Konzeptauto F400 Carving Einfach schräg
Der silbergrau lackierte Zweisitzer F400 Carving stelle Fahrwerkssysteme vor, so Mercedes, die "für die Automobile von übermorgen" gedacht seien. Mehr Spaß und mehr Sicherheit für die Insassen soll die neue Technik bieten. Die spektakulärste Neuerung des Autos ist eine automatische Sturzwinkelverstellung. Darunter hat man sich folgende vorzustellen: Fährt der F400 Carving in eine Kurve, verstellt sich bei den kurvenäußeren Rädern je nach Fahrsituation der Sturz. Maximal kann die Schräglage der Reifen um einen Winkel von 20 Grad verändert werden, die Pneus stützen den Wagen dann regelrecht ab.
Was bringt das System? Mercedes schwärmt, dass die Sturzwinkelverstellung in Kombination mit speziell dafür entwickelten Reifen die Seitenführungskräfte wesentlich besser überträgt als ein herkömmliches Fahrwerk mit fester Sturzeinstellung und handelsüblichen Reifen. Das macht einerseits das Kurvenfahren sicherer und erlaubt andererseits höhere Kurvengeschwindigkeiten. Nach Berechnungen der Stuttgarter liegt die Querbeschleunigung des F400 Carving um 28 Prozent über den Werten aktueller Sportwagen.
Dies funktioniert allerdings nur in Kombination mit den Spezialpneus von Pirelli. Diese Reifen haben eine asymmetrische Lauffläche. Beim Geradeausfahren hat lediglich der äußere Teil der Lauffläche Kontakt zur Fahrbahn. Neigen sich bei Kurvenfahrt die äußeren Räder, dann fährt der Zweisitzer mit diesen Reifen auf deren inneren, leicht abgerundeten und weicheren Lauffläche. Das Auto haftet besser auf der Straße.
Die Sturzverstellung bietet auch in Notsituationen ein Sicherheitspolster, indem zum Beispiel bei Schleudergefahr der Sturz aller Räder vergrößert werden kann und dadurch die Wirkung des Stabilitätssystems ESP vergrößert. Bei einer Vollbremsung gilt Ähnliches: Wenn alle vier Räder schlagartig schräggestellt werden, verringert sich der Bremsweg spürbar. Aus Tempo 100 zum Beispiel um gut fünf Meter.
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Auch andere Fahrwerkskomponenten des F400 Carving stellen Zukunftstechnik vor. Zum Beispiel eine erstmals eingesetzte aktive Hydropneumatik, die Federung und Dämpfung auf die jeweilige Fahrsituation einstellt. Oder eine elektronische Lenkung ohne mechanische Bauteile. Dabei werden die Bewegungen am Lenkrad von Sensoren erfasst und an zwei Mikrocomputer übertragen. Diese Rechner wiederum steuern ein elektrisch angetriebenes Lenkgetriebe.
Neue Technik steckt auch in den Scheinwerfern: Die eigentlichen Xenon-Lampen sind unter der Motorhaube versteckt. Ihr Licht wird mittels Glasfaserleitungen zu den Scheinwerfern geleitet. Und in Kurven (also immer dann, wenn die äußeren Räder schräg stehen), schalten sich automatisch seitlich platzierte Scheinwerfer ein.
Bei so viel Innovation fällt es kaum auf, dass dem Auto sehr wichtige Dinge fehlen: Zum Beispiel Scheiben oder ein Dach. Doch dies interessiert im Zusammenhang mit dem F400 Carving nicht. Denn das Forschungsauto wird so, wie es in Tokio gezeigt wird, natürlich niemals in Serie gehen. Einige der technischen Finessen allerdings werden wohl in künftigen Mercedes-Modellen zum Einsatz kommen. Das eine oder anderer möglicherweise bereits in der Luxus-Limousine Maybach.