Lada Priora: Fabrikneue Ostalgie - DER SPIEGEL
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Lada Priora Fabrikneue Ostalgie

Lada verkauft hierzulande noch weniger Autos als Lancia oder Lexus, trotzdem gehörte die russische Marke im vergangenen Jahr prozentual zu den Zulassungssiegern. Denn kleine Preise kommen derzeit gut an. Nun soll das neue Modell Priora weitere sparsame Kunden locken.
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Bei der Nachricht dürften in Buxtehude die Krimsekt-Korken geknallt haben. Kaum eine andere Marke hat in Deutschland im vergangenen Jahr so stark zugelegt wie Lada - ein Zulassungsplus von 15 Prozent haben die Statistiker des Kraftfahrtbundesamtes errechnet. Die absoluten Zahlen allerdings sind weiterhin bescheiden. Denn mit nicht einmal 2500 Neuanmeldungen rangiert die russische Marke noch weit hinter Krisenkandidaten wie Saab, Lancia oder Seat.

Mit der Entwicklung stützen die Russen eine gängige These von Marktbeobachtern, die auch den Erfolg der Renault-Schwester Dacia erklärt: Je schlechter die ökonomische Lage, desto besser verkauft sich Billigware. Das sieht man an den langen Schlangen vor den Kassen der Discounter ebenso wie am Zulauf der Billigfluglinien. Und man erkennt es eben auch an den Neuzulassungen des russischen Restpostens, der keinen Pkw für mehr als 12.000 Euro im Angebot hat. Und in diesem Preis ist die Flüssiggasumrüstung schon enthalten.

Damit die Erfolgsserie nicht abreißt, holt Lada seit dem Jahreswechsel ein weiteres Modell ins Land: den Priora. Er wird als Lada 2170 und 2172 im russischen Werk Togliatti bereits seit gut zwei Jahren gebaut und soll als Nachfolger der Baureihen 2110, 2111 und 2112 nun zu Preisen ab 8500 Euro auch hierzulande die Kompaktklasse bereichern. Dafür haben die Ingenieure immerhin rund 350 Teile und Baugruppen des Ursprungsmodells ausgetauscht oder verbessert.

Zum Schmuckstück wird der Priora dadurch aber noch lange nicht. Zwar imitieren die Leuchten den aktuellen Xenon-Look deutscher Oberklasse-Modelle, und im Kühlergrill prangt eine Chromspange wie etwa beim neuen Opel Insignia. Doch die Grundform ist schlicht und altbacken. Das 4,35 Meter lange Stufenheck-Modell sieht in etwa so aus, wie Kinder ihr erstes Auto zeichnen. Es gibt auch eine auf 4,21 Meter gestutzte Fließheck-Version, die verdächtig an die späten Serien von Opel Kadett oder Renault 19 erinnert.

Weiche Sitzpolster und ein brummiger Motor

Während das Design also nichts für Stilisten ist, hat sich im Innenraum einiges getan. Zwar wirkt der überraschend geräumige Fünfsitzer mit den mausgrauen Polstern und den aschfahlen Kunststoffkonsolen immer noch fade. Aber wenigstens ist man nun vor Kuriositäten und bösen Überraschungen gefeit: Schalter und Hebel mögen etwas schwerfällig funktionieren, aber sie sind dort, wo man sie erwartet. Den Klappen fehlt eine Silikondämpfung, aber dafür gibt es neben dem riesigen Handschuhfach jetzt eine Extrabox, eine Ablage unter der Mittelarmlehne und ein kleines Brillenfach im Dachhimmel. Im schlichten Cockpit blinkt ein Bordcomputer. Und was den dünnen Sitzmöbeln an Schmuck und Seitenhalt fehlt, machen sie mit wohnzimmerweicher Polsterung und viel Bewegungsfreiheit wett.

In Fahrt bringt den Priora ein 1,6 Liter großer Benziner mit 98 PS und 145 Nm, der brummt wie ein russischer Bär und ist rau wie der Winter in Sibirien. Doch wer den Trick mit dem hakeligen Fünfgang-Getriebe heraus hat und den Vierzylinder mit hohen Drehzahlen bei Laune hält, der schwimmt flott im Verkehr mit. Ein Sprintwert von 11,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 183 km/h sind aber in der Kompaktklasse ausreichend, und der Durchschnittsverbrauch von 6,3 Litern geht in Ordnung. Außerdem verleiten das butterweich abgestimmte Fahrwerk, die indirekte Lenkung und die kraftlosen Bremsen ohnehin nicht zum Rasen. Wer es ruhig dahinrollen lässt, fährt in einem Priora so entspannt wie in anderen Kompaktautos auch.

Ladas erfolgreichstes Modell ist ein Allrad-Methusalem

Zwar setzt Lada vordergründig auf den neuen Priora, doch tatsächlich ruht der Erfolg auf dem altbackenen Allradler Niva, der an den Zulassungen einen Anteil von fast 75 Prozent hat und nach Einschätzung von Branchenbeobachter Ferdinand Dudenhöffer noch immer vom Trend zum Geländewagen zehrt. Lada dürfte nach Dudenhöffers Prognose in diesem Jahr von der Abwrackprämie profitieren und deshalb weiter wachsen. "Aber das sollte man nicht überbewerten", dämpft der Experte die Erwartungen. "Mit der Lada-Organisation und den vorhandenen Modellen lässt sich keine lange Erfolgsstory schreiben."

Obwohl der Priora der vielleicht beste Lada aller Zeiten ist, sieht Dudenhöffer für die Marke schwarz. Denn es geht in dieser Preisklasse auch anders. "Was richtiges Wachstum ist und wie man erfolgreich eine Billigmarke aufbaut, zeigt Dacia. Von 24 Zulassungen im Jahr 2004 auf über 24.000 im Jahr 2008", lobt Dudenhöffer die rumänische Renault-Tochter. Aber nicht nur in der Statistik, auch beim Image spielen Logan und Co. längst in einer anderen Liga. In einem Dacia kann man sich inzwischen sehen lassen - in einem Lada dagegen spürt man stets einen gewissen Rechtfertigungsdruck.

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