Kleinwagen: Zwerge mit Sportabzeichen - DER SPIEGEL
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Kleinwagen Zwerge mit Sportabzeichen

Früher trafen die Kraftmeier unter den Kleinwagenkäufern ihre Wahl zwischen Autos wie dem Golf GTI oder dem Astra GSI. Mittlerweile wird die GTI-Fraktion auch in der Zwergklasse fündig: Fast jeder Hersteller hat einen kleinen PS-Protz im Angebot.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am weitesten treibt es dabei Renault mit dem Clio: Den in der Werbung als "Jungen Wilden" gefeierten Kleinwagen gibt es seit kurzem als Clio Sport mit einem 169 PS (124 kW) starken Zwei-Liter-Motor, der immerhin eine Spitzengeschwindigkeit von 220 km/h ermöglicht. Wem das noch zu wenig ist, der muss bis zum Herbst warten. Dann montieren die Franzosen in ihren Bestseller sogar ein V6-Triebwerk mit drei Liter Hubraum, das es auf rund 250 PS bringt.

Ähnlich kräftig ist der von der Rallye-Serie abgeleitete und auf 4000 Exemplare limitierte Peugeot 206 GT: Unter der Haube des mit 36.900 Mark alles andere als preiswerten Sportlers verbirgt sich ein Zwei-Liter-Motor mit 136 PS (99 kW), der den Wagen in 8,4 Sekunden an die Hundertermarke bringt. Die gleiche Technik in der etwas zurückhaltenderen Verpackung der Großserie findet sich im 206 S16, der ohne Stückzahlbegrenzung für 33.400 Mark beim Händler steht.

Den kleineren Peugeot 106 gibt es als S16 mit immerhin 118 PS (87 kW). Sein Motor kommt auch im technisch weitgehend identischen Citroën Saxo 1.6V VTS Sport zum Einsatz und sorgt dort für eine Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h. Die deutschen Hersteller stehen den Franzosen in Sachen Dynamik nicht nach: So bietet VW den kleinen Lupo für mindestens 24.900 Mark als 16 V mit 100 PS (74 kW) an; eine noch stärkere Version ist in Vorbereitung. Und dem Polo haben die Wolfsburger das Sportabzeichen GTI verliehen, indem sie einen 1,6-Liter-Motor mit 125 PS (92 kW) unter der Haube montiert haben.

Bei Ford setzt man ebenfalls auf Kraft und bietet den frisch renovierten Fiesta in einer Sportversion mit 103 PS (76 kW) an. Opel dagegen übt sich beim Corsa in vornehmer Zurückhaltung und beschränkt das Angebot auf 90 PS (66 kW). Im Süden Europas dagegen bekennt man sich offen zur Leistungsgesellschaft. So gibt es den neuen Fiat Punto als HGT mit einem 130 PS (96 kW) starken 1,8-Liter-Motor. Wem der Punto noch eine Nummer zu groß ist, kann auch den Seicento Sporting bestellen: Der hat zwar nur 55 PS (44 kW) unter der Haube, sieht dafür aber fast wie ein echter Sportwagen aus.

Dazu gesellt sich von der Firmentochter Lancia der Y Elefantino Rosso mit 85 PS (63 kW). Ebenfalls heißblütig gibt sich der Seat Ibiza, der schon jetzt auf 100 PS (74 kW) kommt und im Sommer als "Cupra" mit 156 PS (115 kW) an den Start gehen soll. Proton nutzt die Erfahrungen der Firmentochter Lotus, um aus der 300er-Serie einen sportlichen 318 GTI mit 135 PS (99 kW) zu machen.

Selbst im Norden Europas dürfen Kleinwagen ruhig mal etwas schneller sein: Vom neuen Rover 25 gibt es gleich zum Start wieder eine sportliche Version mit 145 PS (107 kW). Und den zum Jahresende erwarteten neuen Mini wird es als Urvater der rasanten Zwerge ebenfalls mit dreistelliger PS-Zahl geben.

Thomas Geiger