Kia Sorento "Masterpiece": Das Bling-Bling-SUV aus Südkorea
Kia Sorento Masterpiece Mit viel Bling-Bling aufgebrezelt
Mit künstlich knapp gehaltenen Luxus-Sondereditionen hantieren bislang vor allem Hersteller wie Rolls-Royce, Bentley, Lamborghini oder andere Luxusfirmen. Aber ein Kia, der auf 200 Stück begrenzt ist und fast doppelt so viel kostet wie das Basismodell? Was ist denn hier los? Die Verwunderung nimmt nicht ab, wenn man im Kofferraum die Reisetasche entdeckt, die aus den gleichen Materialien geschneidert ist wie die Verkleidung des Auto-Innenraums und die fett und prominent das Kia-Logo eingeprägt bekommen hat. Exquisite Accessoires zum Auto - klar, auch das kennt man. Aber bislang nicht von einer Marke wie Kia.
Der koreanische Hersteller hat in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufstieg hingelegt. Unter der Feder des bei VW abgeworbenen Designers Peter Schreyer hat sich die Schwesterfirma von Hyundai zum Seriensieger beim anerkannten "Red Dot"-Award aufgeschwungen. Autos wie der kompakte Cee'd, die Mittelklasse-Limousine Optima oder eben der Sorento sind technisch auf der Höhe der Zeit. Die Garantie von sieben Jahren gibt es immer noch, aber das Image des vernünftigen, aber langweiligen Preisbrechers haben die Autos von Kia längst abgelegt.
Analysten wie Jan Burgard von Berylls in München sehen den Konzern deswegen in der Offensive: "KIA bereitet den etablierten europäischen Volumenherstellern, aber auch Importeuren zunehmend Kopfschmerzen." Das ist keine bloße Behauptung, sondern lässt sich an den Zulassungszahlen ablesen: Weltweit bereits Nummer zehn, hat Kia in Deutschland allein im letzten Jahr 8,7 Prozent zugelegt und zum ersten Mal mehr als 60.000 Autos verkauft. Das sind fast dreimal so viele Zulassungen wie bei Honda, immerhin 4000 mehr als Peugeot und nur 10.000 weniger als bei Nissan.
Angesichts solcher Erfolge kann man sich schon mal selbst feiern. Aber warum mit einem Modelle wie dem Sorento Masterpiece? Einerseits war die Wahl irgendwie logisch. Der Wagen ist das Flaggschiff in der europäischen Flotte und steht in Prestige und Preis deutlich über dem Optima. Außerdem strebte schon der erste Sorento nach höheren Weihen und war als günstige Alternative zum damals noch als M-Klasse geführten Mercedes GLE so akzeptiert, dass viele Kunden - oft gleich noch beim offiziellem Händler - einen neuen Kühlergrill ohne Kia-Logo nachrüsteten.
Bling-Bling wie im Bentley eines russischen Neureichen
Die Zeiten sind mittlerweile vorbei. Der neutrale Grill ist aus dem Zubehör verschwunden. Die Koreaner sind so stolz auf ihr Meisterstück, dass sie den Schriftzug sogar auf die Sitze prägen. "Das ist der exklusivste Kia, den wir je in Deutschland angeboten haben", sagt Deutschlandchef Steffen Cost. "Er macht deutlich, auf welchem Level sich Kia inzwischen bewegt und welches Ansehen unsere Marke gewonnen hat." Und das Konzept scheint aufzugehen: Binnen weniger Monate war die Sonderserie des Masterpiece ausverkauft.
Kia Sorento "Masterpiece": Das Bling-Bling-SUV aus Südkorea
Aber was sagt uns dieses Auto über Kia? Statt mit Substanz zu überzeugen, setzt das Masterpiece nur auf den Schein, das Flaggschiff ist mit so viel Bling-Bling behängt wie der Bentley eines russischen Neureichen. Der aktuelle Sorento, den es ohne den Schnickschnack schon ab knapp 35.000 Euro gibt, ist ein grundsolider, in vielen Details sogar richtig guter SUV, der es als eines der wenigen Importmodelle tatsächlich mit Vorbildern wie einem BMW X5 oder einem Mercedes GLE aufnehmen kann - zumindest, wenn man einen voll ausstaffierten Kia mit den dann etwa gleich teuren Basismodellen der Deutschen vergleicht.
Er fährt sich mit einem 200 PS starken 2,2-Diesel wunderbar entspannt und hat trotzdem genügend Dampf für einen engen Terminkalender. Er bietet so viel Platz auf allen Plätzen, dass man für den bis zu 1732 Liter großen Kofferraum auch noch eine dritte Sitzreihe bestellen kann. Er sieht innen genauso gut aus wie außen und hat neben den üblichen elektrischen Helfern fast alle Assistenzsysteme an Bord, die einem auch Mercedes & Co bieten.
Verpasste Chance
Aber gerade deshalb hätte der große Geländewagen den Budenzauber des Masterpiece überhaupt nicht nötig gehabt. Denn die von Hand vernähten Alcantara-Bezüge vom Dachhimmel bis zu den Haltegriffen, die silberne Naht am ledernen Sack um den Schaltknauf, die Prägung in den Sitzen, die glanzschwarz polierten 20-Zöller, die aluminiumfarbenen Trittleisten unter den Türen, die imitierten Karbonblenden auf den Endrohren aus Edelstahl und die Masterpiece-Projektion auf dem Asphalt - all das macht das Auto keinen Deut besser. Sondern nur teurer.
Leider nicht in Deutschland erhältlich: Limousine Kia K7
Foto: Tom GrünwegInteressant wäre es gewesen, hätten die Koreaner andere Autos auserkoren. Zum Beispiel die beiden Luxuslimousinen K7 und K9, die in einer Liga mit der Mercedes E-Klasse oder dem Audi A8 antreten und nur für den koreanische Markt und die USA gebaut werden. Ein Tag auf Dienstreise in Seoul im K7 mit seinen bequemen Sitzen, dem wolkenweichen Fahrwerk und einer schallschluckenden Kabine der Welt enthoben, ein faszinierendes Infotainment-System mit fast zentimetergenauen Hinweisen und fotografisch präzisen 3D-Karten vor Augen - das schindet mehr Eindruck als die längste Fahrt mit dem aufgebrezelten Sorento. Natürlich wären mit einem Auto wie dem K7 im Mutterland von Mercedes & Co keine großen Sprünge drin. Doch 200 Exemplare wie vom Masterpiece hätte Kia auch davon verkaufen und so sehr viel glaubwürdiger für den Aufstieg werben können.
Alternativ hätte man dem Sorento auch einen anderen, innovativeren Antrieb spendieren können, denn auch in dieser Disziplin haben die Koreaner viele Konkurrenten längst überflügelt: "Der Konzern hat sich schon früh mit ausgelagerten Entwicklungszentren für eine schnelle Internationalisierung positioniert und zählt heute bereits zu den Innovationsführern. Nicht umsonst spielt er zum Beispiel beim Thema Brennstoffzellen-Technologie in der ersten Liga mit", lobt Burgard.
Das neureiche Premium-Bling-Bling jedenfalls können die Koreaner künftig gerne wieder einpacken. Zum Beispiel in eine Designertasche. Die liegt nämlich im Kofferraum des Sorento ohnehin nur im Weg herum.
| Hersteller: | Kia |
|---|---|
| Typ: | Sorento Masterpiece |
| Karosserie: | Geländewagen |
| Motor: | Vierzylinder-Common-Rail-Diesel |
| Getriebe: | Sechsgang-Automatik |
| Antrieb: | Allrad |
| Hubraum: | 2.199 ccm |
| Leistung PS: | 200 PS |
| Leistung kW: | 147 kW |
| Drehmoment: | 441 Nm |
| Von 0 auf 100: | 9,6 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 205 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 6,6 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 174 g/km |
| Kraftstoff: | Diesel |
| Kofferraum: | 660 Liter |
| umgebaut: | 1.732 Liter |
| Gewicht: | 1.849 kg |
| Maße: | 4780/1890/1685 |
| Preis: | 60.990 € |