Jeep Wrangler Unlimited: Vier gewinnt - DER SPIEGEL
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Jeep Wrangler Unlimited Vier gewinnt

Seit 65 Jahren ist er fast unverändert auf dem Markt - jetzt trifft ihn der Fortschritt gleich doppelt. Zwar bleiben das Design und der hemdsärmelige Charakter unverändert. Doch zum ersten Mal gibt es den Jeep Wrangler nun auch mit Dieselmotor und als Viertürer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Na klar, das kennen wir doch schon. Da ziehen die Designer mal ein paar Konturen nach, schleifen an den Scheinwerfern oder ändern hier und da eine Karosseriefuge – und sprechen frech von einem neuen Modell. Kein Wunder also, dass einem der "neue" Jeep Wrangler so vertraut vorkommt, als hätte er sich in den letzten 65 Jahren eben doch fast nicht geändert.

Aber halt, stopp, Moment – was ist denn das? Vielleicht hätten wir genauer hinschauen sollen vor der polemischen Kritik: Dort, wo bislang Ende war, gibt es nun tatsächlich zwei Türen mehr. Denn Jeep hat erkannt, dass auch Auto-Cowboys mal eine Familie gründen und nicht ewig als Einzelgänger durchs Unterholz pflügen. Deshalb gibt es den Allrad-Dinosaurier nun erstmals auch als Viertürer. Und selbst wenn man es kaum merkt: Sogar den Zweitürer haben die Amerikaner überarbeitet und mit ein paar Zentimetern etwas mehr Platz geschaffen.

Obwohl der Wagen jetzt 4,22 Meter misst und die Ingenieure mit dem Zollstock 13,1 Zentimeter mehr Schulterfreiheit und 11,8 Zentimeter mehr Platz für die Hüften gefunden haben, geht es im klassischen Wrangler weiterhin relativ eng zu – kein Wunder also, dass er auch in der Neuauflage nur als Viersitzer geführt wird. Dann schon lieber die nun geteilte Rückbank umlegen und sich darüber freuen, dass man ordentlich einladen kann. Denn hinter den Sitzen gibt es noch einmal fünf Zentimeter mehr Platz. Schon ohne das neue Geheimfach im Unterboden ist damit das Kofferraumvolumen auf ordentliche 486 Liter gewachsen und kann sogar auf 1733 Liter erweitert werden.

Wer zumindest gelegentlich mit mehr als einem Fahrgast unterwegs ist und ein Herz für seine Mitmenschen hat, dem sei dringend die Version "Unlimited" angeraten. Trotz des um gut 50 Zentimeter gestreckten Radstandes und der so auf 4,75 Meter gewachsenen Länge ist zwar auch der Viertürer kein Raumwunder. Doch dürfen hier im Fond ganz offiziell drei Personen Platz nehmen, und zumindest zwei reisen sogar ganz bequem. Auch fürs Gepäck gibt es noch mehr Platz. Beim Unlimited passen 1315 Liter hinter die zweite und 2324 Liter hinter die erste Reihe. Dazu gibt es für beide Modellvarianten ein Interieur, das zum rustikalen Charakter des Klassikers passt. In einem modernen SUV würde man vielleicht über eine triste Kunststofflandschaft klagen. Hier dagegen gehen die Oberflächen als praktisch durch, weil man sie flugs abwaschen - und vorher wenigstens auch wirklich dreckig machen kann.

Premiere für einen Dieselmotor in der zivilen Variante

Auch unter der wie immer kantigen Haube geht Jeep neue Wege. Natürlich gibt es als Ersatz für die bisher angebotenen Vier- und Sechszylinder wieder einen Benziner mit diesmal sechs Töpfen und 3,8 Litern Hubraum, der 199 PS und 315 Nm mobilisiert. Er macht ordentlich Dampf, lässt den Wrangler wie ein junges Pferd von der grünen Ampel springen, kommt aber im gestreckten Galopp nur auf 174 km/h. Der Verbrauch liegt bei wilden 11,8 Litern im Schnitt, wenigstens begnügt sich der Motor mit Normalbenzin.

Viel wichtiger aber ist der erste Diesel in der zivilen Geschichte des Klassikers. Weil ohne Selbstzünder vor allem in Europa kaum mehr Staat zu machen ist, kaufen die Amerikaner bei der Konzern-Cousine VM Motori einen 2,8 Liter großen Vierzylinder mit 177 PS und gewaltigen 410 Nm ein. Kombiniert mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder einer fünfstufigen Automatik beschleunigt er den Allradler erstaunlich leise auf bis zu 161 km/h und verbraucht dabei im Mittel nur knapp zehn Liter. Und in Deutschland kann er mit Rußpartikelfilter nachgerüstet werden.

In den USA auch ohne Allradantrieb erhältlich

Weil es den Wrangler in den US-Staaten Kalifornien oder Florida auch nur mit "Two-Wheel-Drive" gibt, beginnen die Preise in den USA für den Zweitürer bereits bei 18.765 Dollar. In Deutschland, wo der Allradantrieb zur Marke gehört wie die runden Scheinwerfer und die sieben Balken im Kühlergrill, stehen die exakten Preise knapp drei Monate vor der Markteinführung noch nicht fest, sollten aber wohl bei etwa 25.000 Euro beginnen.

Einen der größten Vorzüge des Wrangler allerdings werden die Kunden hier kaum nutzen. Zwar können auch sie beim Hardtop schrittweise die beiden Dachplatten über der ersten Reihe herausnehmen und danach den ganzen Rest abnehmen oder gleich das "Sunrider"-Zelt bestellen und sich in beiden Fällen darüber freuen, im derzeit einzigen Cabrio mit vier Türen zu fahren. Doch in dem von laxen Vorschriften begünstigten Mutterland des Wranglers geht der Striptease noch weiter. Mit ein paar Handgriffen mehr darf man dort sogar die Türen ausbauen, die Frontscheibe nach vorn klappen und sich fühlen wie John Wayne als Großwildjäger in Hatari. Dass die Behörden diesem in Deutschland einen Riegel vorschieben, ist uncool - aber nicht tragisch. Denn erstens ist es dafür selbst im Sommer meist zu kalt und zweitens ist die Population der Wildtiere in Taunus oder Schwarzwald nicht gerade üppig.