Kia Picanto: Ein Knirps macht sich fein - DER SPIEGEL
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Kia Picanto: Jetzt sogar billiger

Kia Picanto Ein Knirps macht sich fein

In wenigen Wochen geht die zweite Generation des Kia Picanto an den Start. Der koreanische Kleinwagen wird etwas größer, hübscher, ist üppig ausgestattet - und lernt das Spritsparen. Anstelle des Dieselmotors gibt es das Auto künftig ab Werk auch mit Flüssiggasantrieb.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Zwerg wird erwachsen - mit diesem Tenor fährt die koreanische Marke Kia jetzt den neuen Picanto vor. "Damit sind nicht nur die Abmessungen gemeint", sagt Produktmanager Duarte Ramalho. "Sondern das bezieht sich vor allem auf das neue Design und die erweiterte Ausstattung." Gewachsen ist der Wagen auf eine Länge von 3,60 Meter (plus 6 Zentimeter), der Radstand legte um 1,5 Zentimeter zu. Die Karosserie des Fünftürers tritt fortan mit der markentypischen Tigernase an und das Heck ist ungewöhnlich kantig geformt und mit hoch platzierten Rückleuchten bestückt. Die Ausstattung indessen ist tatsächlich ungewöhnlich, denn LED-Tagfahrleuchten, beheizbares Lenkrad oder schlüsselloses Startsystem gibt es normalerweise erst in deutlich größeren Autos als Extras.

Im Picanto geht es recht wohnlich zu. Das Gros der Einrichtung besteht zwar aus grauem Kunststoff, der aber mittlerweile mit Glanzlack überzogen ist. Allerdings verfügt man über jede Menge elektrischer Helfer für Fenster, Türen und Spiegel, ruft den Motor mit einem Starknopf zum Dienst, kann eine Sitzheizung nutzen oder die Frisur im schick beleuchteten Innenspiegel kontrollieren. Mobilgeräte wie iPod & Co. lassen sich an die Musikanlage anschließen und das Telefon kann vom Lenkrad aus bedient werden. Dazu gibt es Servolenkung für alle Varianten sowie sechs Airbags ab Werk, ein siebter Luftsack kann gegen Aufpreis bestellt werden, ebenso ESP. Nicht erhältlich allerdings ist ein Sechsgang-Getriebe.

Allerdings gibt es mehr Platz als im bisherigen Modell. 1,5 Zentimeter klingen zwar nach fast nichts, doch praktisch wirkt sich das durchaus aus. Vorn sitzen selbst große Fahrer überraschend bequem und die Rückbank ist Erwachsenen zumindest für kürzere Strecken absolut zumutbar. Nur der Kofferraum ist mickrig, obwohl der sogar größer wurde als bislang; dennoch fasst er lediglich 200 Liter. Legt man die Rücksitzlehne um, stehen immerhin 870 Liter Stauraum zur Verfügung.

Trotz der Aufwertung wird der Kleinwagen mit dem Generationswechsel nicht teurer. Im Gegenteil: Der Fünftürer kostet künftig ab 9390 Euro und der ab Herbst lieferbare Dreitürer wird dann ab 8990 verkauft - das sind jeweils 200 Euro weniger als bislang.

Auch Kia setzt nun auf einen Dreizylinder-Einstiegsmotor

Der Grund der Preissenkung: Der Basismotor tritt ab sofort nur noch mit drei statt vier Zylindern an. Damit kommt die Maschine auf einen Liter Hubraum und 69 PS. Das reicht für die automobilen Grundbedürfnisse allemal aus, der vielbeschworene Fahrspaß findet allerdings anderswo statt. Als Höchstgeschwindigkeit des Picanto mit Dreizylinder-Motor werden 153 km/h angegeben, die sich jedoch nur durch lautstarke Drehzahlorgien erreichen lassen. Besser in dieser Hinsicht ist der 1,2 Liter große Vierzylinder, der immerhin 85 PS leistet, mit etwas Anlauf Tempo 171 schafft und statt Verzicht sogar ein wenig Vergnügen am Steuer verspricht.

Die interessanteste Picanto-Variante ist die neue LPG-Umrüstung. "Diese Technik ersetzt den Diesel und ist die Alternative für nüchterne Rechner", sagt Produktmanager Ramalho. Eingesetzt wird der Motorblock des Basis-Benziners, die Leistung aber liegt mit Flüssiggas bei 82 PS. Das reicht auch nicht für schnellere Sprints oder ein nennenswert höheres Spitzentempo, drückt jedoch den CO2-Ausstoß - im Verbund mit der für alle Motor-Varianten verfügbaren Start-Stopp-Automatik - von 95 auf 90 Gramm pro Kilometer und macht den Picanto zum Saubermann unter den Stadtflitzern.

Wie üblich steigt der Verbrauch im Flüssiggasbetrieb an und liegt dann bei 5,6 statt 4,1 Liter. Dennoch amortisiert sich der LPG-Aufpreis von rund 1300 Euro bei einem Spritpreis von etwa 76 Cent pro Liter rasch. Übrigens trägt Kia auch dem dünnen LPG-Versorgungsnetz in Deutschland Rechnung: Neben dem 35 Liter großen Standard-Gastank gibt es noch eine zehn Liter große Benzin-Reserve, mit der man ohne jeden spürbaren Unterschied weiterfahren kann.

Ein flotter Stadtwagen mit Schwächen bei höherem Tempo

Egal welchen Motor man unter der kurzen Haube hat: In der Stadt macht der Picanto eine gute Figur. Er ist handlich und wendig, bügelt schmerzlos und ohne Scheu über Gullydeckel und lässt sich dank der leichtgängigen Lenkung fast mit dem kleinen Finger in jede Parklücke zirkeln. Auf der Landstraße dagegen trüben der schlechte Geradeauslauf und der kurze Radstand die Fahrfreude. Bei höheren Geschwindigkeiten lässt sich der Wagen nur mit Engagement auf Kurs halten.

Im Wettbewerbsumfeld ist der Picanto nach wie vor einer der günstigsten Kleinwagen. Das Einstiegsmodell i10 der Schwestermarke Huyndai kostet 10.290 Euro, der Skoda Fabia ist um zirka 1500 Euro teurer als der Kia-Knirps, und für den C1 verlangt Citroën 1000 Euro mehr. Allein der Toyota Aygo liegt auf demselben Preisniveau; Suzuki Alto, Nissan Pixo und Dacia Sandero sind sogar billiger. Mit Lenkradheizung oder LED-Leuchten darf man den dreien dafür allerdings nicht kommen.