durst nicht stört und den V8 so richtig genießen möchte, der sollte zum berühmten Hemi-Motor (ab 52.790 Euro) greifen. Dort gibt es noch mal einen Liter Hubraum mehr, die Leistung steigt auf 326 PS, und das Drehmoment auf 500 Newtonmeter. Damit gelingt der Spurt in 7,4 Sekunden und der Kampf gegen den Wind geht bis 208 km/h. Verbrauch im Normzyklus: 15,5 Liter.
Doch bei aller Leistungslust ist der Diesel wohl die vernünftigste Lösung. Er stammt aus Stuttgart und schöpft aus sechs Zylindern mit drei Litern Hubraum ordentliche 218 PS. Mit 510 Newtonmeter zieht er den Commander mühelos aus jedem Schlammloch und auf jede Überholspur, ist mit einem Sprintwert von 9,0 Sekunden vorn dabei und kann mit maximal 191 km/h auch auf der Autobahn gut mithalten. Der Verbrauch geht mit 10,8 Litern noch als vertretbar durch.
Nach dem Commander ist nun am unteren Ende der Palette Nachwuchs in Sicht: Compass wird der Neue heißen. Und falls der designierte Gegner von Toyota RAV4 & Co. als zu jugendlich empfunden wird, steht auch schon der kompakte und deutlich knorrigere Patriot in den Startlöchern.