Kia Picanto: Rollende Gewürzmischung - DER SPIEGEL
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Kia Picanto Rollende Gewürzmischung

Darauf käme man nicht, wenn es einem nicht gesagt worden wäre. Picanto, der Name von Kias neuem Kleinwagen, sei so was wie eine phonetische Kombination aus pikant und dem italienischen canto (=ich singe). Schmecken soll die rollende Gewürzmischung vor allem jungen Käufern, und hier besonders den Frauen.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Deshalb trägt der 3,50 Meter kurze Koreaner ein Baby-Face mit übergroßen Scheinwerferaugen im Stil des Citroën C2 und einen trapezförmigen "Oooh"-Kühlergrill. Dazu eine kompakte und übersichtliche Karosserie, getaucht in neun schreiende Farben, von zitronengelb über sambagrün bis kobaltblau sowie nicht weniger buntem Interieur, was nach Meinung des europäischen Kia-Vizepräsidenten Jean-Charles Lievens "viele neue, junge Kunden in die Kia-Showrooms locken" wird.

Das wird aber sicher schon der günstige Einstiegspreis von 8700 Euro für die LX-Basisversion. Was sie weniger schätzen werden, ist die fehlende Servolenkung und weitere elektrische Helferchen für die Fensterscheiben. Die gibt es erst gegen 270 Euro Aufpreis. Ebenso wie eine Klimaanlage und Sitzheizung, für die weitere 850 Euro auf den Tisch gelegt werden müssen. Bis auf die Heizung ist das alles und noch ein paar Goodies mehr (elektrisch einstellbare Außenspiegel, Funkfernbedienung für Türen, Heckklappe und Tank) ab Werk in der gehobeneren EX-Version zu haben, für die dann allerdings 10.350 Euro fällig werden.

Hersteller:Kia
Typ:Picanto
Karosserie:Kleinwagen
Motor:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.086 ccm
Leistung PS:61 PS
Leistung kW:45 kW
Drehmoment:97 Nm
Von 0 auf 100:15,1 Sek.
Höchstgeschw.:154 km/h
Verbrauch (ECE):4,9 Liter
CO2-Ausstoß:116 g/km
Kraftstoff:Super
Kofferraum:157 Liter
umgebaut:882 Liter
Preis:8.700 €

Dennoch bewegt sich das Schwestermodell des Hyundai Getz damit in einem Preisrahmen, in dem es nicht nur als Erstauto für Fahranfänger, sondern auch als Zweitwagen für die Familie taugt. Zumal der Fünftürer nicht nur optisch eine gute Figur macht, sondern auch über praktischen Qualitäten verfügt, die heute von einem Kleinwagen erwartet werden. Vorne wie hinten sitzt es sich auf den vier Plätzen ausreichend kommod, und die hochbauende Karosserie schafft ein gutes Raumgefühl. Für den Krimskrams gibt es insgesamt 19 Ablagefächer. Bei kompletter Besetzung bleibt im Kofferraum ein Stauvolumen von 157 Litern. Fahren nur zwei Personen im Picanto und ist die asymmetrisch geteilte Rückbank vollständig umgeklappt, wächst der Gepäckraum auf 887 Liter. Das reicht für die Sammelfuhre zum Kindergarten (Isofix-Vorrichtung serienmäßig) ebenso wie für den Wochenendeinkauf.

Die übrigen Qualitäten halten sich indes in den Grenzen von Fahrzeugklasse und Preisniveau. Das durchgängig zweifarbige Interieur kann trotz der schwarz-bunten Sitzpolster und Türverkleidung nicht über das wenig hochwertig anmutende Plastik und Metall-Dekor hinwegtäuschen. Einzig erhältlicher Antrieb in Deutschland ist ein 1,1-Liter-Vierzylinder-Benziner, dem erst im kommenden Jahr noch ein Diesel gleichen Hubraums folgen soll. Das 65-PS-Motörchen zeigt sich überraschend agil und temperamentvoll, auch wenn es bei höherem Tempo ein wenig laut wird. Doch viel mehr als 150 km/h sind sowieso nicht drin. Und wegen des leicht schwammigen Fahrwerks auch nicht empfehlenswert, will man nicht durch die Kurven schaukeln. Auf die Straße gelangt die Kraft über ein exakt schaltendes Fünfgang-Getriebe.

Weniger zu empfehlen ist die Vierstufen-Automatik (1050 Euro Aufpreis), die jede Gaspedalberührung mit nervösem Hin- und Herschalten beantwortet. Für Sicherheit in Serie sorgen ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Scheibenbremsen rundum sowie Fahrer-, Beifahrer und Seitenairbags (nur EX). Den elektronischen Schleuder-Schutz ESP gibt indes weder für Geld noch gute Worte.