Kia Rio: Ein unmoralisches Angebot - DER SPIEGEL
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Kia Rio Ein unmoralisches Angebot

Wenn Supermärkte demnächst tatsächlich Autos verkaufen, dann dürfte der Kia Rio im Regal ganz weit vorne stehen. Koreanische Kampfpreise sind zwar bekannt, doch was Kia ab 19. Oktober auf dem deutschen Markt anbietet, klingt nach einem unmoralischen Angebot.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der fliegende Händler in der Fußgängerzone könnte es nicht besser sagen: Den neuen Kia Rio gibt's jetzt ab 10.990 Euro. Im Preis mit drin sind: alle Inspektionen der nächsten fünf Jahre oder bis 75.000 Kilometer. Dazu nach Bedarf Scheibenwischer sowie ein komplett neuer Satz Sommerreifen. Und oben drauf noch fünf Jahre Kfz-Steuer-Übernahme, die der Händler dem Kunden zurückerstattet. Macht für den Kia-Kunden alles in allem 1800 Euro Mehrwert. Kühle Kostenkalkulation oder unlauteres Lockangebot?

"Wettbewerbsrechtlich ist das alles abgesegnet", sagt der deutsche Kia-Geschäftsführer Matthias Heinz. "Wir machen nur offen, was bei anderen versteckt geschieht." Denn nach dem Wegfall der Zugabeverordnung in Deutschland dürfen hiesige Autoverkäufer großzügig Rabatte gewähren. Und statt üppigen Preisnachlässen setzen die Koreaner dabei auf kostenlose Serviceleistungen. Bleibt die Frage, wer daran am Ende noch verdient, beziehungsweise was so ein Auto in der Produktion kostet.

Hersteller:Kia
Typ:Rio 1.5 LS
Karosserie:Kombi
Motor:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.493 ccm
Leistung PS:97 PS
Leistung kW:71 kW
Drehmoment:132 Nm
Von 0 auf 100:11,6 Sek.
Höchstgeschw.:175 km/h
Verbrauch (ECE):7,1 Liter
CO2-Ausstoß:168 g/km
Kraftstoff:Normal
Kofferraum:449 Liter
umgebaut:1.277 Liter
Versicherung (HP):17 €
Versicherung (TK):27 €
Versicherung (VK):18 €
Preis:12.600 €

Denn der Mehrwert des neuen Kia Rio beschränkt sich nicht nur auf die oben genannten Dreingaben, sondern auch auf die gegenüber dem Vorgänger umfangreichere Serienausstattung. Der Wagen fährt jetzt schon in der RS-Basisversion mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung, Front- und Seitenairbags, Gurtstraffer- und Gurtkraftbegrenzern, höhenverstellbarem Lenkrad und Wegfahrsperre. In der LS-Ausführung (ab 11.900 Euro) kommen noch einmal Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Nebelscheinwerfer oder Radiovorbereitung mit sechs Lautsprechern hinzu. Auf der Optionsliste stehen dann nur noch Klimaanlage (1020 Euro), elektrisches Glasschiebedach (540 Euro), Automatikgetriebe (1050 Euro) und Metallic-Lackierung (255 Euro).

Auch das Außen- und Innendesign wurde aufgepeppt. Die Front des 4,24 Meter langen Kompaktwagens zitiert mit seinen hoch angebrachten Scheinwerfern, Sicken auf der Motorhaube und größerem Kühlergrill die jüngst vorgestellten Modelle Carens und Sorento. In Deutschland wird der Kia Rio nur noch in der coupéhaften Fließheckversion angeboten, dessen Kofferraum unveränderte 449 Liter, nach Umklappen der Rücksitze 1277 Liter, fasst. Neu gestaltet wurde die Mittelkonsole, die jetzt über bedienungsfreundliche Drucktasten und Drehregler verfügt. Hinzu kommen weitere Ablagen und Getränkehalter.

Unverändert geblieben sind die beiden Benzin-Motoren. Basis ist ein 1,3-Liter-Vierzylinder mit 60 kW / 82 PS und 116 Nm Drehmoment. Das 1,5-Liter-16V-Triebwerk leistet 71 kW / 97 PS und erreicht sein maximales Drehmoment von 132 Nm bei 4500 Touren. Beide glänzen nicht unbedingt mit Temperament und laufen recht rau, obwohl Kia auch die Geräuschdämmung verbessert haben will. Beide Motoren erfüllen die D4-Abgasnorm und geben sich mit Normalsprit zufrieden. Wenn auch davon nicht wenig. Für den 1,3-Liter gibt Kia 6,7 Liter, für den 1,5-Liter 7,1 Liter im Euro-Schnitt an. Einen Dieselmotor haben die Koreaner nach wie vor nicht auf der Liste.

Auf die Vorderräder übertragen wird die Kraft ab Werk mittels Fünfganggetriebe, immer noch mit zu langen Schaltwegen. Für den 1,5-Liter ist in Verbindung mit der LS-Ausstattung auch eine vierstufige Automatik zu bekommen. Das vom Vorgänger übernommene Fahrwerk wurde versteift und wirkt jetzt nicht mehr so schwammig. Von dem jetzt überarbeiteten Rio will Kia in Deutschland rund 6500 pro Jahr verkaufen. Ein ganz neues Modell wollen die Koreaner erst in drei Jahren auf den Markt bringen.