Kia Carnival: Bulliges Kellerkind - DER SPIEGEL
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Kia Carnival Bulliges Kellerkind

Kia will raus aus der Nische. Mit der zweiten Generation der Großraumlimousine Carnival wollen die Koreaner jetzt den Marktführern im Van-Segment die Stirn bieten. Mit neuer Optik, besserer Serienausstattung und traditionellen Kampfpreisen. SPIEGEL ONLINE hat den neuen Carnival getestet.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Van-Boom in Deutschland scheint vorbei. Nach dem Spitzenergebnis von über 123.000 Neuzulassungen in 1999 haben sich die Verkäufe der so genannten Multi Purpose Vehicle (MPV) inzwischen auf knapp 100.000 Stück im Jahr eingependelt. Der Kia Carnival spielt in dem Segment nur eine Nischenrolle. Doch kontinuierliche Steigerungen von Marktanteil (4,3 Prozent) und Verkäufen (3900) beflügeln die Koreaner.

Das unbekannte Kellerkind, das mit Mitsubishi Space Gear, Hyundai Trajet, Mazda MPV und Honda Shuttle um Kundengunst und Marktanteile rangelte, soll in der zweiten Generation zu den populären Größen der Branche, VW Sharan, Ford Galaxy und Renault Espace, auffahren.

Dazu wurde der Korea-Van komplett neu ausgerüstet. Schon optisch verleihen größere Stoßfänger, ein breiterer Kühlergrill, Chromeinfassungen sowie, beim Turbodiesel, eine Lufthutze auf der Motorhaube dem Fünf-Meter-Wagen mehr Gewicht. Verstärkt wird das bullige Aussehen am Heck durch viereckige Leuchteinheiten, eine große eckige Schwingtür und die mit einer Schutzmatte bezogene Trittstufe im hinteren Stoßfänger.

Bei der Konzeption des Innenraums haben Kias Marketingleute die Konkurrenz aufmerksam beobachtet. Bis zu sieben Einzelsitze schaffen bequeme Platzverhältnisse. Der Fahrersitz ist in Länge und Höhe verstellbar, in der gehobenen EX-Ausstattung auch elektrisch. Das Cockpit wirkt aufgeräumt. Der Schalthebel ist in der Mittelkonsole platziert, was den Durchstieg nach hinten ermöglicht.

Die Sitze in der zweiten und dritten Reihe haben Armlehnen und sind einzeln herausnehmbar und in der Länge zu verschieben. Eine Easy-Entry-Funktion erleichtert den hinteren Ein- und Ausstieg. Hinzu kommen bis zu 15 Getränkehalter, mehrere Staufächer, Ablagen, Schubladen und Haken für Einkaufstaschen im Gepäckraum. Der fasst bei voller Bestuhlung noch 357 Liter Volumen. Als "Zweisitzer" ausgebaut schluckt der Carnival bei dachhoher Beladung 3321 Liter.

Wer so viel schleppen will, braucht viel Kraft. Doch auch bei den Motoren folgen die Koreaner dem allgemeinen Trend. Neben einem V6-Benziner kommt erstmals bei Kia ein Common-Rail-Turbodiesel zum Einsatz. Der 2,9-Liter-Selbstzünder gefällt durch sein bulliges Drehmoment von maximal 310 Newtonmetern und seinen ruhigen Lauf. Dafür allerdings gar nicht durch seinen vergleichsweise hohen Durchschnittsverbrauch von 8,2 Litern Dieselöl.

Hersteller:Kia
Typ:Carnival 2.9 HPDi
Karosserie:Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum:2.902 ccm
Leistung PS:144 PS
Leistung kW:106 kW
Drehmoment:310 Nm
Von 0 auf 100:15,2 Sek.
Höchstgeschw.:168 km/h
Verbrauch (ECE):8,2 Liter
CO2-Ausstoß:217 g/km
Kraftstoff:Diesel
Kofferraum:357 Liter
umgebaut:3.321 Liter
Versicherung (HP):21 €
Versicherung (TK):33 €
Versicherung (VK):25 €
Preis:22.850 €

Versöhnlich stimmt das gute Preis-Leistungsverhältnis. Schon in der LX-Basisversion ab 42.676 Mark (21.820 Euro) fährt der Carnival-Kunde ab Werk mit Klimaanlage, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln und Metallic-Lackierung. In der gehobeneren EX-Ausführung ab 44.866 Mark (22.940 Euro) gibt es zusätzlich Regensensor, automatische Scheinwerferfunktion, elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Lederlenkrad und -schaltknauf sowie Chrom- und Holzdekor. Seitenairbags allerdings gibt's auch hier nicht, nicht für Geld und gute Worte. Erst für Ende 2003 ist daran gedacht.