Lancia Ypsilon Picco Bello
"Im Grunde habe wir das Segment der edlen Kleinwagen erfunden", sagt Lancia-Sprecher Vincenzo Lucà. 1985 war das, als die Marke das Modell Y10 auf den Markt brachte. Inzwischen ist das Gedränge in dieser Gruppe groß. Zahlreiche Hersteller verfahren nach dem Rezept, kleine Autos mit möglichst vielen Ausstattungsdetails vollzustopfen. Die Luxusspirale dreht sich stetig weiter.
Im Falle des neuen Ypsilon zum Beispiel gibt es auf Wunsch (und gegen Aufpreis) eine zweifarbige Lederausstattung im Innenraum oder eine Zwei-Zonen-Klimaanlage. Beides Dinge, die bislang Fahrzeugen in höheren Segmenten vorbehalten waren. Die Italiener versuchen damit zweierlei: Erstens ihr Image als Lifestyle-Marke mit langer Tradition (Lancia wurde 1906 gegründet) auszubauen; und zweitens Menschen anzusprechen, die besonders mode- und markenbewusst ist. Als Kernzielgruppe hat Lancia Frauen definiert, bei denen "alles, was sie tun und kaufen, trendy ist" und die folgerichtig ihre Freizeit am liebsten mit "Shoppen, Sport oder Kosmetikbehandlungen" verbringen. Um aber in die Boutique und zum Bodystyling zu kommen, braucht es ein Auto.
So eins wie den Ypsilon zum Beispiel, der schon durch sein elegantes, modisches Design auffällt. Marco Tencone hat die Karosserie des 3,78 Meter langen Autos geformt, und es ist ihm der schwierige Spagat zwischen Seriosität und Extrovertiertheit geglückt. Richtig klasse sehen die zutraulich blickenden Frontscheinwerfer und das stämmige, von vertikalen Linien gegliederte Heck aus.
Im Innenraum merkt man dem Auto den Drang zum Anderssein ebenfalls an. Geschmeidige Formen, mehrere Ablagen, ein zentrales Cockpit mit grün beleuchteten Instrumenten und ein gut gegliedertes Armaturenbrett schaffen Ordnung und bieten was fürs Auge. Das Lenkrad lässt sich zweifach verstellen, der hochgelegte Schaltknüppel liegt kaum zwei Handbreit entfernt - so lässt sich der Ypsilon sehr bequem fahren, zumal die Sitze üppig gepolstert sind.
Doch nicht alles ist perfekt: Die große Tür erleichtert zwar das Einsteigen nach hinten, doch sie ist auch ziemlich schwer. Weil der Griff auch noch weit vorne angeordnet ist, braucht es zum Zuziehen schon etwas Kraft. Ebenfalls nicht optimal ist die Sicht nach hinten, was dazu führen dürfte, dass der Ypsilon gerne mit einem Einparksensor (200 Euro Aufpreis) bestellt werden dürfte. Das Handschuhfach ist etwas klein geraten, und zudem wäre es hilfreich, wenn ein Stadtauto wie dieses auf der Tachoskala eine deutliche Markierung bei 50 km/h besäße. Beim Ypsilon gibt es nur einen dünnen Strich zwischen den Ziffern 40 und 60.
Lancia bietet den Wagen mit drei Benzinmotoren (60, 80 und 95 PS/ 44, 59 und 70 kW) sowie mit einem Commonrail-Diesel mit 70 PS (51 kW) an. Wir fuhren das stärkste Modell, das sich erwartungsgemäß flott und flüssig bewegen lässt. Allerdings ist der Wagen mit dem 1,4-Liter-Motor kein Leisetreter: Wenn es schneller wird, werden Wind-, Abroll- und Motorgeräusche deutlich hörbar. Das Fahrgefühl insgesamt ist sehr angenehm, leicht und beinahe spielerisch.
| Hersteller: | Lancia |
|---|---|
| Typ: | Ypsilon |
| Karosserie: | Kleinwagen |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.368 ccm |
| Leistung PS: | 95 PS |
| Leistung kW: | 70 kW |
| Drehmoment: | 128 Nm |
| Von 0 auf 100: | 10,9 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 175 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 6,6 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 156 g/km |
| Kofferraum: | 215 Liter |
| Versicherung (HP): | 16 € |
| Versicherung (TK): | 17 € |
| Versicherung (VK): | 19 € |
| Preis: | 13.550 € |
Grundsätzlich stattet Lancia alle Ypsilon-Versionen (es gibt drei Ausstattungsvarianten) mit vier Airbags, ABS, Zentralverriegelung, Wärmeschutzverglasung und Follow-me-home-Funktion der Scheinwerfer aus. Der Grundpreis für das Basismodell liegt bei 11.500 Euro.
Damit ist der Lancia deutlich günstiger als etwa der Mini, den die Italiener durchaus zum Kreis der Konkurrenten zählen. Wenn der Lifestyle also auch durchs Portemonnaie geht, sieht es gar nicht schlecht aus für den Ypsilon. Ab 18. Oktober steht der Wagen bei den Händlern, noch in diesem Jahr sollen 1350 Exemplare verkauft werden, im nächsten Jahr dann 6400. Damit würde der neue Kleine mehr als die Hälfte aller Lancia-Verkäufe in Deutschland ausmachen. In gut einem Jahr wird die Marke in dieser Klasse übrigens ein weiteres Modell nachlegen: einen Minivan auf der technischen Basis des künftigen Fiat Idea, aber mit optischen Anklängen an den neuen Ypsilon.